Datenschutzbeauftragte Imke Sommer und Geschäftsführerin Annegret Siebe zu Gast in Schulen Zwei "Klasse-Frauen" stehen Rede und Antwort

Von CORA REMMERT
15.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von CORA REMMERT

Horn-Lehe·Östliche Vorstadt. Wenn bekannte und weniger bekannte Bremerinnen in Klassen kommen, um von ihrem persönlichen Werdegang zu berichten, dann nennt sich das "Klasse-Frauen: Lernen mal anders". Zum 101. Internationalen Frauentag nahmen insgesamt 15 Bremer Schulen diese Chance wahr und luden sich eine "Klasse-Frau" ein. Diskutiert wurde vor allem über eines: Die Gleichstellung von Frauen und Männern.

Etienne Cevin Bohnhorst (18) und Tim Yelle Lieder (16) machen sich bereit. Die letzten Schüler und Schülerinnen huschen auf ihre Plätze. Dann geht es los. Gespannt begrüßen die beiden Moderatoren ihr Publikum. Denn heute ist kein normaler Schultag. Heute ist die Landesdatenschutzbeauftragte Imke Sommer zu Gast in der Wilhelm-Focke-Oberschule in Horn-Lehe, um von ihrem Werdegang zu berichten. Damit ist sie Teil der Schulaktion "Klasse-Frauen: Lernen mal anders", die zum zweiten Mal von der Senatorin für Bildung und der Bremischen Gleichstellungsstelle veranstaltet wird. "Es gibt noch immer viele Situationen, in denen es Frauen schwerer haben", beginnt die Landesdatenschutzbeauftragte. "Die Idee, dass Frauen zu Hause am Herd bleiben, ist noch nicht tot."

Das möchten die jungen Moderatoren genauer wissen. "Glauben Sie, dass die Hausfrau ausstirbt?", fragen sie. "Ich denke nicht", sagt Imke Sommer entschlossen. "Wahrscheinlich ist die traditionelle Hausfrau ausgestorben, aber nicht ihre Tätigkeiten."

Zu ihrem derzeitigen Beruf ist die Bremerin ganz unspektakulär gekommen. "Ich habe mich beworben", sagt sie. "Die einzige Voraussetzung war, dass ich Juristin bin." Seit nun drei Jahren ist sie Landesdatenschutzbeauftragte. 2009 wurde sie von der Bremischen Bürgerschaft gewählt. "Vorher war ich in der bremischen Verwaltung", berichtet sie den Schülerinnen und Schülern.

Diese hatten sich schon im Vorfeld mit der Frage auseinandergesetzt, in wie weit Rollenbilder in der heutigen Gesellschaft eine Rolle spielen. Um sich dem Thema anzunähern, haben die Klassen bekannte Frauen porträtiert, die sich für eine Gleichstellung von Männern und Frauen engagiert haben. Die Ergebnisse auf gelben DIN A4-Zettel mit Foto und Text hängen an einer blauen Wäscheleine. Von Katharina der Großen über Anne Frank bis hin zu Rosa Luxemburg und Alice Schwarzer sind einige große Namen vertreten. Was hätten sie wohl zum Thema Facebook gesagt?

"Wie geht es euch, wenn ihr auf Facebook unterwegs seit?", möchte die Datenschutzbeauftragte von den Schülern und Schülerinnen wissen. Es wird still. Nur vereinzelt gehen Hände hoch. "Facebook ist nicht schlecht, wenn man weiß, wie man damit umgehen muss", sagt Damian Wylegalla (17). "Ich zum Beispiel habe nur die Personen als Freunde, mit denen ich auch wirklich befreundet bin."

Lena Brüning (16) ist da anderer Meinung. "Ich finde, das ist Selbstverblödung. Meine Schwester hat bei Facebook Bilder hochgeladen, die bereits bei Google Bilder zu finden sind", sagt sie. Imke Sommer weiß: "Jugendschutz ist auf jeden Fall kein Ziel von Facebook."

Überhaupt möglich gemacht hatte die Diskussionsrunde Lehrerin Adrienne Körner, die sich regelmäßig für Jugendprojekte stark macht. "Für viele war diese Schulaktion neu", sagt sie. "Nur die beiden Moderatoren Etienne und Yelle waren aufgrund anderer Diskussionsprojekte bereits geübter."

Auch in der Oberschule Schaumburger Straße in der Östlichen Vorstadt ist eine "Klasse-Frau" zu Gast: Annegret Siebe. Die Geschäftsführerin des Landesverbands Pro Familia nimmt zum ersten Mal an der Schulaktion teil. "Ich wurde vom Zentrum für unterstützende Pädagogik (ZuP) gefragt, ob ich Lust habe mitzumachen", erzählt sie. Bei ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Themen rund um Sexualität, Partnerschaft, Verhütung und Schwangerschaft. Ziemlich spannend, findet auch die 7. Klasse der Oberschule Schaumburger Straße.

Wie die Schüler und Schülerinnen der Wilhelm-Focke-Oberschule hat sich auch die Klasse von Nicola Klesch im Vorfeld bereits Gedanken gemacht. Vor allem eines brennt den Schülerinnen unter den Nägeln. "Was sind ihre Ziele im Hinblick auf die Gleichberechtigung von Frauen und Männern?" Klar, dass die "Klasse-Frau" da eine Antwort parat hat. "Frauen bekommen in vielen Berufen noch immer weniger Geld", erklärt die Geschäftsführerin. "In dem Zusammenhang würde ich gerne etwas bewegen."

So viel Ermutigung, sich mit den bestehenden Rollenbildern zu beschäftigen und aktiv zu werden, kommt auch bei den Schülerinnen gut an. Isabelle (14) ist sich sicher: "Ich möchte, dass alle gleich behandelt werden", sagt sie. Um diesem Ziel ein Stückchen näherzukommen, arbeitet die Klasse derzeit noch an weiteren Projekten zum Thema "Rollenbilder". "Wir machen bis zu den Sommerferien noch ein Anti-Mobbing-Training", sagt Klassenlehrerin Nicola Klesch.

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