Autobauer Borgward

Zwei Monatsmieten für die Marke Borgward

Der Relaunch des Autobauers Borgward rückt näher: Am 3. März auf dem Autosalon in Genf wird die neue Borgward AG vorgestellt.
25.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Corinna Tonner und Felix Lee
Zwei Monatsmieten für die Marke Borgward

Historisch: Claus Borgward, damals Manager bei Volkswagen, im Herbst 1997 bei einem Oldtimer-Treffen in Wolfsburg.

Franz Berding, frei

Der Relaunch des Autobauers Borgward rückt näher: Am 3. März auf dem Autosalon in Genf wird die neue Borgward AG vorgestellt. Organisiert wird die Präsentation und der große Auftritt von Christian Borgward und seinem Mitstreiter Karlheinz Knöss – mithilfe einer großen PR-Agentur in Nordrhein-Westfalen.

Vom chinesischen Autobauer Beiqi Foton Motor, seit 2014 Inhaber der Marke Borgward, gibt es Neuigkeiten. Beim Unternehmen mit Hauptsitz in Peking studiert man gegenwärtig intensiv die Geschichte Borgwards, und in chinesischen Medien erscheinen Artikel, in denen der Bremer Automobilbauer vorstellt wird.

„Deutsche Traditionsmarke Borgward weckt romantische Gefühle“ lautete die Schlagzeile in der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Im Text wird vor allem beschrieben, wie Christian Borgward seinen Lebenstraum erfüllen und die Marke wiederbeleben will. Interessant: Xinhua zitiert den stellvertretenden Vorsitzenden von Chinas Autoverband Zhang Zhangyi, der allerdings nicht besonders optimistisch ist. Die Marke sei zu lange tot und unbekannt, als dass sich in China viele Käufer finden würden. Er verweist auch auf mehrere Übernahmen ausländischer Automarken durch chinesische Firmen und deren bislang recht geringen Erfolg, etwa auf Saab. Beiqi Foton, ein Unternehmen mit 28 000 Mitarbeitern, hat im Lkw-Bereich bereits ein Joint Venture mit der Daimler AG. Um mehr über die Geschichte des ehemaligen Bremer Autobauers und seine Modell-Palette zu erfahren, werden jetzt offenbar auch deutsche Bücher über Borgward ins Chinesische übersetzt.

Zu Wort meldet sich indessen auch ein früherer Inhaber der Marke Borgward, der Braunschweiger Jurist und CDU-Politiker Carsten Müller. Der heute 44-Jährige ist Bundestagsabgeordneter und kaufte die Markenrechte im Jahr 1997 für die „Warengruppe 12 – Fahrzeuge zu Lande, zu Wasser und in der Luft“.

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Müller erinnert sich im Gespräch mit dem WESER-KURIER: „Die Markenrechte waren damals vollkommen ungeschützt.“ Er fragte deswegen bei der Interessengemeinschaft Borgward in Essen an, einem Forum für Autoliebhaber. Doch dort zeigte man seinerzeit kein Interesse. Schließlich kaufte Carsten Müller, damals Jura-Student in Göttingen, die Rechte an der Marke Borgward für 300 D-Mark: „Das entsprach zwei Monatsmieten für meine Studenten-Bude.“ Für ihn sei es ein „Jokus“ gewesen und als Oldtimer-Fan wollte Müller verhindern, dass Dritte mit der Marke „Schindluder treiben“.

Über Müllers Coup berichteten Fachzeitschriften. In einem Fernsehbericht trat Carsten Müller gemeinsam mit Monica und Claus Borgward in der Familien-Villa an der Horner Heerstraße auf, wo damals auch die Witwe Carl Borgwards, Elisabeth, lebte. Doch die Harmonie war brüchig, so Müller, denn Claus Borgward, Vater des neuen Borgward-Chefs Christian, ging juristisch gegen ihn vor: „Er war der Auffassung, dass ihm die Markenrechte zustanden.“

Natürlich sei immer erkennbar gewesen, dass Müller selbst kein Automobilfabrikant werden wollte: „Das sind andere Dimensionen. Zwischen einer Marke und einem Prototypen liegen Welten. Und zwischen einem Prototypen und einer Serienfertigung ist es noch einmal ein Quantensprung.“ Dennoch sei er „verblüfft“ gewesen, so Müller, dass ein Mann wie Claus Borgward, der immerhin selbst VW-Manager war, sich die Rechte niemals gesichert hatte: „Damals wusste ich nicht, dass er ganz in meiner Nähe in Wolfsburg gearbeitet hat.“ Am Ende habe sich ein Kooperationspartner von Carsten Müller mit der Familie geeinigt. Müller selbst stieg nach eigenen Angaben vorher aus und die Rechte seien dann an Claus Borgward gegangen.

Carsten Müller ist heute im Bundestag Vorsitzender im Parlamentskreis „Automobiles Kulturgut“.

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