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Senatsbaudirektorin diskutiert mit Stadtteilpolitikern über die Zukunft des Stadtteils
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Ein neues Herzstück für Hemelingen

Annica Müllenberg 14.04.2016 0 Kommentare

Hemelingen ist im Wandel: Wohngebiete und Gewerbeflächen werden erschlossen – auch die Galopprennbahn ist im Blick. Während Senatsbaudirektorin Iris Reuther von einem Prozess spricht, der peu à peu angestoßen werden muss, darf Bremen nach Meinung von Dirk Kühling aus dem Wirtschaftsressort keine Zeit verlieren.

Lange haben die Hemelinger darauf gewartet, jetzt kam die Senatsbaudirektorin in den Bremer Osten – und dass nicht allein. Drei Experten aus ihrem Ressort und der Abteilungsleiter beim Wirtschaftssenator, Dirk Kühling, begleiteten sie. „Hemelingen befindet sich in einem Veränderungsprozess, es ist höchste Zeit, genauer hinzusehen und die Potenziale zu entdecken und darüber zu sprechen“, sagte Reuther.

Wie soll zukünftig in Hemelingen gewohnt und gearbeitet werden, welche strategischen Projekte könnte es geben? „Bremen ist eine wachsende Stadt, in den nächsten Jahren brauchen wir mehr Wohnungen. In Hemelingen haben wir die Standorte Thalenhorststraße, Schlengstraße, Am Sacksdamm, die Rennbahn, die Diedrich-Wilkens-Straße und Auf den Conroden im Blick“, zählte Reuther auf.

Die Idee einer Bebauung der Rennbahnfläche sorgt seit Monaten für Diskussionen. Beirat und Anwohner sind bisher wenig begeistert. „Muss es wirklich die Rennbahn sein? Gibt es keine Alternativen? Ich verstehe, dass wir Wohnraum brauchen. Auch fände ich es gut, wenn das Gelände geöffnet würde. Aber es droht auch ein Verkehrschaos, falls dort viele Appartements entstehen“, mutmaßt ein Anwohner.

Hans-Peter Hölscher (SPD) nickte und fragte, ob das Könecke-Gelände nicht als Ausgleich für Wohnungen herhalten könnte. Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD) monierte, dass wieder Hemelingen im Grün beschnitten werden soll – der ohnehin von Industrie geprägte Stadtteil. Er mahnte an, Bausünden zu vermeiden. Ralf Bohr (Grüne) wünscht sich für den Fall der Fälle ein breites Beteiligungsverfahren gleich dem für das Hulsbergviertel. „Wenn es konkret werden sollte, muss es sehr behutsam und mit Beteiligung passieren. Der Beirat muss sich noch genau mit der Sache auseinandersetzen“, fasste Ortsamtsleiter Jörn Hermening die Stimmungslage in Sachen Rennbahnbebauung zusammen.

Iris Reuther versicherte den Hemelingern, dass bremenweit nach Flächen gesucht werde. Dirk Kühling machte jedoch deutlich, dass auf das knapp 30 Hektar große Rennbahn-Areal an der Grenze zur Vahr nicht verzichtet werden könne. „Wir müssen innerhalb der nächsten drei Jahre rund 30 000 Menschen unterbringen, das entspricht einer Stadt der Größe Verdens.“ Einerseits benötigten Flüchtlinge Wohnungen, anderseits gebe es auch Berufstätige, die bisher nach Bremen pendeln und in die Stadt ziehen wollen. Es bestehe rascher Handlungsbedarf. Damit die Stadt vom Sonderkündigungsrecht bis Ende 2017 gegenüber dem Rennverein Gebrauch machen kann, muss dringend bis Ende dieses Jahres das Verfahren von der Baubehörde eröffnet werden.

Die weiteren Wohnbebauungsstandorte wurden vom Beirat zur Kenntnis genommen. An der Diedrich-Wilkens-Straße soll es bald losgehen, konkreter wurde Reuther nicht. Ein Geruchsgutachten habe ergeben: „Wohnungsbau ist dort möglich.“ Somit wäre die Freigabe für 90 Gebäude in serieller Bauweise gegeben. Gedacht wird an zwei- bis dreistöckige Bauten und eine Kita.

Noch keine klare Vision

An der Thalenhorststraße entsteht ein Übergangswohnheim. Das derzeitig als Gewerbegebiet ausgeschriebene Areal soll perspektivisch für den Wohnungsbau umgeplant werden. An der Schlengstraße sind 38 Reihenhäuser bereits im Entstehen, eine Kita kommt frühestens 2018 dazu.

Am Sacksdamm laufen momentan Prüfungen für neue Gebäude. Drei Reihenhauszeilen sollen in Mahndorf, Auf den Conroden, gebaut werden, geplant sind zusätzlich ein Spielplatz, Grünflächen und Gewerbe.

Von großem Interesse sind für den Beirat die Entwicklung der ehemaligen Wurstfabrik Könecke und das Coca-Cola-Gelände. Das Areal ist als spitzes Dreieck im Stadtplan umrandet und wird von Reuther als Herzstück inmitten Hemelingens betrachtet. „Eine Stärkung des Zentralbereichs mit einer gemischten Nutzung – Arbeit und Wohnen – hätte großen Wert“, sagte Iris Reuther.

Dirk Kühling betrachtet die gemeinschaftliche Nutzung der beiden Flächen als Chance für den Stadtteil. „Dort könnte man ein Stück Stadt neu entwickeln.“ Mit der Zwischenzeitzentrale, die im ehemaligen Verwaltungsgebäude momentan Räume temporär an Kreative vermietet, sei ein guter Anfang gemacht. Der Baubehörde schwebt eine Mischung aus Wohnen und Kreativquartier vor. Es soll junge Familien nach Hemelingen locken. Die Anbindung an die Innenstadt ist günstig.

„Die eine Vision habe ich aber nicht, wir müssen gemeinsam einen Weg finden“, sagte die Senatsbaudirektorin, sie sei offen für Anregungen aus dem Stadtteil. Was daraus wird, ist jedoch abhängig vom Eigentümer, dieser hat im Zweifel das letzte Wort bei Gesprächen über die Entwicklung des Könecke-Geländes. Vollkommene Handlungsfreiheit werden die Planer dort nie haben, denn „die Stadt wird das Gelände nicht kaufen“, stellte der Wirtschaftsressortvertreter klar.

Eindeutig ist seine Linie ebenfalls in puncto Gewerbe: An der Hansalinie werde Mercedes in naher Zukunft Bedarf anmelden, im Hemelinger Hafen seien alle Flächen von Betrieben belegt – ein eindeutiger Hinweis auf die Attraktivität. „Das müssen wir akzeptieren.“ Für Beirat und Anwohner sind die Gewerbe, von denen oft Lärm, Geruch und Schadstoffe ausgehen, ungeliebte Stiefkinder. „Wir haben eine Vision, dass der Allerhafen in 20 oder 30 Jahren eventuell anders genutzt werden kann und frei von Betrieben ist“, sagte Hans-Peter Hölscher. Die Lokalpolitiker bedauern, dass sie Projekten wie dem geplanten Abfallzwischenlager für chemische Stoffe handlungsunfähig ausgeliefert sind. Auf lange Sicht wünschen sie sich eine Änderung des Planungsrechts am Hafen.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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