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Ex-Quartiersmanager Joachim Barloschky plauderte bei "Das Viertel isst..." über das Miteinander in Tenever
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Kriterien einer guten Nachbarschaft

Liane Janz 21.11.2011 0 Kommentare

Steintor. Das Thema des Abends ist fast Nebensache, denn für viele Menschen bietet er einfach nur eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Und eigentlich steht genau das ja auch im Vordergrund. Trotzdem laden die Organisatorinnen und Organisatoren jedes Jahr einen Referenten in den Saal der Friedensgemeinde ein, der sich kurz mit einem bestimmten Thema beschäftigt. In diesem Jahr war dies Joachim ("Barlo") Barloschky, der langjährige Quartiersmanager in Osterholz-Tenever, und er sprach zu den 200 Gästen über Nachbarschaft und darüber, was sie bewirken kann.

Joachim Barloschky benannte Berührungspunkte zwischen Tenever und dem Viertel. Viele Teneveraner würden im Viertel arbeiten oder seien gar dorthin gezogen. Zahlreiche Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Bremer Osten verbringen an den Wochenenden die Abende in den Kneipen, Clubs und Bars des Viertels. Umgekehrt besuchen auch einige Viertelbewohner gern das Hallenbad in Osterholz-Tenever oder auch die Kinder- und Jugendfarm. In Tenever allerding seien viele Menschen nach wie vor arm, auch wenn sich dort in den vergangenen zehn Jahren viel getan habe. Theaterbesuche am Goetheplatz könnten sie sich kaum leisten.

Viele Jahre hat sich Joachim Barloschky dafür stark gemacht, die Lebensqualität im Wohnquartier zu verbessern. Da kommt in Tenever die Stadtteilgruppe ins Spiel - nach einem berühmten Vorbild, wie Barloschky erklärte: "Die Bremer Stadtmusikanten waren die erste interkulturelle Selbsthilfegruppe der Geschichte." Und die Stadtteilgruppe sei eine Art interkulturelle Selbsthilfegruppe von heute.

Die Interkulturalität betrachtet der ehemalige Stadtteilmanager dabei als großen Pluspunkt Tenevers. 90 Nationen seien dort vertreten. Ein Drittel der Teneveraner ist unter 21 Jahre. "Bei uns wächst die Zukunft Bremens auf", sagte Joachim Barloschky, der sich nach wie vor stark mit dem Osterholzer Ortsteil identifiziert.

In diesem Mix aus Armut, Internationalität und Jugend habe also die Stadtteilgruppe ihre Arbeit aufgenommen und dürfe jährlich über 300000 Euro für soziale Projekte entscheiden. Und Projekte gibt es viele - für Junge, für Alte, für Mütter, für Ex-Knackis und für viele andere Gruppen. Sie alle trügen ihren Teil zu einer guten Nachbarschaft und einem umfassenden Netzwerk bei.

Die Stadtteilgruppe Tenever trifft sich alle sechs Wochen mit Anwohnern, Vertretern aus Politik, der Polizei, der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung. Bei diesen Gelegenheiten sind einige Dinge ganz wichtig, die auch zu einer guten Nachbarschaft beitragen: Unterschiedliche Standpunkte anhören und die Menschen ernst nehmen. "Und zwar alle", betonte Barlo. Außerdem müsse man den Menschen Rechte geben - in der Stadtteilgruppe dürfen auch Bremerinnen und Bremer abstimmen, die nicht die deutsche Staatsbürgerschaft haben - und sie müssen bereit sein für Veränderungen und selbst etwas gestalten wollen.

Mit seiner Ansprache zwischen Kürbissuppe und roter Grütze erntete der Redner einige "Ahas", viel Applaus, aber auch Gelächter. Er passte mit seinen klaren Worten gut in die lockere, ungezwungene Runde hinein. Ursula Schnell vom Haus im Viertel der Bremer Heimstiftung, das jährlich Suppe und Nachspeise zubereitet, hatte die Idee gehabt, Barlo einzuladen. Sie ist der Meinung, dass Nachbarschaften vor dem Hintergrund des demografischen Wandels immer wichtiger werden. Nicht alle Alten können in Zukunft in Heimen untergebracht werden. Nachbarschaften könnten einen Beitrag leisten, damit Menschen in ihren eigenen vier Wänden bleiben, den Alltag bewältigen können und nicht einsam werden.

Spende für Bildungsbrücke

Ursula Schnell hatte zur Vorbereitung auf das gemeinsame Essen erst einmal "Nachbarschaft" gegoogelt. Gefunden hatte sie rund 60000 Einträge zu Streits unter Nachbarn, eine Million zu guter Nachbarschaft "und 1,6 Millionen zu Chancen der Nachbarschaft". Genau als das, als Chance nämlich, sollte Nachbarschaft an diesem Abend verstanden werden.

Neben dem Haus im Viertel und der Friedensgemeinde gehören auch das Ortsamt und die Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt zu den Organisatoren von "Das Viertel isst...". Gemeinsam verfolgten sie an diesem Abend auch einen guten Zweck. Stellvertretend rief Ortsamtsleiter Robert Bücking zu Spenden für die "Bildungsbrücke" auf. Die Initiative von Viertelbewohnern will Kindern im Viertel, deren Eltern finanziell nicht so gut dastehen, eine anständige Ausstattung für die Schule ermöglichen. Das können Turnschuhe, ein ganz bestimmter Taschenrechner für den Mathe-Leistungskurs oder auch die Klassenfahrt sein. Koordiniert werden Anträge und Vergabe in der Friedensgemeinde. Und nachdem der Klingelbeutel herumgegangen war, machte sich Pastor Bernd Klingbeil-Jahr ans Auszählen. Genau 1509 Euro und 47 Cent sind zusammengekommen - eine Summe, über die sich die Initiatoren sehr freuen.


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Leserkommentare
admiral_brommy am 19.10.2019 13:20
Durchaus nicht.



Bildungserfolg hängt immer von diversen Faktoren ab. Daher ist es Aufgabe der Politik, diese Faktoren so ...
suziwolf am 19.10.2019 13:17
@Siegfried ...

Sie machen aber jetzt die Idee der BI zum
regelrechten Mischmasch.

• Produktion von Aluminium ...
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