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Kulturambulanz zeigt die ausgezeichnete Ausstellung „Klang meines Körpers“ und thematisiert Ess-Störungen
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„Heute macht mir das Dunkel keine Angst“

Edwin Platt 10.09.2015 0 Kommentare

Galerie im Park neue Ausstellung
Der Leiter der Kulturambulanz, Achim Tischer, und Annika Wollens hören sich in der Ausstellung „Klang meines Körpers“ in der Galerie im Park die Lieblingsmusik der Mädchen an, die durch kreative Herangehensweise ihre Ess-Störungen überwunden haben. (Petra Stubbe)

„Aber wie? Niemand hatte ihm ja gesagt, wie man das macht. Er hatte es nicht gelernt. Angst durchfuhr ihn. In-sich-Sein war sicherer.“ Das sind Gedanken, die der junge David aufgeschrieben hat. David nannte sich einen Einsamkeitsdenker, konnte Grübeleien nicht entfliehen, schlug in sich verschlossene Gedankenschlachten. Heute hat David seine Essstörung überwunden. Heute ist David ein männliches Beispiel in der spannenden Ausstellung über Ess-Störungen, die in der Galerie im Park am Klinikum Ost bis 18. Oktober zu sehen ist.

„Klang meines Körpers“ – das interaktive Ausstellungsprojekt von Stephanie Lahusen, Musiktherapeutin und psychotherapeutische Heilpraktikerin in Düsseldorf, ist erstmals 2006 in ihrer Heimatstadt präsentiert worden. Gezeigt werden einfühlsam und gut nachvollziehbar sechs Beispiele von Jugendlichen, die in Essstörungen gefangen waren und kreative Wege aus ihrer Sackgasse gefunden haben. Besonders und hervorragend an dieser Ausstellung ist das Aufzeigen der Gedankenwelten und Wertevorstellungen der Jugendlichen in ihrer Essstörungsphase und der kreative Wandel durch das Verlassen selbst auferlegter Zwänge.

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Frederike Peters und Sophie Loose haben „Zensierte/Gefangene Freiheit“ gemalt. (Petra Stubbe)

Die zweigleisig, in Mädchen und Jungen, angelegte preisgekrönte Ausstellung arbeitet mit Jugendcodes und Identitäten, will nicht die medizinische Seite von Anorexia oder Bulimia Nervosa, von Binge-Eeating-Störung ober Biggerexie erklären. Inzwischen europaweit nachgefragt, ist es dem Leiter der Kultuambulanz, Achim Tischer, gelungen, die Ausstellung, die vom Lebenshunger Essgestörter erzählt, nach Bremen zu holen.

Im Zusammenhang mit dem Projekt „(M)ein Körper“ der Kulturambulanz ist ein breiter Veranstaltungsblock zum Essverhalten in unserer Zeit entstanden. Am 9. September steht das Symposium „Hungerstreik – Fasten – Ess-Störungen“ mit Professorin Christina von Braun aus Berlin und Stephanie Lahusen mit einem Ausflug durch ihre Behandlungserfahrungen auf dem Programm der Kulturambulanz.

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Rebecca Rösel hat eine Skulptur aus Pappmaschee gestaltet. (Petra Stubbe)

Wilde Bühne zeigt „Hungerstreik“

Öffentliche Führungen durch die Ausstellung „Klang meines Körpers“ sind am 20. September und 11. Oktober, jeweils um 16 Uhr und spezielle Einführungen für „Multiplikatoren“ wie Lehrer gibt es am 7. September um 15 Uhr und am 15. September um 16 Uhr. Am 26. September um 16 Uhr geht es im Erzählcafé um „Schönheitskult und Ess-Störungen“ und am 29. September um 10 Uhr zeigt das Theaterforum der Wilden Bühne sein eindrückliches Stück „Hungerstreik“ im Haus im Park (Anmeldung erforderlich).

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Entdecke deine Talente und Fähigkeiten und nutze sie, steht in dieser Schatzkiste. (Petra Stubbe)

„Manchmal halfen Schreibworte. Jedoch bleiben sie nur geschriebene Kopfworte … Die Worte ließen ihn nicht los. Sie waren nur verlegt worden, wurden Papierworte“, so steht es in einer kleinen Broschüre der Ausstellung, die speziell Davids Werdegang erzählt. Diese Papierworte, sie liegen wie Mauersteine unter einer von David gestalteten Flächen, die Gedanken im Innen und Außen aufzeigen. Davids Platz in der Ausstellung ist im Raum „Kneipe/ Treff“. Leere Kisten und Bretter bilden Tische und Hocker, ein Tresen, Objekte, die dazu anregen, sich aufs Thema Essen und wann es krankhaft wird, einzulassen. Ein Platz dafür, das Gesehene, das Empfundene aufzunehmen und sich darüber auszutauschen.

Im anderen, im zweiten Ausstellungsraum bilden sechs Beispiele von Mädchen einen Kreis. Jedes Beispiel zeigt eine äußere und eine innere Seite, dazu eine Schatzkiste und über Kopfhörer hörbar eine Lieblingsmusik.

In einer der Schatzkisten liegen herzförmige Spiegel. Spiegel werfen die Betrachterin zurück auf sich selbst, verwehren den Blick nach außen. Spiegel kontrollieren die Erscheinung, können bedrohlich sein. In einer anderen Kiste sammeln sich „Stimmungsaufheller“, Dinge des positiven Assoziierens wie Sand vom Strand, ein Sonnenstuhl, ein Fahrrad. Hinter diesem Kern der Ausstellung liegen zwei Bereiche, in denen die Kulturambulanz die Düsseldorfer Ausstellung mit Bremer Arbeiten ergänzt hat.

Drahtfiguren haben Ulrike Schulte und Rainer Will in einem Projekt der Kulturambulanz mit Kindern ab sieben Jahren geformt. Der Körper stand dabei im Mittelpunkt. Wie sich die Kinder dem menschlichen Körper und seinen Proportionen angenähert haben, wird anhand zahlreicher ausgestellter Skizzen deutlich.

Der zweite Bereich zeigt Projektergebnisse der jüngsten Aktion der „Neulandastronauten“. Dahinter verbirgt sich ein regelmäßiges Ferienprojekt mit Kindern, in dem Anja Fußbach mit Mädchen und Jungen eine Reise durch den Menschen unternommen hat, und die Kinder insbesondere das Gehirn fasziniert hat.

„Together in the darkness“ hat David als Musik ausgewählt: „Eigentlich ist das so gar nicht meine Musik. Alleine unterwegs, dunkel, Tränen. Ich habe mich gespürt. Dieser Moment war perfekt … Heute macht mir das Dunkel keine Angst.“

Die Ausstellung „Klang meines Körpers“ ist bis 18. Oktober in der Galerie im Park, Züricher Straße 40, zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwochs bis sonntags, 11 bis 18 Uhr, Eintritt vier, ermäßigt zwei Euro. Weitere Informationen zu Führungen und zum Begleitprogramm im Internet auf www.kulturambulanz.de.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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