Zwei Weltkriege und zahlreiche Reisen: Berta Rodde blickt auf 101 Jahre zurück

Rönnebeck. Dass sie einmal so alt werden würde, hätte sich Berta Rodde nie träumen lassen. Heute, am 13. September, feiert sie ihren 101. Geburtstag - ein nahezu biblisches Alter. Und das möchte die gebürtige Ostpreußin gebührend feiern: Zum Kaffeetrinken und Abendessen geht es mit etwa 20 Gästen in ein Hotel. "Das hat sich unsere Mutter gewünscht", sagt Tochter Margot Steil, "das ist ihr wichtig". Und Berta Rodde hat vor ihrem Ehrentag nur eine Sorge: "Hoffentlich spielt das Wetter mit."
13.09.2011, 05:00
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Zwei Weltkriege und zahlreiche Reisen: Berta Rodde blickt auf 101 Jahre zurück
Von Julia Ladebeck

Rönnebeck. Dass sie einmal so alt werden würde, hätte sich Berta Rodde nie träumen lassen. Heute, am 13. September, feiert sie ihren 101. Geburtstag - ein nahezu biblisches Alter. Und das möchte die gebürtige Ostpreußin gebührend feiern: Zum Kaffeetrinken und Abendessen geht es mit etwa 20 Gästen in ein Hotel. "Das hat sich unsere Mutter gewünscht", sagt Tochter Margot Steil, "das ist ihr wichtig". Und Berta Rodde hat vor ihrem Ehrentag nur eine Sorge: "Hoffentlich spielt das Wetter mit."

Ihren 98. Geburtstag hatte sie noch in ihrer eigenen Wohnung ausgerichtet. Im siebten Stock eines Hochhauses in Rönnebeck lebte sie damals. "Da war der Fahrstuhl ausgefallen und unsere Mutter ist an diesem Tag mehrmals die sieben Stockwerke hoch- und runtergelaufen, um für den Geburtstag einzukaufen und alles zu organisieren", erinnert sich Margot Steil. Erst nach einem Sturz, bei dem sie sich den Oberschenkel brach, zog Berta Rodde vor knapp drei Jahren in das Stiftungsdorf Rönnebeck um. Die Feier zum 101. Geburtstag organisieren nun ihre Kinder.

Geboren wurde sie am 13. September 1910 in Elchwerder als Älteste von insgesamt zehn Geschwistern mit dem Mädchennamen Naujoks. Ihre Kindheit war geprägt vom Ersten Weltkrieg, Hunger und Armut. Als 17-Jährige zog sie mit ihrer Familie nach Essen um, "dort hatte mein Vater Arbeit gefunden", erinnert sie sich. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kehrten sie jedoch nach Ostpreußen zurück.

Mit 23 Jahren heiratete sie August Rodde, der bereits kurze Zeit später als Soldat in den Krieg ziehen musste. Nach der Geburt ihrer Kinder Margot, Hildegard und Gerhard flüchtete Berta Rodde mit ihnen im Dezember 1944 nach Berlin. Unterwegs brachte sie ihre jüngste Tochter Brigitte auf die Welt. Diese lernte ihren Vater nie kennen, er fiel im Krieg. "Eine Woche sind wir in Berlin geblieben, mussten jede Nacht in den Bombenschutzkeller und haben dann mit dem letzten Zug, der Richtung Westen fuhr, die Stadt in Richtung Bremen verlassen", erzählt Margot Steil.

Am Hauptbahnhof in Bremen wurde die junge Mutter gefragt, ob sie nach Schwanewede oder nach Neuenkirchen weiterfahren wolle. "Es hieß, in Neuenkirchen gebe es einen Schlachter und einen Bäcker, da habe ich mich für Neuenkirchen entschieden", erläutert Berta Rodde, die ihr Leben lang pragmatisch gedacht hat. Vor allem für ihre Kinder habe sie stets ohne Zaudern ihr Ziel verfolgt, bestätigen ihre Töchter Margot Steil und Brigitte Stork. "Ich hatte immer Gottvertrauen und wenn es Probleme gab, habe ich mir gesagt: Augen zu und durch - mehr als sterben kannst du nicht", beschreibt Berta Rodde ihre Einstellung. So zauderte sie auch nicht lange, als sich ihr die Möglichkeit bot, in einem Krankenhaus in Göttingen in der Pflege zu arbeiten. "Ich musste eben Geld verdienen."

Nachdem sie in Rente gegangen war, kehrt Berta Rodde nach Bremen zurück und genoss ihren Ruhestand vor allem auf Reisen. "Damals gehörte mir die Welt", meint sie versonnen. In Israel besuchte sie Jerusalem und badete im Toten Meer. Tunesien, die Schweiz, Griechenland und England waren weitere Ziele. Wenn sie zu Hause war, kümmerte sie sich am liebsten um ihren Garten, knüpfte Teppiche, besuchte ihre Kinder, Enkel und Urenkel. "Das war mein Leben - und es ist noch nicht zu Ende", sagt sie und schmunzelt.

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