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Sternchen in der Manege

Christian Hasemann und Monika Felsing 21.12.2015 0 Kommentare

Alter Postweg Zirkus
Die Reifen über dem Kopf und in der Luft zu halten, ist wie so vieles nicht nur Talent-, sondern auch Übungssache. Im Mitmach-Zirkus der Lilienthaler Familie Thiel lernen die Kinder, was sie für ihren ersten Auftritt in der Manege brauchen. Und sie bekommen viel Applaus dafür. (Petra Stubbe)

Kinder, Tiere, Sensationen – der Zirkus El Dorado hat ein Gastspiel in der Schule Alter Postweg gegeben. Die Kinder waren nicht auf den Rängen, sondern mitten in der Manage als Clowns, Artisten und Tierdompteure zu sehen. Auf den Bänken drängten sich dagegen Eltern, Großeltern, Geschwister und staunten, was die Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen in nur einer Woche zusammen mit den Artisten des Zirkus einstudiert hatten. Und das war allerhand.

Die Kinder haben nicht nur die Aufführung selbst gestaltet, sondern sich auch das Geld für das Gastspiel erarbeitet, denn so ein Zirkus muss auch von etwas leben. Im Frühjahr gab es einen Spendenlauf, bei dem die Grundschüler mehr als 3000 Euro erlaufen haben, genug, um eine ganze Reihe von Artisten zu engagieren. Auch Vierbeiner kamen mit nach Hastedt: Lamas und Bordercollies gehören der Familie Thiel.

Alter Postweg Zirkus
Selbst die jungen Akrobatinnen staunen, wie viel sie in einer Woche gelernt haben – und wie es ist, auf einer menschlichen Brücke zu stehen. (Petra Stubbe)

Es war nicht das erste Gastspiel. „Wir versuchen den Zirkus alle vier Jahre an die Schule zu holen“, sagt Schulleiterin Christina Jacobs. „Jedes Kind soll nach Möglichkeit einmal beim Zirkus mitgemacht haben.“ Die Woche über waren die Kinder in selbstgewählten Zirkusgruppen, den Rest der Zeit hatten sie Unterricht. „Und auch die Flüchtlingskinder aus den Sprachkursen haben mitgemacht“, sagt Christiane Jacobs. 200 Kinder haben insgesamt die Zirkusschule durchlaufen und traten in zwei Vorstellungen vor Publikum auf.

Als Erstes traten die kunstvoll geschminkten Cheerleader mit Pompons und die Hula-Hoop-Tänzerinnen und -Tänzer in die Manege und ließen, von lauter Diskomusik begleitet, die Puschel und die Reifen kreisen, nicht nur um die Hüften, sondern auch ums Handgelenk oder sogar um den Hals geschwungen!

Alter Postweg Zirkus
Wenn Kinder Kopfstand können, dann springt ein Zirkuscollie auch über sie hinweg. (Petra Stubbe)

Mit den zwei Profis des Zirkus El Dorado vollführte auch die nächste Gruppe wahre Kunststücke. Da gab es Brücken, Handstände und „menschliche Bretter“ zu sehen. Besonders beeindruckend war wohl für viele der Handstand auf dem Unterarm oder das „Brett“ über dem Kopf. Dabei machte sich ein Mädchen so steif, dass es von Bill Thiel, dem Akrobatik-Lehrer, an Nacken und Füßen über seinen Kopf gehalten werden konnte – da stockte nicht nur den Eltern der Atem. Aber auch die gehaltene Brücke auf Bills Unterarmen bewies eindrucksvoll, wie viel die Kinder in der doch nur kurzen Zeit gelernt hatten.

Gegen Ende des Auftritts zeigten dann Bill und seine Schwester Jenny Thiel zu „Time of my Life“ den Klassiker der Tanz- und Akrobatikfiguren: die Hebefigur aus Dirty Dancing. Und dann liefen die Kinder zu den Klängen von „Ein Hoch auf uns“ unter großem Applaus aus der Manege.

Alter Postweg Zirkus
Keine Angst haben und sich bretthart machen – dann klappt es mit dem Schweben. (Petra Stubbe)

In goldenen Glitzerjacken folgten die Wildtier-Dompteure. Ganz so wild waren die beiden Border-Collies dann nicht, dafür hörten sie aufs Wort, sprangen durch Reifen, rollten sich auf den Boden und liefen über die Rücken der auf dem Boden knienden Kinder.

Ein weiterer Höhepunkt an diesem Tag war der Auftritt der Lassokünstler. Als Cowboys verkleidet, stolzierten die Kinder der Gruppe herein und stellten ihre Rinderhirten-Coolness zur Schau, und auch ein Cowgirl hatte sich dieser Gruppe angeschlossen. Jeder erfolgreiche Trick wie Tornado oder Skorpion wurde dabei von einer gereckten Faust und einem lauten „Yihaa“ begleitet. Die achtjährige Lina durfte das große Lasso schwingen – so groß, dass sie sich hineinstellen und es von unten nach oben und zurück wirbeln konnte. Zum Schluss schwang Tilo Thiel Europas größtes Lasso, so jedenfalls wurde es angekündigt. Und tatsächlich war es dermaßen groß, dass sich alle Kinder darunter stellen konnten.

Alter Postweg Zirkus
Mae streichelt eines der Lamas, die zum Zirkus gehören. (Petra Stubbe)

Immer wieder erstaunlich findet Christiane Jacobs die Arbeit der Zirkusfamilie mit den Kindern. „Wenn die sagen, es ist jetzt Ruhe, dann ist auch Ruhe, da sind wir als Lehrer immer sehr erstaunt, wie konzentriert die Kinder da sind“, hat die Rektorin schon 2012 gesagt. „Und es ist verblüffend, was die Kinder in so einer kurzen Zeit auf die Bühne bringen können.“

Das ist auch ein Verdienst der Zirkusfamilie, die sich auf diese Art des Mitmachzirkus spezialisiert hat. Drei Generationen leben von und mit dem Zirkus, und Gründer Christian Thiel und seine Frau Karola haben zusammen sagen und schreibe 14 Kinder – kein Wunder, dass sie gut mit Kindern umgehen können. Und die werden noch ihren Enkel davon erzählen können, wie es war, einmal selbst in einer richtigen Manege zu stehen – oder als Brett zwei Meter über dem Boden zu schweben. Damals, in der Schulzeit.

Zirkus El Dorado

◼ In Bremen gibt es Mitmachzirkusse in Bürgerhäusern und natürlich die Zirkusschule Jokes. Beim Zirkus El Dorado der Lilienthaler Familie Thiel handelt es sich um ein Profi-Unternehmen aus der Zirkuswelt, das Projektwochen in Grund-, Förder- und Realschulen anbietet. Unter anderem waren die Thiels 2015 in der Grundschule Mahndorf zu Gast. Die Artisten bringen alles mit – das Zelt, die Manege, die Licht- und Verstärkeranlage, ein paar Tiere, die Kostüme und das Können. Die Schulkinder wählen unter anderem zwischen Cheerleading, Lassowerfen, Hunde-, Lama- oder Ziegendressur, Jonglage, Voltigieren, Clownerie und Akrobatik. Die Gruppen sind altersgemischt, in allen sind Erst- bis Viertklässler vertreten. Lehrkräfte und Eltern sind als Hilfskräfte dabei. Geleitet wird das Training von den erwachsenen Kindern der großen Zirkusfamilie. Zum Beispiel von Nadine Thiel, die den Bordercollie Amy vorführt und die Kinder in die Kunst der Hundedressur einweiht. Oder auch von Jesse Thiel, dem Trapezkünstler. Der Mitmach-Zirkus El Dorado ist im Umkreis von 100 Kilometern unterwegs und kommt viel in der Region herum. Eine Lehrerin habe die Idee gehabt, hat Jesse Thiel, einmal erzählt. Manche Grundschulen buchen die Gruppe alle drei bis vier Jahre wieder für eine Projektwoche. Nähere Informationen über den Mitmach-Zirkus El Dorado der Familie Thiel gibt es telefonisch unter 04208/91660 und außerdem auf der Internetseite www.zirkus-zeltverleih.de.

MF


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Leserkommentare
alterwaller am 18.10.2019 20:26
Eine "ich-bin-dagegen-Initiative" nach der anderen. Bremen ist zwar meine Heimatstadt aber inzwischen bin ich froh mich vor ca. 6 Jahren vom Acker ...
Posaune am 18.10.2019 20:16
Aus Luftschlössern werden keine Lustschlösser entstehen weil sich Luft und Lust nicht sonderlich verstehen ;-).

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