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Medienpolitiker fordern Alternativen
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Bedenken gegen Facebook

Frauke Fischer 29.07.2013 0 Kommentare

Bremen. Die Bildungsbehörde will den Umgang mit dem Sozialnetzwerk Facebook an Schulen durch eine verbindliche Anweisung regeln. Aber dürfen Lehrer und Schüler überhaupt mit dem Netzwerk arbeiten? Datenschützer schütteln den Kopf. Die politische Debatte beginnt gerade erst.

Der Umgang mit Netzwerken wie Facebook ist vor allem ein Datenschutzproblem. Wie berichtet, hat die Bremer Bildungsbehörde – wie zuständige Ministerien in Baden-Württemberg und einigen anderen Bundesländern auch – eine Handreichung, also eine Anleitung, erarbeitet, die nach der Beteiligung zuständiger Gremien den Schulen übergeben werden soll. Sie soll über die Risiken sozialer Netzwerke aufklären, Alternativen aufzeigen und Vorgaben liefern, wann und ob Facebook und Co überhaupt in Schulen zum Einsatz kommen dürfen. Das genau ist ein Knackpunkt.

Imke Sommer
Imke Sommer (Koch)

"Man muss wissen, dass alle Informationen, die über Facebook gehen, gescannt werden", sagt die Bremer Datenschutzbeauftragte, Imke Sommer. Ihr ist der Hinweis wichtig, dass sämtliche Facebook-Server in den USA stehen und deshalb nicht den deutschen beziehungsweise europäischen Datenschutzregelungen unterliegen. In Schulen dürfte ein Medium, das gegen deutsche Gesetze verstößt, nicht genutzt werden, sagt Sommer. In diesem Zusammenhang erinnert sie an die Konferenz der Datenschutzbeauftragten der Länder und den Verweis des Themas an die Innenministerkonferenz: "Die Innenminister müssen sich damit befassen. Facebook muss Beweise vorlegen, dass es rechtmäßig ist." Wegen dieser rechtlichen Unklarheit ist auch die Bremer Handreichung noch nicht zu Ende formuliert.

Schüler unter Terrorverdacht?

Deutlich wird: Es geht nicht nur um die Frage, ob Lehrer und Schüler bei Facebook befreundet sein dürfen. Das nämlich lehnen alle Beteiligten unisono ab. Es geht auch nicht nur darum, dass Dritte bei mangelnden Sicherheitseinstellungen und fehlendem Gefahrenbewusstsein der Nutzer Privates mitlesen können. Sommers Bedenken gehen weiter: Nutzt ein Lehrer etwa im Rahmen des Unterrichts Facebook und thematisiert vielleicht Terrorismus, könne dieser Begriff US-amerikanische Scan-Programme dazu bringen, sämtliche am Unterricht beteiligten Schüler in Verbindung mit dem Gefahrenbegriff zu speichern. "Womöglich darf dann ein Schüler nicht mehr in die USA einreisen", sagt Sommer. Ihrer Meinung nach müssten dringend sichere Alternativen erörtert werden. Das seien etwa die Netzwerke SchülerVZ und StudiVZ. Die Mitautorin der Handreichung, Antje Moebus von der Uni Bremen, hatte jedoch kürzlich eingeräumt, dass sichere Netzwerke für Jugendliche oft unattraktiv seien, weil sich dort keiner tummele.

Mit der Debatte über den Einsatz von Facebook an Schulen und die dazu verfasste Handreichung wird eine politische Debatte neu befeuert. Carsten Werner, medienpolitischer Sprecher der grünen Bürgerschaftsfraktion, hält die Bremer Handreichung "von der Grundtendenz her für gut. Facebook ist eine kulturelle und mediale Realität", sagt er. Niemand dürfe indes gezwungen werden, Facebook zu benutzen. Und: "Es sollte nicht E-Mails ersetzen." Auch dürften Schulseiten nicht automatisch an Facebook weiterleiten. Zur Gruppenkommunikation aber sei das Netzwerk gut einsetzbar. Das müsse an den Schulen mit Lehrern, Eltern und Schülern besprochen werden. Von einer Verteufelung hält der Bremer Grüne aber nichts. Um ein Medium zu kennen, müsse man mit ihm umgehen, auch auf Schulebene, um Medienkompetenz und Datensparsamkeit zu lernen. Anstatt die Nutzung solcher Netzwerken zu verbieten, müssten diese gezwungen werden, sich an hiesige Standards zu halten. "Diese Datenschutzfragen gehören auf deutsche und europäische Ebene", sagt Werner.

Rainer Hamann, medienpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, betont: "Die Datenschutzaspekte müssen ausreichend berücksichtigt werden." Auch dürfe in Schulklassen kein Gruppendruck aufgebaut werden, um eventuelle Facebook-Skeptiker auf diesem Weg von der Nutzung zu überzeugen. "Es gibt ja Alternativen, auch die gute alte E-Mail und die gute alte Telefonkette sollte man nicht vergessen", sagt Hamann.

Dass eine Schule eine Schulparty auch über Facebook kommuniziert, findet der Bremer Politiker relativ unbedenklich. Andere Einsätze, auch die Facebook-Freundschaft zwischen Lehrer und Schüler sieht er dagegen äußerst kritisch. Und er regt das Nachdenken über Alternativen an: "Es gibt andere Kommunikationssysteme, notfalls muss man welche entwickeln." Klar ist für Hamann: "Eine politische Antwort ist notwendig."


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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