Nordbremer Unternehmen bieten Kombination aus Berufsausbildung und Studium an

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Studium und Berufsausbildung in einem Rutsch – dieses Konzept findet unter jungen Abiturienten immer mehr Zuspruch. An der Hochschule eignen sie sich die theoretischen Inhalte ihres Faches an, die dann im Betrieb durch praktische Anteile ergänzt und vertieft werden. Auch in Bremen-Nord bieten namhafte Unternehmen wie der Maschinenbauer Kuka und die Lürssen-Werft ein duales Studium an.
22.10.2014, 21:00
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Von Jürgen Theiner
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Christin Muus (links), hier mit Ausbildungsleiterin Verena Hell, hat ihren Vertrag schon in der Tasche.

Christian Kosak

Studium und Berufsausbildung in einem Rutsch – dieses Konzept findet unter jungen Abiturienten immer mehr Zuspruch. An der Hochschule eignen sie sich die theoretischen Inhalte ihres Faches an, die dann im Betrieb durch praktische Anteile ergänzt und vertieft werden. Auch in Bremen-Nord bieten namhafte Unternehmen wie der Maschinenbauer Kuka und die Lürssen-Werft ein duales Studium an.

Torben Uebel ist ein „Duali“. Diese Vokabel bezeichnet jene jungen Leute, die ihre akademische und berufliche Ausbildung gleichzeitig absolvieren und nach drei bis fünf Jahren sowohl einen Facharbeiterbrief als auch einen Hochschulabschluss in der Tasche haben. Der Maschinenbauer Kuka Systems verhilft Uebel zu beidem. 2011 hatte sich der Schwaneweder Abiturient bei dem Unternehmen für ein duales Studium beworben. „Ich war in der Schulzeit schon der Mathe-/Physik-Typ. Nach dem Abi wollte ich in dieser Richtung etwas mit Praxisbezug machen“, blickt der 22-Jährige zurück.

Da war er bei Kuka an der richtigen Adresse. Der Augsburger Konzern stellt an seinen Vegesacker Standorten an der Uhthoffstraße und auf dem Vulkan-Gelände Montagestraßen für die Fahrzeugindustrie her. Den qualifizierten Nachwuchs auf der Ingenieursebene verschafft sich Kuka seit einiger Zeit durch duale Studienangebote, in Kooperation mit der Hochschule Bremen und der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven.

Kennzeichen des dualen Studiums ist der Wechsel zwischen Theorie an der Hochschule und praktischen Phasen im Betrieb. Entsprechend kernig sind die Anforderungen, die an die Leistungsbereitschaft der „Dualis“ gestellt werden. Semesterferien sind für sie ein Fremdwort. Stattdessen gibt es den ganz normalen Urlaub, und selbst der geht zum Teil für Studium und Vorbereitung auf Prüfungen drauf.

Torben Uebel befindet sich bereits auf den letzten Metern. Den Facharbeiterbrief als Mechatroniker hat er bereits erworben. Inzwischen widmet er sich seiner Bachelor-Thesis, nämlich der Entwicklung einer Software zur Programmierung von Steuerungsprozessen. Der Ertrag dieser wissenschaftlichen Arbeit wird später auch der Fertigungstechnik bei Kuka zugutekommen.

Aus Sicht des Fachbereichsleiters Montage/Elektrik am Standort Vegesack, Joachim Nietschke, profitieren vom Modell des dualen Studiums beide Seiten. „Für uns als Unternehmen hat es den Charme, dass wir nach viereinhalb Jahren einen fertigen Ingenieur kriegen.“ Die Zukunft von Torben Uebel scheint gesichert. „Unser Ziel ist es, ihn zu halten“, hört man vom Leiter Konstruktion/Elektrik, Reinhard Lindner. Solch gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt teilt Uebel mit rund 40 000 jungen Menschen, die an rund 700 dualen Studiengängen an deutschen Hochschulen und inzwischen auch an einigen Universitäten eingeschrieben sind.

„Ohne Fleiß kein Preis“: Dieses Motto hat sich auch Christin Muus zu eigen gemacht. Sie studiert Betriebswirtschaftslehre mit Praxisanteilen bei der Lürssen-Werft, die 2005 einen Kooperationsvertrag mit der Hochschule Bremen abschloss. Die 21-Jährige konnte sich schon als Gymnasiastin für ökonomische Themen begeistern und wollte nach dem Abi „gleich wissen, wie es in der Praxis läuft“. Auf der Werft erhielt sie nicht nur Einblick, sondern sogar schon erste Verantwortung für kleinere Projekte. „Ich habe Kostenanalysen im Jacht-Management gemacht und eine Auftragsausführung durch einen Lieferanten ausgewertet. Ergebnis dieser Arbeit war eine Präsentation für den Fertigungsleiter“, schildert Christin Muus.

Die Kammerprüfung als Industriekauffrau hat sie bereits hinter sich. Für die Zeit nach der Graduierung zum Bachelor im kommenden Frühjahr hat auch Christin Muus schon Klarheit. Die Werft hat ihr bei der Tochterfirma Lürssen Logistics eine Funktion im Jacht-Management angeboten. Ähnlich wie bei Kuka sieht auch Verena Hell, Betreuerin der BWL-„Dualis“ bei Lürssen, den entscheidenden Vorteil in der frühen Vertrautheit mit den späteren Mitarbeitern: „Wir haben die Leute von der Pike auf.“ Unternehmenssprecher Oliver Grün: Den Studenten wiederum hilft die gute Perspektive – „eine echte Win-win-Situation.“

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