Kunstkabinett Haus Paula Becker zeigt Malerei der jungen Künstlerin Mariella Falke

Zwischen den Polen

Gete. „Wann wird die Linie zur Fläche? Was muss riskiert werden?“ Diesen und anderen Fragen stellte sich die Malerin Mariella Falke. Ihre Ergebnisse hat sie auf großer Leinwand und in kleineren Skizzen zum Ausdruck gebracht.
30.03.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christine Gräfing
Zwischen den Polen

Neben der eigenen künstlerischen Arbeit widmet sich Mariella Falke auch der künstlerischen Arbeit mit Geflüchteten und Kindern.

PETRA STUBBE

Gete. „Wann wird die Linie zur Fläche? Was muss riskiert werden?“ Diesen und anderen Fragen stellte sich die Malerin Mariella Falke. Ihre Ergebnisse hat sie auf großer Leinwand und in kleineren Skizzen zum Ausdruck gebracht. Jetzt wurde ihre Ausstellung „Grenzbereiche“ mit Öl- und Acrylarbeiten im Kunstkabinett Haus Paula Becker eröffnet und fand großen Anklang.

Zahlreiche Bekannte und Freunde sind gekommen, Mutter und Schwester sind extra aus der Pfalz zur Vernissage in der alten Villa angereist. Die Eröffnung war zudem ein mehrfach sinnliches Ereignis, hat doch Falkes Lebensgefährte, gelernter Koch und angehender Konditor, auch noch mit einem außergewöhnlichen Buffet kulinarisch-künstlerische Akzente gesetzt.

Den Kontakt zum Verein Haus Paula Becker bekam die junge Künstlerin Mariella Falke letztlich offenbar durch Eigeninitiative. Sie wohnte in der Nähe des Hauses Paula Becker und habe sich dort mit ihrem Portfolio vorgestellt. Mehrfach habe sie sich mit Betty und Heinz Thies beim Tee ausgetauscht. Nun haben die beiden Gastgeber Falke dort eine Ausstellung ermöglicht.

Die Reihe gegenstandsloser Bilder zu beginnen, habe einen Aufbruch bedeutet, berichtet sie. Es habe Mut, und Überwindung gekostet, immer wieder den Grenzbereich zu durchschreiten. Die zarte Künstlerin übertrage ihre Energie auf die Leinwand, sagt sie. „Es ist ein permanentes Pendeln zwischen den Polen.“ Sie bewege sich in Grenzbereichen, die aufeinander zugingen, sie agiere zwischen Harmonie und Disharmonie, Zeitlichem und Erinnerung und sie lasse Lieblichkeit auf Aggression treffen.

Ölfarbe mäandert

Das Bild des Ausstellungsplakats, zugleich Abschluss der Reihe, ist für sie so etwas wie ein Fanal. Die Künstlerin lässt ihre Arbeiten in Schichttechnik entstehen. Dabei verwendet sie Öl- und Acrylfarben, schafft Flächen, und ritzt mit Stiften Linien und Grenzen. Sie lässt Ölfarbe mäandern, und schafft die für sie wichtige Struktur, indem sie beispielsweise pulveriges Pigment auf die noch nassen Farben streut. Immer wieder stellt sich im Arbeitsprozess die Frage, ob sie noch weitergehen müsse, ob sie noch eine weitere Schicht aufzutragen habe „Ist es schon fertig? Ist es stimmig?“ Wie viele Kreative beschäftigt auch Mariella Falke die Überlegung, wann ein Werk wirklich fertig sei. Am Ende steht die Frage „Wirkt das Bild so wie ich mich fühle?“

„Bremen ist richtig schön“ sagt Mariella Falke, die die Hansestadt durch ihr Studium in Ottersberg entdeckt hat. Von Bremen sei sie positiv überrascht worden. Die 23-jährige Künstlerin studiert im siebten Semester Kunsttherapie an der Hochschule für Kunst im Sozialen (HKS). Schon der Weg dorthin sei etwas Besonderes. Mit dem Rad geht’s für die in Barkhof wohnende Falke zum Bremer Bahnhof. Nach der Zugfahrt fährt sie dann mit ihren Studienkollegen, wieder auf Rädern, an den Studienort. „Im Rudel über die Felder“, wie sie lachend sagt, und erklärt, dass es eine Art ritualisierter Übergang in die Welt der kreativen Tätigkeit sei.

Atelierplatz blieb ungenutzt

In Ottersberg hat sie in der Regel einen Ateliersplatz, und es ist für sie ein Ort, an dem sie sofort mit künstlerischer Arbeit loslegen kann. Besonders schätze sie die Atmosphäre im Gemeinschaftsatelier, wo man sich austausche, es gutes Feedback gebe und mitunter sogar Freundschaften entstünden. Allerdings hat sie aktuell jetzt das erste Semester absolviert, ohne ein Ateliersplatz nutzen zu können, und hat dies schmerzlichst vermisst. „Ich kann gar nicht mehr ohne, ich brauche das“, sagt sie zur ihrer künstlerischen Tätigkeit, und betont aber, dass sie die Bereiche Kunsttherapie und Kunst voneinander getrennt wissen will.

Als Vorbilder nennt die Künstlerin, die auch fotografisch arbeitet, den Maler Gerhard Richter. Aber auch den Surrealisten René Magritte, der zwar andere Kunst gemacht habe, bei dem sie aber schätze, dass er Dinge in einen neuen Kontext gestellt habe. Was sie antreibe? Da gebe es verschiedene Dinge, sagt Mariella Falke. Zum Beispiel die Malerei. Aber auch die Beschäftigung mit Kindern spiele eine wichtige Rolle. Schon vor zwei Jahren hat sie in einem Sommerkurs mit Kindern künstlerisch gewirkt. Gegenwärtig arbeitet sie in der Flüchtlingsunterkunft Falkenstraße mit Kindern und allen, die Interesse an künstlerischer Betätigung haben. Das Angebot werde gut angenommen.

In der farbgewaltigen, gegenstandslosen Kunst von Mariella Falke gibt es keine Erklärungen, keine Vorgaben für den Betrachter. Die Künstlerin erhoffe sich, dass die Betrachter ihr mitteilen, was sie beim Ansehen bewege. Mariella Falke ergänzt: Es sei bedeutsam, was ein Bild bei mir bewirke, aber es sei auch bedeutsam, was ein Bild beim Betrachter bewirke.

Die Ausstellung ist noch bis zum 15. April im Haus Paula Becker, Schwachhauser Heerstraße 23 zu sehen. Öffnungszeiten: donnerstags 18 bis 21 Uhr und sonnabends 11 bis 13 Uhr. Weitere Termine sind per Absprache möglich.

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