

Die Jacobs University Bremen braucht Geld. Von Bremen. Das ist nicht neu, aber nun wieder aktuell. Der Senat spricht über zusätzliche finanzielle Hilfen mit der Leitung der Privatuniversität in Bremen-Nord. Den Rückhalt dazu haben sich Bürgermeister Jens Böhrnsen und Finanzsenatorin Karoline Linnert in den Fraktionen von SPD und Grünen geholt.
"Es wird weitere Gespräche geben", sagt der Grünen-Abgeordnete Hermann Kuhn, Sprecher für Haushalts- und Finanzpolitik. Bremen habe sich seit Gründung der Jacobs University Bremen (vormals International University Bremen) finanziell engagiert. Deshalb müsse man nun Fragen stellen, wie es weitergehe. Eine Festlegung auf Hilfen in jedem Fall lehnt Kuhn ab. Eine insolvente Privatuniversität in Grohn, die ihren Wissenschaftsbetrieb einstellt? "Es gäbe mit Sicherheit schönere Nachrichten zu lesen, aber auch das dürfte uns nicht erschrecken, wenn es sonst keinen Ausweg gibt", sagt er.
Auch wenn genaue Summen nicht bestätigt werden, so ist doch über die Jahre immer wieder von etwa drei Millionen Euro pro Jahr die Rede. Womöglich könnten sie aus dem Wirtschaftsbereich kommen, denn das Ressort hat schon einmal für investive Mittel die Börse geöffnet, heißt es.
An Gelder heranzugehen, die den Hochschulen im Land Bremen zustehen, halten Wissenschaftspolitiker für abwegig. "Es kann nicht angehen, dass das Geld aus dem Wissenschaftsbereich abzogen wird", betont Elias Tsartilidis, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD. In der Fraktion sei die Möglichkeit weiterer Gespräche über Finanzhilfen für die Privatuni "überwiegend positiv" aufgenommen worden. "Aber der Haushaltsgesetzgeber muss die Rahmenbedingungen mitbestimmen", verlangt Tsartilidis. Er fordert von der Jacobs University "Ideen für Sanierungsmöglichkeiten". Es sei bekannt, dass die Hochschule "ein strukturelles Defizit" habe.
Von Senatsseite wurde gestern keine Stellungnahme abgegeben. Dass es derzeit Gespräche über weitere Finanzhilfen gibt, wollte Senatssprecher Hermann Kleen nicht kommentieren. Dagmar Bleiker, Sprecherin von Finanzsenatorin Karoline Linnert, reagierte genauso. Und auch die Jacobs University (JUB) war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
"Weitere Gelder für die JUB sind ein schwieriges Thema", sagt Susanne Grobien, CDU-Fraktionssprecherin für Wissenschaft. Sie betont, dass die Einrichtung auch in Kooperation mit den anderen Hochschulen im Land Bremen erfolgreich sei. Wie in den anderen Fraktionen gibt es aber auch in der CDU verschiedene Positionen zu staatlichen Hilfen für die JUB.
Offenbar ist die Rückzahlung eines 50-Millionen-Kredits, den die Jacobs University von Bremen als Landesbürgerschaft erhalten hat, auf unbestimmte Zeit ausgesetzt worden. Für den Wirtschaftsexperten Rudolf Hickel, langjähriger Professor an der Universität Bremen, belegen Gespräche über weitere Finanzhilfen des Senats "einen Paradigmenwechsel". Bislang sei immer betont worden, dass es sich bei der JUB um eine Privatuniversität handelt. Hickel: "Dies ist der schleichende Einstieg in eine öffentliche Finanzierung."
Eine klare Ablehnung einer Ko-Finanzierung kommt von den Bremer Jusos: "Die private Jacobs University erneut staatlich zu subventionieren, wäre ein Schlag ins Gesicht aller Studierenden, die derzeit an den Bremen Hochschulen in den Hörsälen auf den Treppen sitzen, in Pflichtseminaren keinen Platz bekommen oder immer noch ein bezahlbares Zimmer suchen."
Die Fraktion Die Linke äußert sich ähnlich: "Für eine private Universität hat die Jacobs University mehr als genug Extras vom Senat bekommen. Es ist überhaupt nicht einzusehen, dass die öffentlichen Hochschulen dauernd zum Sparen und Drittmittel-Einwerben angehalten werden und ausgerechnet der Elite-Uni Bremens aus jeder Patsche geholfen wird." Klaus-Rainer Rupp, haushalts- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Linken-Fraktion verwies darauf, dass die JUB laut Jahresbericht der Jacobs-Stiftung 2011 für den Zeitraum 2006 bis 2017 243 Millionen Schweizer Franken bewilligt bekommen habe. "Wenn diese Kapitaldecke nicht ausreicht, dann ist das kein Problem der öffentlichen Hand, sondern ein weiterer Beweis dafür, dass das ‚Geschäftsfeld Privat-Uni‘ in Deutschland nicht funktioniert."
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