Auf der Jagd nach dem besten Motiv

Zweiter Bremer Fotomarathon

Am Samstagmorgen fand der zweite Bremer Fotomarathon statt: Neun Fotos in neun Stunden lautete die Aufgabe, die die Teilnehmer vor so einige Herausforderungen stellte.
04.09.2016, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christiane Mester
Zweiter Bremer Fotomarathon

Neun Motive in neun Stunden – klingt erstmal einfach, ist es aber nicht, wie Stefanie Krüger (links) und Lea von Otte merken: neben Kreativität ist vor allem Logistik gefragt.

Jonas Völpel

Am Samstagmorgen fand der zweite Bremer Fotomarathon statt: Neun Fotos in neun Stunden lautete die Aufgabe, die die Teilnehmer vor so einige Herausforderungen stellte.

Ausgerüstet mit Turnschuhen, Regenjacke und Kamera, drängen sich am Sonnabendmorgen knapp 300 Fotografie-Begeisterte im Schlachthof-Foyer. Neun Bilder in neun Stunden wollen sie an verschiedenen Orten machen, das ist der Tagesplan beim zweiten Bremer Fotomarathon.

Mehr wissen die Teilnehmer nicht, denn die Themen dafür bekommen sie erst nach und nach an den einzelnen Stationen. Um 11 Uhr fällt der Startschuss: „Fliegender Start“, „In die Hufe kommen“ und „Boxenstopp“ sind die ersten Stichwörter – los geht’s. Ab jetzt sind alle Teilnehmer kreuz und quer in der Stadt unterwegs, um die passenden Motive zu finden.

Klare Regeln setzen der Kreativität Grenzen

Stefanie Krüger und Lea von Otte – beide 25 Jahre alt und begeisterte Hobbyfotografinnen – sind das erste Mal dabei. Die Freundinnen kennen sich seit der fünften Klasse und haben gemeinsam schon so einige Streifzüge mit der Kamera unternommen, erzählen sie: „Zuletzt waren wir in Cuxhaven bei den Seehundbänken“, sagt Lea von Otte. Beim Fotomarathon treten sie nun zum ersten Mal gegeneinander an.

Jede der beiden hat sich eine eigene Startnummer gesichert. Auch wenn sie die Strecke gemeinsam bewältigen und sich Tipps geben wollen, im Wettbewerb um die beste Bilderserie sind sie auch Konkurrentinnen. „Wir würden eben gerne beide etwas gewinnen“, erklärt Stefanie Krüger und Lea von Otte meint, eine neue Kamera wäre zum Beispiel eine gute Sache.

Als die Zeit schon längst läuft, da steht sie nämlich als eine der Letzten auf dem Skaterplatz und hadert mit ihrem jetzigen Kameramodell: „Mit den Menü-Einstellungen habe ich so meine Probleme“, sagt sie, den Blick auf das Display geheftet, bis es dann endlich klappt, das vorgegebene Format einzustellen. Bildsprachlich sollen die Teilnehmer die vorgegebenen Begriffe zwar möglichst frei interpretieren, wie Organisatorin Steffi Urban erklärt, es gebe aber auch klare Regeln: „Fotografiert werden soll nicht nur im entsprechenden Querformat, die Bilder müssen auch in der chronologischen Reihenfolge der ausgegeben Themen bleiben.“

Falsches Timing fordert heraus

Diese Vorgabe wird für die beiden jungen Frauen einige Meter weiter zur Herausforderung. Am Rande der Bürgerweide treffen sie auf eine Gruppe Spaziergänger, die – fast wie bestellt – zwei Esel mit sich führt. „Das ist perfekt, für ‚in die Hufe kommen‘“, jubelt Lea von Otte und springt augenblicklich vom Rad. Doch bevor sie zur Kamera greift, wird sie gebremst: „Wir haben den ‚fliegenden Start‘ noch nicht im Kasten“, erinnert Stefanie Krüger und beweist, dass ihr Fairness wichtiger ist, als zu gewinnen.

Ganz verabschieden will sich ihre Freundin aber nicht von dieser Idee – Lea von Otte überschlägt die verbleibende Zeit bis zur nächsten Station und verabredet sich mit der Esel-Gruppe für 13 Uhr am Marktplatz. „Gut, dass wir entschieden haben, die Räder im Zug mitzunehmen“, sagt sie.

Bilder sollen Geschichte erzählen

Auf welche Weise die Teilnehmer von einer Station zur nächsten gelangen, ist nicht festgelegt. Nur pünktlich müssen sie sein. Wer sich also auf halber Strecke in kreativen Ideen verliert und es dann zeitlich nicht mehr schafft, ist aus dem Rennen.

„Neun Bilder in neun Stunden zu machen, das hört sich machbar an“, sagt Dieter Peterke, der den Fotomarathon im vergangenen Jahr gewonnen hat und dieses Mal in der Jury sitzt. Praktisch sei es dann aber gar nicht so einfach für Teilnehmer, eine Idee zu einem für sie neuen Thema zu entwickeln und dann noch ein gutes Bild zu machen.

„Nachträgliches Bearbeiten ist nicht erlaubt. Die Fotos müssen genau so auf der Speicherkarte bleiben, wie sie aufgenommen wurden“, erklärt Peterke die weiteren Regeln. Bei der Bewertung der Fotos, sagt er, werde er später ganz besonders darauf achten, dass die Bilder nicht einzeln für sich stehen, sondern in irgendeiner Weise „eine zusammenhängende Geschichte erzählen“. Ein wiederkehrendes Element, das auf jedem Foto zu sehen ist, wäre ein Beispiel dafür, meint er oder ein sich stetig wiederholender Unschärfe-Effekt.

Wiederkehrende Motive

„Ich fotografiere alles in Schwarzweiß“, erklärt Lea von Otte ihr Konzept, während sie am Holler See mit der Kamera den Luftballon in den Fokus nimmt, den Stefanie Krüger für sie hochhält. Mit einigen Schnappschüssen ist der „fliegende Start“ erledigt, das erste Bild ist gemacht. Stefanie Krüger steuert für das zweite Foto den bronzenen Hirsch an, der gleich neben dem Parkhotel steht.

Dort die Hufe der Statue abzulichten, ist eine Idee, mit der sie aber nicht lange alleine bleibt: Mit Tim Krause und Alberto Moiso biegen zwei Kontrahenten um die Ecke, die wettbewerbserfahren sind, wie sich herausstellt. Sie haben bereits beim ersten Fotomarathon im vergangenen Jahr teilgenommen und wollen diesmal mithilfe einiger Utensilien gewinnen. Auf dem Sockel platzieren sie Figuren, die auf jedem der folgenden Bilder wieder auftauchen sollen.

Beeindrucken lassen sich Stefanie Krüger und Lea von Otte davon nicht, sie haben ja noch die Verabredung mit den lebendigen Huftieren in petto und werden sich im Anschluss für den „Boxenstopp“ einen Einfall teilen: An verschiedenen Orten fotografieren sie abgestellte Fahrräder.

Die Bilderserien aller Teilnehmer werden ausgestellt am 15. und 16. Oktober im Hafenmuseum Speicher XI, Am Speicher XI 1, 28217 Bremen. Die Besucher erhalten an beiden Tagen freien Eintritt in die angrenzende Dauerausstellung zur Hafengeschichte.

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