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Annette Ortlieb zeigt ihren zweiten längeren Kinofilm
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Sylt aus Sicht dreier Inseltöchter

Christiane Tietjen 14.01.2016 0 Kommentare

Annette Ortlieb
Mit ihrem Dokumentarfilm „Inseltöchter“ sorgte Annette Ortlieb in Bremen für ausverkaufte Kinosäle. Nun hat der Nachfolgefilm Premiere. (Petra Stubbe)

„Inseltöchter“ heißt der erste Dokumentarfilm, mit dem die Filmemacherin Annette Ortlieb die Geschichte Sylts aus Perspektive dreier Insulanerinnen darstellte. Im jetzt als Kinofassung fertiggestellten Nachfolger „Ich war schon auf der ganzen Welt, nur noch nicht am Ellenbogen“ erzählen die drei Protagonistinnen von damals, Laura Kervin, Marga Barake und Herta Findeisen, neue Geschichten aus der Zeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Während der Aufnahmen waren die drei Frauen zwar schon hochbetagt, aber „immer noch quietschfidel“, sagt Annette Ortlieb. Inzwischen sind zwei von ihnen gestorben. Umso kostbarer ist der mit großer Einfühlsamkeit gedrehte Film, der eine Mischung aus lebendigen Erzählungen und sehr persönlichen Bildern ist. Am Sonntag, 17. Januar, hat er um 11 Uhr seine Premiere im Kino Gondel an der Schwachhauser Heerstraße.

Annette Ortlieb
Für ihren Film hat Annette Ortlieb viele noch unbekannte Sylt-Fotos aufgetrieben. (Petra Stubbe)

Annette Ortlieb wohnt in Schwachhausen und arbeitet seit 2003 als freiberufliche Filmemacherin. Davor war sie 20 Jahre hauptberuflich in der Kultur- und Bildungsarbeit in Bremen tätig. Im Jahr 1981 unterstützte sie die Gründung des Kulturhauses Walle Brodelpott. Ihr Studium der Erziehungswissenschaften absolvierte sie in Münster. Ihr neuer, 46-minütiger Film basiert auf der insgesamt elfstündigen Dokumentation „Kindheit und Jugend auf Sylt zwischen1905 und 1945“, die Ortlieb für das Landesarchiv Schleswig-Holstein erstellt hatte. Gegliedert ist ihr Ellenbogen-Film in sechs Episoden. Eine davon erzählt aus der Zeit des Ersten Weltkriegs auf der Insel. Diese Episode wurde bereits als eigenständiger Kurzfilm unter dem Titel „Marga und der Wal“ veröffentlicht, lief auf mehreren Festivals, gewann drei Publikumspreise, unter anderem in Flensburg, und wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung zum Film des Monats gewählt. Der Sylter Ellenbogen, eine Halbinsel am obersten Zipfel von Sylt, war lange Zeit nur bei Ebbe durchs Wattenmeer mit der Bahn zu erreichen. „Zum Beispiel, wenn es eine Beerdigung gab“, sagt Ortlieb, die selbst vor 60 Jahren auf Sylt geboren ist. „Eine Straße wurde dann erst von der Wehrmacht gebaut“, fügt sie hinzu.

Der Krieg oder besser gesagt, die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen haben die drei porträtierten Sylterinnen aus erster Hand erlebt. Marga Barake aus Westerland wuchs noch während des Ersten Weltkriegs auf, Herta Findeisen aus Keitum und Laura Kerwin aus Archsum wurden in der Vorkriegszeit zum Dritten Reich geboren.

Sie waren Kinder, die mit einem kargen Leben vertraut waren. Das brachte eine gewisse Schwermut mit sich, und doch konnten sie fröhlich spielen und Entdeckungen machen in den Dünen und am Strand. Geschichten tauchen in der Erinnerung auf, die von Mut sprechen und von aufregenden Abenteuern. Von einem gestrandeten Fass Rum, das den Kindern einen mehrtägigen Rausch bescherte, von ersten Küssen und vom Spaziergang in einem Walfischmaul. Von Handgranaten, mit denen die Lütten gewieft Profit machten und vom Schwimmen an einer Leine, die den Badebereich im Meer eingrenzte.

Für Annette Ortlieb spielt es eine große Rolle, die Geschichte aus der Perspektive der Frauen darzustellen. „Man sagt ja, Frauen sind die Stärkeren, und ich finde, irgendwie stimmt das auch. Die Männer fuhren zur See oder waren im Krieg, und die Frauen hatten die Landwirtschaft zu bewältigen und oft eine große Zahl von Kindern zu versorgen. Meine Urgroßmutter zum Beispiel hatte 21!“ Ihre Sicht auf die Welt, die Authentizität, das begeistert sie, denn diese Frauen wissen genau, wie es sich angefühlt hat, damals Inseltochter zu sein. Ihr Blick ist natürlich ein anderer als der, den ein Ferien- und Badegast hat.

Reiche Badegäste gab es auch schon, aber der Charakter der Insel war doch ein ganz anderer. Damit das nicht in Vergessenheit gerät, gibt es diesen Film, der es erlaubt, mit allen Sinnen den Schicksalen vergangener Zeit nachzuspüren. Annette Ortlieb zeigt noch unbekannte historische Fotografien und gibt dem Zuschauer ein Gefühl für Wind, Weite und die Kraft des Meeres. Untermalt mit Musik vom Schifferklaviers zeigt ihr Film, wie es trotz schwerer Zeiten Geborgenheit und Zusammenhalt gab.

Zu der Matinée am Sonntag, 17. Januar, um 11 Uhr in der Gondel, Schwachhauser Heerstraße 207, sind die Regisseurin und Mitglieder des Filmteams anwesend. Zu Gast ist auch die Tochter „eines der größten Inselfotografen“, wie Annette Ortlieb sagt. Nach der Vorführung gibt es ein moderiertes Gespräch. Karten sind im Internet unter www.bremerfilmkunsttheater.de oder unter Telefon 79 25 50 erhältlich.


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Leserkommentare
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
europaweit jetzt ...
suziwolf am 21.10.2019 12:01
Warum dieser einfache Hinweis
auf www.spiegel.de
[ ,auf Erweiterung der Information‘ ]
mit „👎“ bewertet wird,
erklärt sich ...
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