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„Klang meines Körpers“: Jugendliche erarbeiten Ausstellung über Essstörungen / Eröffnung am 6. September
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Hunger nach Leben

Annica Müllenberg 06.08.2015 0 Kommentare

Haus im Park Schulungsausstellung
Stephanie Lahusen (von links) hat die Ausstellung „Klang meines Körpers“ nach Bremen gebracht, Jana Mießner und Annika Wollens haben sie mit eigenen Erfahrungen mitgestaltet. Ab 6. September sind insbesondere auch Jugendliche in die Galerie im Park eingeladen. (Petra Stubbe)

Sie haben Hunger und sind gleichzeitig satt. Doch es geht nicht darum, den Magen mit Nahrung zu füllen – sie könnten so viel Nahrung zu sich nehmen, wie sie wollten, die Leere bliebe. Menschen, die an Essstörungen leiden, haben häufig eine geradezu ausgehungerte Seele. Die mobile Ausstellung „Klang meines Körpers“ gibt Jugendlichen Einblicke in das Thema. Fünf betroffene Mädchen transportieren über Bilder, Texte und Musik kreativ ihr persönliches Schicksal. Die Schau ist von Sonntag, 6. September, bis Sonntag, 18. Oktober, in der Galerie im Park zu sehen. Theaterstücke und Führungen für Schülerinnen und Schüler sowie ein Symposium runden das Programm ab.

„Bitte nicht füttern, denn ich habe Hunger nach Liebe, Freundschaft und Ehrlichkeit“, so lautet der Wunsch auf einem Bild, das zur mobilen Schau „Klang meines Körpers“ gehört. Kein Zuschauer bleibt bei diesen Aussagen außen vor. Schon während der Führung geraten die Jugendlichen von einem erst äußeren Kreis ins Innere und sind so mitten im Geschehen. „Das Besondere ist, dass Jugendliche zu Jugendlichen sprechen. Deshalb wird die Ausstellung auch gut angenommen“, sagt Stephanie Lahusen. Als Ideengeberin hat sie das Projekt 2006 ins Leben gerufen und den Trägerverein Werkstatt Lebenshunger gegründet, seitdem zieht die Ausstellung durch die Lande. Schon nach dem ersten Jahr wurde sie mit dem bayerischen Präventionspreis ausgezeichnet. In Bremen gastiert die Schau zum ersten Mal.

„Es ist eine große Sache für mich, in Bremen zu sein“, erklärt Stephanie Lahusen, die durch Verwandtschaft eine persönliche Verbindung zur Stadt hat. Die ausgebildete Musiktherapeutin und Pädagogin hat viele Jahre in der Psychiatrie gearbeitet und Erfahrung mit von Essstörungen Betroffenen. „Sie können ihr Leid oft nicht in Worte fassen. Deshalb sind kreative Ansätze wichtig“, hat Lahusen beobachtet.

Form des Ausdrucks finden

Im Kopf sei das Problem klar, aber es dringe nicht ins Herz vor. Der Essenerin geht es mit ihrem Projekt um Zweierlei: Die Betroffenen sollen eine Form des Ausdrucks finden, Nichtbetroffene schon im Vorfeld geschützt werden.

Die Gründe für das Krankheitsbild, das sich vielfältig ausdrückt, sind nicht nur der Druck um schlanke Körper. Lahusen hat beobachtet, dass Liebeskummer, Einsamkeit, Lebenskrisen, Schulstress und Mobbing Auslöser sein können. „Oft sind es sehr gute Schülerinnen, die ihr Leid still ertragen. Der zunehmende Leistungsdruck ist ein Problem“, sagt die Expertin. Wenn erst einmal das Herz einen Knacks hat, dann wird emotional der Hunger immer größer. Volle Teller helfen dann nicht. Vor allem Mädchen sind betroffen. Laut Lahusen leidet mittlerweile aber auch jeder zehnte Junge an Essstörungen.

Über ihre Arbeit ist Lahusen die Idee zu der Ausstellung gekommen. Fünf Mädchen schilderten ihre Geschichten, fanden passende Worte und Erklärungen und Songs. Die Betroffenen hatten es satt, dass stets nur äußere Symptome analysiert wurden, wenn es in der Öffentlichkeit bisher um Essstörungen ging. Ihr Innenleben blieb im Dunkeln. Über die Schautafeln hatten sie die Möglichkeit, es anders zu machen. „Bitte keine Statistiken und langweilige Zahlen“, flehten sie Lahusen an. Sie haben ganz eigene Darstellungsweisen gefunden.

So ist zu lesen, welche Ursachen und Anzeichen die Krankheit haben kann. Im Zentrum können die Besucherinnen und Besucher Tonmaterial hören, Songs, die die Mädchen ausgesucht haben, um ihre Gefühlswelt zu erklären. Wünsche, Sehnsüchte und der individuelle Weg aus dem Teufelskreis. „Es ist eine lebensbejahende Schau. Niemand soll geknickt nach Hause gehen“, resümiert Lahusen.

Geeignet ist ein Besuch vor allem für Teenager ab der achten Jahrgangsstufe, deren Lehrer und Eltern. Ergänzend hat der Leiter der Kulturambulanz, Achim Tischer, ein abwechslungsreiches Programm organisiert. „Wir hatten zu einem Wettbewerb aufgerufen, Schüler sollten den gesellschaftlichen Idealmenschen malen, gestalten oder fotografieren. Die Ergebnisse werden dem Publikum präsentiert. Außerdem wird es Führungen durch die ,Klang meines Körpers‘-Schau geben, ein Symposium zum Thema und das Theaterstück Hungerstreik wird zweimal aufgeführt.“ Letzteres ist ein Werk der Gruppe Wilde Bühne. Tischer freut sich darüber, dass sich schon einige Klassen für Führungen angemeldet haben. „Es ist ein sehr wichtiges Thema.“

„Klang meines Körpers“ ist von Sonntag, 6. September, bis Sonntag, 18. Oktober, jeweils mittwochs bis sonntags in der Galerie im Park zu sehen. Schulklassen können telefonisch unter 4081757 angemeldet werden. Das Theaterstück „Hungerstreik“ wird jeweils dienstags, 22. und 29. September, ab 10 Uhr aufgeführt. Weitere Infos unter www.kulturambulanz.de.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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