Einbruch-Statistik für Blumenthal: Künstliche DNA wirkungslos? Zweifel an DNA wachsen

Bremen-Nord. Im Kampf gegen die Einbruchkriminalität mehren sich die Zweifel an der abschreckenden Wirkung künstlicher DNA. Neueste Zahlen der Polizei legen nahe, dass die Kennzeichnung keinen Zuwachs an Sicherheit bringt.
09.07.2014, 06:00
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Zweifel an DNA wachsen
Von Jürgen Theiner

Im Kampf gegen die Einbruchkriminalität mehren sich die Zweifel an der abschreckenden Wirkung künstlicher DNA. Neueste Zahlen der Polizei legen den Schluss nahe, dass die Kennzeichnung von Wertgegenständen mit kDNA für die Wohnungsinhaber keinen Zuwachs an Sicherheit bringt. Dieser Befund ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker dieses Präventionsinstruments.

Keine anderes Deliktfeld bindet bei der Polizei so große Ressourcen wie die Einbruchkriminalität. In Bremen-Nord warf Polizeichef Kevin Hamann im vergangenen Jahr alle verfügbaren Kräfte an diese Front, und tatsächlich konnten die Zahlen durch diese Schwerpunktsetzung gegenüber 2012 deutlich gesenkt werden. Neben gesteigerter Präsenz auf der Straße setzt die Polizei dabei auch auf Vorbeugung. Zusätzlich zur technischen Sicherung der Wohnungen empfiehlt sie seit 2010 die künstliche DNA. Mit entsprechenden Sets lassen sich Wertgegenstände für das bloße Auge unsichtbar markieren – und dem rechtmäßigen Eigentümer zuordnen, sollten sie einmal von der Polizei bei Einbrechern sichergestellt werden. Nicht zuletzt auf Anraten der Polizei erwarben in den vergangenen vier Jahren viele Haushalte die DNA-Sets zum Stückpreis von 60 bis 90 Euro. Ganze Straßenzüge geben sich inzwischen durch entsprechende Beschilderung als kDNA-geschützte Zonen zu erkennen. Die Hoffnung: Einbrecher machen um diese Bereiche einen Bogen, weil sie sich nicht dem Risiko aussetzen wollen, dass ihre Beute identifizierbar ist.

In Bremen-Nord verlassen sich derzeit rund zehn Prozent aller Haushalte auf die abschreckende Wirkung der kDNA. Und die Bremer Polizei rührt im Internet nach wie vor die Werbetrommel. Von „deutlich geringerem Einbruchrisiko“ ist auf ihrer Website die Rede, denn: „kDNA schreckt Täter ab.“

Allein, die Zahlen der Behörde geben eine solche Aussage nicht her. Bisher hatte sich die Polizei mit Auskünften zur statistischen Relation von Einbrüchen in DNA-gesicherte und normale Haushalte zurückgehalten. Auf eine entsprechende Anfrage der Nachbarschaftsinitiative Lüssum bei der Polizeispitze antwortete der Leiter der Schutzpolizei, Rainer Zottmann, am 13. Juni, die Datensysteme der Behörde ließen zu dieser Frage „keine verlässlichen Rückschlüsse“ zu. Sein Brief an die Initiative enthielt dann aber doch eine aufschlussreiche Zahl. Eine separate Auswertung durch Blumenthaler Kontaktpolizisten habe ergeben, dass sich im Stadtteil zwischen Anfang Januar und Ende Mai sieben Einbrüche in kDNA-geschützte Objekte ereigneten. Für das gesamte Jahr 2013 weist die Statistik für Blumenthal 124 Einbrüche aus. Auf fünf Monate heruntergerechnet sind das runde 52. Geht man davon aus, dass sich die Zahlen für Januar bis Mai 2014 nicht wesentlich von 2013 unterscheiden (aktuelle Zahlen waren am Dienstag von der Polizei nicht zu erhalten), dann wären die zehn Prozent kDNA-Haushalte bei den Einbrüchen sogar überrepräsentiert. Von abschreckender Wirkung könnte jedenfalls keine Rede sein.

Dazu passt, dass die Polizei bisher kein statistisches Material zu der Frage vorweisen kann, wie oft Einbrecherbeute durch DNA erfolgreich den Eigentümern zugeordnet werden konnte. Auf Anfrage dieser Zeitung hieß es gestern in einer schriftlichen Stellungnahme des Präsidiums: „Erfolgreiche Einzelfälle sind der Polizei Bremen natürlich bekannt, spielen statistisch gesehen aber keine Rolle.“ Bei polizeilichen Kontrollen etwa auf Flohmärkten könne wegen der „zu geringen Quote markierter Gegenstände“ bisher keine hohe Trefferquote erreicht werden.

Wenn DNA seit ihrer Einführung vor vier Jahren außer wenigen Zufallstreffern keine Ermittlungserfolge gezeitigt hat – worin soll dann die abschreckende Wirkung auf Einbrecher bestehen? Das fragen sich Kritiker wie Detlef Gorn von der Lüssumer Nachbarschaftsinitiative, die seinerzeit zu den Pionieren der DNA-Kampagne in Bremen-Nord gehörte. Die Antwort der Behörde bleibt allgemein. „Der Einsatz von kDNA soll das subjektive und objektive Entdeckungsrisiko für Einbrecher erhöhen. Deswegen wird das Thema wiederkehrend und vielfältig kommuniziert“, heißt es in der gestrigen Erklärung, verbunden mit dem Hinweis: „kDNA ist nur eine von mehreren Präventionsmöglichkeiten.“

Im Gespräch mit der NORDDEUTSCHEN wies der Leiter des Präsidialstabes der Polizei, Lars van Beek, zudem auf wissenschaftliche Erkenntnisse hin. Im Rahmen einer Untersuchung durch das Institut für Polizei- und Sicherheitsforschung seien auch inhaftierte Einbrecher zum Thema DNA befragt worden. Diese „Fachleute“ hätten die abschreckende Wirkung von Warnschildern an Häusern bejaht.

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