Jahresstatistik des Zolls

Zwei Spürhunde sind die Stars beim Bremer Zoll

Das Hauptzollamt Bremen hat am Dienstag seine Jahresstatistik für 2018 präsentiert. Im Mittelpunkt dabei standen zwei besondere Vierbeiner.
02.04.2019, 20:45
Lesedauer: 4 Min
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Zwei Spürhunde sind die Stars beim Bremer Zoll
Von Ralf Michel
Zwei Spürhunde sind die Stars beim Bremer Zoll

Hier riecht es doch verdächtig nach Bargeld ... Spürhund Etoo auf der Suche nach einem Bündel Geldscheine, das sein Führer Stefan Klinge zuvor versteckt hat.

Ralf Michel

Es geht um Einnahmen in Milliardenhöhe, aufgedeckte Schwarzarbeit und Berge gefälschter Markenprodukte, die im vergangenen Jahr vom Zoll sichergestellt wurden. Aber wenn Etoo und Gonzo ihren Auftritt haben, rückt all dies in den Hintergrund. Keine Frage, die beiden Spürhunde sind eindeutig die Stars bei der Präsentation der Jahresbilanz 2018 des Hauptzollamtes Bremen.

Ein feines Näschen haben beide. Für Bargeld und Tabakwaren der eine, für Drogen der andere. Der siebenjährige Zollhund Etoo könne Bargeld, oder genauer: dessen Druckerfarbe durch gemauerte Wände riechen, erklärt sein Führer. Da ist die Aufgabe, die am Dienstag zu Demonstrationszwecken auf Etoo wartet, geradezu ein Klacks. Ein Bündel Geldscheine im Tank und eines vorne unter der Motorhaube? Kein Problem für Etoo. Er schnüffelt kurz, dann erstarrt er mitten in der Bewegung. „Einfrieren nennt man das“, erklärt Klinge. Die Zeiten, in denen Spürhunde ihren Fund anzeigten, indem sie aufgeregt an der Fundstelle herumkratzen, ist lange vorbei. Heute werden die Tiere darauf trainiert, regungslos zu verharren, sobald sie fündig ­geworden sind.

"Alles, was es gibt, wird auch gefälscht"

Genauso macht das Gonzo, mit drei Jahren sozusagen das Nesthäkchen unter den 18 Spürhunden des Bremer Zolls. Auch er hat keine Mühe, die zuvor versteckten Drogen zu finden. Wie versteinert sitzt er vor dem Wagen, die Nasenspitze fast auf die Benzinklappe gedrückt. Ein Schnalzlaut ertönt, das Signal für den Hund, dass er seinen Job zu erledigt hat. Seine Führerin Janice Lepper holt einen kleinen Ball hervor. Das gehört obligatorisch dazu – zur Belohnung wird kurz ­gespielt.

Die Halle der Containerprüfanlage des Zollamts Bremerhaven gleicht an diesem Morgen einem Warenlager. Auf einem Tisch liegt ein ganzer Berg Schlüsselanhänger mit Mini-­Powerbanks. Nicht nur die Anhänger bereiten dem Zoll Sorgen, Stichwort: Produktsicherheit, auch der Tisch, auf dem sie liegen. Denn der ist aus Madagascar-Palisadenholz gefertigt und unterliegt damit dem Artenschutz.

Auf den Tischen und Regalen daneben liegen die Klassiker der Markenpiraterie: Klamotten, Schuhe, Videospiele. Aber nicht nur das. Billigimitate von Airbags, Smartphones, Feuerlöscher, Signalfackeln, Moskitospray, Insulinspritzen ... „Alles, was es gibt, wird auch gefälscht“, sagt Andreas Heuer, Leiter des Zollamtes Bremerhaven. Die Zahl der Produktfälschungen sei insgesamt signifikant gegenüber den Vorjahren gestiegen.

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Der Zoll nähert sich diesem Feld aus zwei Blickwinkeln. „Markenrecht“ ist der eine davon überschrieben. Hierbei geht es um den Schutz der Rechteinhaber vor gefälschten Billigprodukten. Mindestens ebenso wichtig sei jedoch die „Produktsicherheit“, der Schutz der Verbraucher, betont Heuer und zeigt auf einen Stapel Alu-Felgen für Nobelkarossen. Schick sehen sie aus. Nur taugen tun sie nichts. Tests ergaben, dass sich bei 180 km/h auf gerader Strecke Risse in den gefälschten Markenfelgen bilden, die aus Saudi-Arabien kommen. „Nächste Stufe ist dann, dass so ein Teil auseinanderfliegt.“

Anhand der Felgen erklärt Heuer, wie der Zoll bei seinen Kontrollen vorgeht. Die schiere Masse, der zollamtlich abzufertigenden Einzelpositionen, 2018 waren es 15,9 Millionen, lässt mehr als stichprobenartige Kontrollen nicht zu. Die aber werden gezielt durchgeführt, „Risikoanalyse“ lautet das Zauberwort. Eine eigens hierfür zuständige Abteilung überprüft Anmeldungen, Warenströme und Einfuhrpapiere nach Auffälligkeiten. „Seit wann werden denn Alu-Felgen in Saudi-Arabien hergestellt?“

Über 400 Kilogramm Heroin

Auf einem kleinen Stehtisch in einer Ecke der Halle liegt ein kleines blaues Paket. Kokain, zu einem Kiloklotz zusammengepresst, erklärt Thomas Rippel. Über 400 Kilo Kokain hat der Zoll in Bremen und Bremerhaven im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogen. Dieses hier ist von besonders reiner Qualität, erklärt Rippel. Vor dem Verkauf würde es wahrscheinlich auf die dreifache Menge gestreckt, schätzt er. Womit der vor ihm liegende Block einen Straßenverkaufswert zwischen 150 000 und 170 000 Euro hätte.

Die Menge an sichergestelltem Heroin sei mit über 400 Kilogramm weiterhin hoch, sagt Nicole Tödter, stellvertretende Leiterin des Hauptzollamts Bremen. Im Vorjahr standen hier zwar 1,3 Tonnen zu Buche. Doch dieser Rekordwert ging im Wesentlichen auf einen einzigen Fund zurück, als mit dem Röntgengerät des Zolls in der Freizone Bremerhaven über 1,1 Tonnen Kokain in einem Container aus Südamerika entdeckt wurden. „Von Entwarnung beim Kokainschmuggel kann derzeit keine Rede sein“, betont Tödter. Insbesondere Bremerhaven gehöre nach wie vor wie alle anderen großen europäischen Häfen zu den typischen Einfuhrorten beim Drogenschmuggel. „Von hier soll das Rauschgift dann europaweit verteilt werden.“

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Zufrieden zeigte sich Tödter mit den 4,2 Milliarden Steuereinnahmen, die das Hauptzollamt Bremen im vergangenen Jahr verbuchen konnte. Ein Anstieg um mehr als 700 000 Millionen gegenüber 2017, der zum einen auf die gute Konjunktur, zum anderen auf die deutlich gestiegene Zahl der Zoll-Mitarbeiter zurückzuführen sei. Die Einnahmen unterstrichen „die große Bedeutung der Hafenstandorte Bremerhaven und Bremen für den Zoll.“

Einen neuen Rekordwert verzeichnete das Hauptzollamt Bremen zudem in der Bekämpfung der Schwarzarbeit. Insgesamt wurden laut Nicole Tödter bei den Ermittlungen Schäden von rund 26 Millionen Euro ermittelt. Es ist das Ergebnis einer neuen Strategie des Zollamtes, das seine Prüfungen 2018 schwerpunktmäßig in besonders von Schwarzarbeit und Mindestlohnverstößen betroffenen Branchen durchführte. Und von rund 4000 Hinweisen, die aus anderen Behörden und von Bürgern beim Zoll eingingen.

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