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Sprachinstitut im Schnoor legt Datenbank mit Popmusik auf Niederdeutsch an / Besuch von Parlamentariern aus Berlin
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Bund fördert Platt

MARIE-CHANTAL TAJDEL 21.04.2016 0 Kommentare

Sie hat wenig Zeit, diese kleine Gruppe von Bundestagsabgeordneten, die sich gemeinsam mit Wissenschaftlern das Institut für niederdeutsche Sprache (INS) im Schnoor ansieht. Also führt dessen Leiter Reinhard Goltz sie rasch von einem kleinen, mit Büchern gefüllten Raum in den nächsten. Unterwegs erzählt er Anekdoten. Ganz oben im Haus, in Goltz’ Büro rankt sich eine blumige Tapete an den Wänden bis zur Decke hinauf. „Hier in diesen Räumen befand sich die Stadtwohnung von Louis Ferdinand von Preußen“, erzählt er. Deshalb werde man die Tapete nicht abreißen. Und er fügt hinzu: „So wie diesen alten Raum muss man auch die alte Sprache Plattdeutsch mit neuen Impulsen füllen.“

Die Besucher aus Berlin haben sich am Dienstag mit regionalen Vertretern im Institut getroffen, um sich über die Arbeit des Hauses zu informieren – „aber auch, um in diesem Jahr zusätzliche Haushaltsmittel frei zu geben“, sagt Hartmut Koschyk, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Konkret heißt das, dass das Institut für niederdeutsche Sprache in diesem Jahr für Projekte zusätzlich zu den 50 000 Euro von der Bundesregierung weitere 70 000 Euro bekommen soll. Für den Franken Hartmut Koschyk ist das eine Selbstverständlichkeit. „Es geht um den Erhalt dieser kleinen Sprachen“, sagt er und fügt an, dass diese finanzielle Unterstützung nur möglich sei, weil die Abgeordneten länder- und vor allem parteiübergreifend gearbeitet hätten.

Mit dem zusätzlichen Geld kann das Institut etwa Broschüren zu Themen wie Kindergärten und Schulen, Pflege oder Medien verwirklichen. „Für solche Aufgaben fehlen uns die Mittel im Etat“, erläutert INS-Mitarbeiterin Christiane Ehlers. Die Bundesmittel seien ausschließlich für Projekte vorgesehen, die innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden, und die für mindestens drei Bundesländer relevant sind.

Im Aufbau befindet sich momentan außerdem eine Musikdatenbank, die auf der Homepage des Instituts einen Überblick zur jungen Musik verschaffe – das heißt zur plattdeutschen Popmusik. „Die Band ,De fofftig Penns’ aus Bremen kennt mittlerweile jeder“, sagt Reinhard Goltz. Mit der Datenbank wolle man aber nicht unbedingt für die Galionsfiguren werben, sondern andere Gruppen vernetzen.

Vorbereitet werde aber auch eine umfassende Bestandsaufnahme aller niederdeutschen Bühnen. Das erzählt Herwig Dust, Leiter der August-Heinrich-Bühne in Oldenburg und Vize-Präsident des INS. „Wir haben bei den plattdeutschen Theatern einen erheblichen Zuwachs.“ Bisher habe man für die Theaterdatenbank 3500 Bühnen gezählt – und die Arbeit an der Datenbank sei noch nicht beendet.

Ein weiteres Projekt, das bis zum Jahresende abgeschlossen sein wird, ist eine repräsentative Umfrage zum Stand des Niederdeutschen. Befragt werden 1600 Personen in acht Bundesländern. Sie sollen beantworten, ob sie Platt verstehen, womit sie es assoziieren. Sie werden beispielsweise auch gefragt, ob die Sprache für sie ein Kulturgut ist und in welchen Situationen sie Platt sprechen. „Die Umfrage ist eine Fortführung der Befragungen von 1987 und 2007“, erläutert Andrea Kleene vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, die für das Projekt zuständig ist. „Plattdeutsch ist vor 20 oder 30 Jahren oftmals auf Unverständnis gestoßen“, sagt Reinhard Goltz. „Uns interessiert natürlich die Frage, ob das heutzutage immer noch so ist.“

Der Institutsleiter freut sich, dass beim Besuch der vier Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk (CSU) aus Bayern, Karin Evers-Meyer (SPD) aus Niedersachsen sowie der beiden Bremerinnen Elisabeth Motschmann (CDU) und Sarah Ryglewski (SPD) im Schnoor außerdem weitere wichtige Punkten angesprochen wurden: Zum einen erwartet Goltz, dass es in dieser Legislaturperiode eine Bundestagsdebatte zu den Regionalsprachen und Minderheitensprachen geben wird. „Das bringt uns immer weiter“, sagt er.

Zum anderen wird das Institut im Schnoor durch die vier Länder Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein gefördert. „Es muss neue Anstrengungen geben, auch Mecklenburg-Vorpommern mit in die Verantwortung zu holen“, so Goltz. Dies sei auch ein Ergebnis der Besprechung im Schnoor gewesen.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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