Oldenburg Achtjähriger Joe nach Verschwinden in Gully entdeckt

Das Wochenende beginnt mit einer guten Nachricht: Der vermisste geistig behinderte Junge Joe lebt. Das Kind wird aus einem Schacht unter einem Gullydeckel befreit. Doch für die Ermittler ist der Fall noch nicht gelöst.
26.06.2022, 10:41
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

Viele Menschen hatten schon das Schlimmste befürchtet, ein Verbrechen oder einen tödlichen Unfall. Doch nach acht Tagen intensiver Suche nach dem vermissten achtjährigen Joe kommt die erlösende Nachricht: „!! !! Der 8-jährige #Joe lebt !! !!“, twittert die Polizei in Oldenburg. Die Ausrufezeichen drücken aus, was nicht nur die Beamten, sondern die Stadt und Menschen in ganz Deutschland empfinden: „Wir sind so glücklich - wirklich!“, sagt Polizeisprecher Stephan Klatte. In den sozialen Medien verbreitet sich die Nachricht rasend schnell. „Es gibt sie noch, diese kleinen/großen Wunder“, schreibt eine Twitter-Userin.

Ein Spaziergänger hatte im Stadtteil Donnerschwee Samstagfrüh gegen 6.20 Uhr ein leises Wimmern aus der Richtung eines Kanaldeckels gehört und den Notruf gewählt. Als die Einsatzkräfte den schweren Deckel öffneten, fanden sie den kleinen Jungen.

„Joe war unverletzt äußerlich, unterkühlt natürlich“, sagt Klatte. „Und er wurde sofort versorgt, betreut und in ein Krankenhaus gebracht.“ Dem Jungen gehe es den Umständen entsprechend, sagt eine Sprecherin des Klinikums Oldenburg der dpa. Weitere Angaben könne sie derzeit nicht machen. Der Vater bedankte sich am Samstagabend vor der Klinik bei allen Helfern, wie in einem RTL-Video zu sehen ist.

Doch wie ist Joe in den Gullyschacht gelangt? Diese zentrale Frage wollen die Ermittler möglichst schnell klären. Den zentnerschweren Deckel bekommt auch ein kräftiger Erwachsener nicht ohne weiteres angehoben. Denkbar sei, dass das Kind an einer anderen Stelle des verzweigten Kanalsystems ins Tunnellabyrinth geklettert und durch die Röhren gekrabbelt sei, sagt der Polizeisprecher.

Am Sonntag sollte ein mit einer Kamera ausgestatteter Roboter zum Einsatz kommen, um den Weg nachzuvollziehen, den Joe durch das Kanalsystem genommen haben könnte.

Der geistig behinderte Junge mit dem Lockenkopf war am 17. Juni als vermisst gemeldet worden. Gefunden wurde er nur wenige hundert Meter von seinem Elternhaus entfernt, in der Gegend waren auch Spürhunde eingesetzt worden. Zuletzt hatten Zeugen Joe in der Nähe von früheren Kasernen gesehen. Weil er gern Verstecken spielt, war zunächst auch in Altkleidercontainer sowie unter geparkten Autos nach ihm gesucht worden. Aufgrund eines Zeugenhinweises richtete die Polizei sechs Tage nach Joes Verschwinden eine Mordkommission ein.

Dass ein Verbrechen vorliegt, habe die Polizei noch nicht zu den Akten gelegt, sagt Klatte. Denkbar also, dass jemand Joe absichtlich in den Gullyschacht gelegt hat. „Auch diese Möglichkeit werden wir weiter im Blick behalten“, betont der Polizeisprecher. Der Junge selber wurde am Wochenende noch nicht von den Beamten befragt. Die Polizei äußerte sich aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst auch nicht dazu, ob Joe bei seiner Entdeckung dieselbe Kleidung wie am Tag seines Verschwindens trug.

Das Schicksal des Jungen, der auf Fotos fröhlich in die Kamera lächelt, bewegte die ganze Region. An der Suche beteiligten sich viele Privatleute, die Freiwillige Feuerwehr unterstützte Polizei und Hilfsdienste. Firmen und Vereine teilten die Aufrufe. Gesucht wurde auch im Nachbarkreis Ammerland. Dort wollten Zeugen den Jungen auf einem Erdbeerfeld in der Nähe eines psychiatrischen Krankenhauses an der Stadtgrenze zu Bad Zwischenahn gesehen haben.

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