Ein Arbeiter an der Liane Alexander Klaws gastiert als Hauptdarsteller des Musicals "Tarzan" in "Verstehen Sie Spaß?" (Sa., 11.12., 20.15 Uhr, ARD)

Alexander Klaws, 2003 erster Sieger bei "DSDS", hat sich längst gegen Popluftschlösser und für eine solide Bühnenkarriere entschieden. Als Titelheld des Phil Collins-Musicals "Tarzan" schwingt er bis Sommer 2011 durch ein Hamburger Theater. Seiner Vergangenheit als "Superstar" weint der 27-Jährige keine Träne nach.
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Von Eric Leimann

Alexander Klaws, 2003 erster Sieger bei "DSDS", hat sich längst gegen Popluftschlösser und für eine solide Bühnenkarriere entschieden. Als Titelheld des Phil Collins-Musicals "Tarzan" schwingt er bis Sommer 2011 durch ein Hamburger Theater. Seiner Vergangenheit als "Superstar" weint der 27-Jährige keine Träne nach.

Alexander Klaws wusste früh, dass es ein Leben nach "DSDS" gibt. 2003 gewann er die erste Ausgabe der RTL-Castingshow. Nach zwei Alben, die Platz eins der Charts eroberten, trennte sich der "Superstar" von Dieter Bohlen und begann eine zweite, nachhaltiger gedachte Karriere. Klaws besuchte eine Musical-Schule und bastelt mittlerweile an seinem zweiten deutschsprachigen Album mit Popmusik der anspruchsvolleren Sorte. Seit Mai 2010 steht der 27-Jährige als Titelheld des Phil-Collins-Musicals "Tarzan" in Hamburg auf der Bühne. Sein ausgeprägter Arbeitsethos und der fast schon amerikanisch lockere Ehrgeiz unterscheiden Klaws von jenen Medienmarionetten, die von Casting-Shows kurzzeitig nach oben gespült werden. "Auch wenn der Erfolg des Anfangs schwer zu toppen ist - musikalisch gesehen glaube ich, dass meine große Zeit erst noch kommt." Es spricht einer, der noch viel vor hat.

Alexander Klaws steht in einer Art Lianen-Testpark. Mehrere Stockwerke scheint diese XXL-Turnhalle hoch zu sein, und nur die grünen Taue weit über den Köpfen lassen den Nebenraum des Hamburger Musical Theaters "Neue Flora" als Übungsgelände für "Tarzan" erkennen. Im dritten Jahr läuft die klassische Erzählung des von Affen großgezogenen Sohns eines schiffbrüchigen englischen Lords nun als Musical in Hamburg. Achtmal pro Woche ist Vorstellung. Siebenmal, so steht es in seinem Vertrag, hat Alexander Klaws die Rolle auszufüllen.

"Hier hat alles angefangen. Hier wird getestet, ob man flugtauglich ist." Aus eigener Kraft fliegen muss man als Musical-Tarzan zwar nicht. Dafür sorgen Motoren, die auf das unter dem Lendenschurz befindliche - extra in Argentinien gefertigte - Fluggeschirr zugreifen. Dennoch muss man ein guter Flieger sein, denn - so sagt es Alexander Klaws - die meisten Darsteller verbringen während der zweieinhalbstündigen Show viel Zeit in der Luft, und da soll es schon so aussehen, als flöge man selbst, wozu eine Menge Kraft und Geschick benötigt wird.

40 Prozent der Zeit bekommt Tarzan keinen Fuß auf den Boden. 231 Meter legt Klaws pro Show fliegend zurück. "Als man mich getestet hat, wurde mir bescheinigt, ein 'natural flyer' zu sein. Man braucht eine Menge Physis für den Job. Ein halbes Jahr vor der ersten Show begann ich, ein spezielles Programm mit einem Personal Trainer durchzuarbeiten." Viermal die Woche Fitness hieß das, damit Tarzan beweglich ist. Kraft pumpen, Ausdauer trainieren, totale Beweglichkeit bis hin zum Rückwärtssalto - das ist die Welt eines Musical-Stars heutzutage. Tatsächlich sieht Alexander Klaws maximal fit aus. Aus dem 20-jährigen "DSDS"-Sieger von 2003, der noch ein wenig Babyspeck im lieben Mädchenschwarmgesicht trug, ist ein kerniger, hellwacher Kerl geworden. Einer, der die Zügel seiner Karriere längst selbst in den Händen hält.

Neben Mark Medlock, "DSDS"-Sieger von 2007, der nach wie vor mit Dieter Bohlen zusammenarbeitet, gilt Klaws als einziger RTL-"Superstar", der seinen Hype "überlebte". Vor fünf Jahren schrieb er sich an der "Joop van den Ende Academy" ein. Die Musical-Schule seines derzeitigen Chefs bei "Tarzan". Schwerpunkt Schauspiel und Gesang. "Damals hatte ich alles erreicht in kürzester Zeit. Man fragt sich danach schon, wie es weitergehen soll. Ich wollte vor allem meinen Horizont erweitern." Sein Fachabi im Münsterland schmiss er damals wegen "DSDS". Heute ist Klaws allerdings solide geworden. Seine Arbeitswut, seine Wissbegierigkeit könnte streberhaft wirken, doch die Begeisterung des dunkelblonden Mannes ist durchaus ansteckend.

Ende 2006, nach einer Tour als Sänger, kam die Anfrage für Roman Polanskis "Tanz der Vampire". In dem Berliner Musical spielte Klaws eine der Hauptrollen. Es folgte ein Part in der Telenovela "Anna und die Liebe". Nun ist er eben Tarzan - zumindest solange bis sein Vertrag im Sommer 2011 ausläuft. Danach gilt es wieder, ein neues Album mit Leben zu erfüllen. Auch daran arbeitet der Wahlhamburger längst. Gemeinsam mit Frank Ramond, der bereits Roger Cicero und Annett Louisan intelligente deutsche Poptexte in den Mund legte. Dass er keine 1,5 Millionen Singles mehr verkaufen wird, wie einst mit "Take Me Tonight", ist Alexander Klaws selbst durchaus klar.

"Man muss Erfolge heute anders bewerten", sagt er. Seit seinem Siegeszug bei "DSDS" ist der Tonträgermarkt massiv eingebrochen. Verfolgt er "DSDS", die nach wie vor so erfolgreiche TV-Show, eigentlich noch? "Ab und zu schaue ich mal rein, ich habe wenig Zeit", kommt die Antwort etwas gelangweilt. Auch wenn Klaws betont, nach seiner Trennung von Dieter Bohlen nie schmutzige Wäsche gewaschen zu haben. "Dieter und ich sind immer super klargekommen, aber das war dann irgendwann nicht mehr meine Musik. Ich wollte auf eigenen Beinen stehen im Leben."

Auch auf die Frage, ob sich ein musikalisch ambitionierter junger Mensch heute unbedingt von Casting-Shows fernhalten sollte, hat Alexander Klaws eine erstaunlich reflektierte Antwort: "Mittlerweile schon. Bei mir war das damals eine andere Geschichte. Es war neu, man wusste nicht, wohin die Reise geht. Wer heute zu 'DSDS' geht, der weiß alles. Es ist schwer, ohne diese Shows bekannt zu werden. Aber es kommt mir vor, als wäre es mit diesen Shows mittlerweile genauso schwer. Du hast ein bekanntes Gesicht, aber ernst genommen wirst du in der Branche nicht."

Das kann man von seinem heutigen Job nicht behaupten. Musical-Darsteller gelten, übrigens ebenso wie Schauspieler in einer Telenovela, in Fachkreisen als die härtesten Arbeiter der Showbranche. Elend lange Arbeitszeiten, ständiger Motivationsdruck. Schließlich will das gut zahlende Publikum auch noch in der 350. Show einen topmotivierten Mann an der Liane sehen. Musical, das ist Leistung auf Knopfdruck. Ohne Warmlaufphase, ohne Wiederholungsmöglichkeit.

Vielleicht bestand Alexanders Klaws bislang härtester Kampf darin, sein "DSDS"-Image loszuwerden. Mit der Radikalkur dürfte ihm dies geglückt sein. Eine zweite Karriere ist durchaus drin. Ob sie beim Musical weitergeht, als Sänger seiner Songs oder gar als Schauspieler - der Arbeiter an der Liane darf durchaus hoffnungsvoll der Zukunft entgegen schwingen.

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