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Präventionsforscher bauen Netzwerk auf
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Senioren kommen in Bewegung

Solveig Rixmann 22.02.2016 0 Kommentare

Zeeb und Brand bei Wissen um elf
Die Präventionsforscher Hajo Zeeb (links) und Tillmann Brand. (Solveig Rixmann)

Die Zahl derer, die über 60 oder über 80 sind, wird deutlich steigen. Das sei ziemlich genau vorherzusagen – besser sogar als der Wetterbericht, meint Epidemiologe Hajo Zeeb. „Denn wir wissen, wie die relativ geringen Sterberaten in der Bevölkerung sind, und wir wissen, wie die Geburtenrate ist“, sagt der Leiter der Abteilung „Prävention und Evaluation“ am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS). Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen in Deutschland liegt derzeit bei gut 82 Jahren, die der Männer bei knapp 78 Jahren.

Um sich die Lebensqualität zu erhalten, ist es wichtig, auch im Alter körperlich aktiv zu bleiben. Bewegung verringert das Erkrankungs- und Verletzungsrisiko. In der Metropolregion Bremen-Oldenburg will das regionale Präventionsforschungsnetzwerk Aequipa daher herausfinden, welcher Sport unter welchen Voraussetzungen für die Altersgruppe ab 65 Jahren gut ist und wie Bewegung gefördert und Chancengleichheit erreicht werden kann. Hajo Zeeb und Tilmann Brand koordinieren Aequipa. Sie präsentierten bei Wissen um elf im Haus der Wissenschaft das Projekt und erste Ergebnisse.

Mobilität hat viele Aspekte: von moderater körperlicher Aktivität bis zu hoch anstrengender Bewegung. Aber auch ein Rollstuhl könne dazu beitragen, dass ein Mensch mobil bleibe, meint Hajo Zeeb.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, jeden Tag 30 Minuten körperlich aktiv zu sein, am besten auch ins Schwitzen zu geraten. Bewegungsmangel gilt bei vielen Krankheiten als Risikofaktor: bei Brust- und Darmkrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes beispielsweise. „Das heißt anders herum: Daran kann man arbeiten“, sagt Hajo Zeeb und beruft sich auf Studien.

Hemelingen ist dabei

Aequipa ist 2015 gestartet und zunächst auf drei Jahre angelegt. Beteiligt sind sechs Hochschulen und zwei Forschungsinstitute sowie die Gesundheitswirtschaft Nordwest. „Das Interessante ist, dass das Institute oder auch Personen sind, die aus heweils ganz unterschiedlichen Perspektive auf dieses Thema, körperliche Aktivität, gucken“, sagt Hajo Zeeb. Gesundheitswissenschaftler, Psychologen, Bewegungswissenschaftler, IT-Spezialisten, Stadtplaner und Raumforschung arbeiten zusammen.

Tilman Brand, der Leiter der Fachgruppe „Sozialepidemiologie“ am BIPS, präsentierte drei Beispiele. 23 Kommunen und Stadtteile sind für „Ready to change“ ausgewählt worden. In dem Teilprojekt wird ihre Handlungsbereitschaft im Bezug auf Präventionsmaßnahmen für Menschen ab 65 Jahren analysiert, um diese zu steigern. Die Wissenschaftler sprechen mit unterschiedlichsten Menschen. Damit eine Präventivmaßnahme erfolgreich umgesetzt werden kann, muss ein gewisses Maß an Problembewusstsein und Handlungsressourcen erreicht werden.

Die meisten der untersuchten Kommunen und Stadtteile befänden sich in einer Vorplanungsphase, berichtet Tilman Brand. Auch Stärken und Schwächen bereits existierender Ansätze wurden analysiert. Wichtiger als die Fitness war vielen Älteren, die Sport treiben, das Gemeinschaftsgefühl. Viele Angebote sind noch zu unbekannt, oft fehlen Übungsräume in der Nachbarschaft und speziell ausgebildete Trainerinnen und Trainer. „Und da müssen wir letztendlich ran“, sagt Tilman Brand. Die Gesundheitswissenschaftler im Team hätten dafür eine Arbeitshilfe entwickelt, mit der in den ausgewählten Kommunen systematisch lokale Strukturen aufgebaut werden sollen.

Für das Teilprojekt „Buten aktiv“ ist der Stadtteil Hemelingen ausgewählt worden. In Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und den Aktiven soll ein Programm entwickelt werden, das Männer und Frauen über 65 anregt, sich häufiger im Freien zu bewegen. Unter anderem wurde ein runder Tisch gegründet. Eine wissenschaftliche Befragung ist geplant. Bewegung und Fitness der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden dabei untersucht, aber auch Fragen zum Stadtteil und zur Möglichkeit der Umsetzung des Projektes gestellt.

„Fit im Nordwesten“ geht das Thema von einer anderen Seite an. Im Mittelpunkt stehen der Einsatz von Technik und die Frage, ob sie dabei helfen kann, Bewegung im Alter anzuregen. Eine gute Möglichkeit, Senioren zum Sport zu animieren, sei die Dokumentation ihrer Aktivität, sagt Tilman Brand. So könne jeder sehen, wie aktiv er sei. Dieses Projekt wird im April starten. In der Vahr und in Obervieland sollen kostenlose Kurse angeboten werden. Nach der ersten Datenerhebung wird dann ein Trainer den Gruppen regelmäßig Übungen zeigen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden am Computer ein Bewegungstagebuch führen und erhalten die Auswertung. Es geht den Forschern auch darum, wie Technologien – zum Beispiel Smartphones und Fitness-Apps – helfen und ob sie genutzt werden.

Eines machten Zeeb und Brand klar: Es ist Überzeugungsarbeit. Letztlich muss jeder Einzelne aufstehen und sich bewegen. Die Forschung habe immerhin aber auch gezeigt, dass körperliche Aktivität nur in einem Umfeld entstehe, das Aktivität auch fördere, sagt Hajo Zeeb. In einem Umfeld, in dem Menschen dabei unterstützt werden, aktiv zu sein. Und daran, das ein solches Umfeld entsteht, arbeiten die Wissenschaftler von Aequipa.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.aequipa.de.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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