Schwedische Königin besucht Lohne-Kroge

Alle Augen auf Silvia

Die schwedische Königin Silvia hat am Mittwoch das Altenheim St.-Anna-Stift im Lohner Ortsteil Kroge besucht. Dort übergab sie den „Queen Silvia Nursing Award“, einen Preis für innovative Pflege.
03.04.2019, 22:04
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Alle Augen auf Silvia
Von Marc Hagedorn
Alle Augen auf Silvia

Große Aufregung im kleinen Kroge bei Lohne: Schwedischer Königsbesuch gehört nicht zur Tagesordnung.

Anne Werner

Silvia Kröger hat an diesem Tag einen ganz besonderen Auftrag. Sie ist für ihren älteren Bruder Josef hier. Josef ist 81, und er kann nicht mehr selbst kommen, um Königin Silvia zu sehen, wie sie das Örtchen Kroge bei Lohne besucht. Josef, der Rolfes mit Nachnamen heißt, verbindet eine ganz persönliche Geschichte mit Silvia. Es war 1972, Olympische Spiele in München.

Josef ist dabei, als Volunteer, würde man heute sagen. Damals hieß das freiwilliger Helfer oder Hostess, wenn man eine Frau war. Eine gewisse Silvia Sommerlath ist 1972 bei Olympia Hostess, und wie es der Zufall so will, arbeitet Josef Rolfes in Silvias Team.

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„Sie war die Chefin“, sagt Silvia Kröger, „und ich glaube, dass Josef ein bisschen in sie verliebt war.“ Jedenfalls hat Josef später immer wieder von Olympia, München und Silvia erzählt. Zur Geschichte gehört aber auch, „dass sich Silvia schließlich für diesen Grafen entschieden hat“, wie Silvia Kröger es ausdrückt. Josefs Schwarm von damals ist heute Königin von Schweden. „Verrückt, oder?“

Es ist zehn Uhr morgens. Silvia Kröger und ihre Schwägerin warten auf einem Parkplatz am Lohner Ortsrand auf den Shuttle-Bus, der sie zum St.-Anna-Stift bringen soll. Dort wird Königin Silvia nachher einen nach ihr benannten Preis für innovative Pflegeideen überreichen und anschließend in dem Heim eine Station besuchen, auf der nach der Silviahemmet-Philosophie demenzkranke Menschen betreut werden. Der Kroger Pflegedienst Zerhusen Blömer betreibt das Stift, ein ehemaliges Kloster mit Kapelle.

Ratsherr stellt Parkplatz zur Verfügung

Es ist knapp 100 Jahre alt. Der Parkplatz, auf dem Kröger und Magdalena Rolfes stehen, gehört Ali Yilmaz. Der CDU-Ratsherr betreibt den größten Saal in der Gegend. Hier werden sonst Hochzeiten und Verlobungen gefeiert, auch der Sängerball und der örtliche Sportlerball finden hier statt. Yilmaz hat drinnen Platz für 500 Gäste und draußen für 200 Autos. Den eingezäunten Parkplatz mit sauber abgekreideten Stellflächen stellt er heute der Allgemeinheit zur Verfügung. „Das macht man an so einem Tag doch gerne“, sagt Yilmaz, „wann kommt denn sonst schon mal die Königin zu Besuch?“

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Ein paar Kilometer nordwestlich steht das Rathaus von Lohne. Hier hat Christian Tombrägel Zeit für ein Pläuschchen mit der Chefsekretärin. In Lohne, Slogan „Lohne lohnt sich“, gibt man sich ganz entspannt. „Kommen Sie doch in mein Büro, dort können wir uns in Ruhe unterhalten“, sagt Tombrägel, Pressesprecher der Stadt.

Auf seinem Schreibtisch liegt aufgeschlagen eine Chronik. Tombrägel hat sich noch schnell schlau gemacht, wer so alles in der Lohner Geschichte schon zu Gast war. Bundespräsident Heinrich Lübke zum Beispiel, „1967 war das“, sagt Tombrägel, „und im 19. Jahrhundert war angeblich auch mal eine griechische Königin da.“ Aber das ist nicht gesichert, auch der Vorsitzende des Heimatvereins, mit dem er eben noch telefoniert hat, konnte die Information nicht bestätigen.

Dass Silvia kommt, merkt man in Lohne selbst nicht. Keine schwedischen Fähnchen, stattdessen Plakate, die noch für den „Lohner Lenz“ vom Vorwochenende werben und Hinweistafeln zum „Tanz in den Mai“ und die Gewerbeschau an diesem Wochenende.

Das Warten auf die Königin

Auch bei den örtlichen Friseuren, bei denen die Klatsch- und Königsillustrierten ausliegen, ist der Besuch Silvias kein großes Thema. Karl-Heinz Nieswand vom gleichnamigen Salon sagt: „Silvia Sommerlauch, so hieß sie früher doch, oder?“

Marianne Schmidt und Lisa Krogmann wissen selbstverständlich, dass Silvias Mädchenname Sommerlath war. Schmidt und Krogmann sind Royal-Fans und gehören sogar zu einem Royal-Club.

Mit sechs Freundinnen warten sie seit Stunden am Anna-Stift. Der Lohn dafür sind die besten Plätze hinter der Absperrung, gleich vorne am Eingang zur Kapelle. Hier muss Silvia definitiv vorbei. Bevor es aber soweit ist, vertreibt man sich die Wartezeit. Krogmann zückt ihr Handy, „hier, schauen Sie mal“, sagt sie und wischt zum Fotoarchiv, „das sind wir am Tag der Hochzeit von Prinz Harry.“

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Ein Dutzend Frauen in Sommerkleidern und stilecht, weil ja britisch, mit Hüten auf dem Kopf. Royal-Fans wissen, wie man es sich gutgehen lässt. Ein Sektkorken ploppt. „Früher“, sagt Krogmann, „früher haben wir für die Beatles gewartet, heute tun wir es für Silvia.“ Gelächter und noch ein Schlückchen Sekt, Prost. Carsten Obst ist nicht ganz so locker. Seine Chefin hat ihn extra aus Baden-Baden nach hier oben in die niedersächsische Provinz geschickt.

Obst ist Society-Reporter für den Klambt-Verlag, unter dessen Dach „Adel aktuell“ und „Adel heute“ erscheinen. Obst war schon „am roten Teppich bei Bambi“, wie er es ausdrückt, auch aus Cannes hat er einmal berichtet.

Kameras und Schwedenfahnen

Jetzt hält er einen Strauß Blumen in der Hand. In dem Gebinde stecken Karten mit dem Aufdruck „Adel aktuell“. Er soll, so die Anweisung der Chefin, der Königin den Strauß in die Hand drücken und davon ein Foto mitbringen. Dafür ist er am Vortag acht Stunden mit dem Zug gefahren, morgen geht es zurück. „Hoffentlich mit dem Foto“, sagt er, „sonst wäre die Chefin enttäuscht.“

Druck, besondere Bilder zu liefern, haben auch andere. Viele Kamerateams sind hier. Ein Kameramann hat eine größere Gruppe lokalisiert, die mit Schweden-Fahnen ausgestattet ist. „Bitte schwenken“, ruft er. Als der Appell nicht so recht fruchtet, übernimmt Walter Sieveke.

Er ist Polizeidirektor und an diesem Tag Einsatzleiter. Sieveke trägt selbst zwei Fähnchen in der Hand und mimt nun den Einpeitscher. Die Menge johlt. Der Kameramann hat seine Bilder. Sieveke kennt das schon, er war im Einsatz, als Bundeskanzler und Präsidenten kamen.

„Wir genießen das heute“, sagt er. Wie viele Beamte im Einsatz sind, um das Areal und die Zufahrten zu sichern, verrät er nicht, nur so viel: Die schwedische Hof-Security war am Vortag da, hat sich ein Bild von der Lage gemacht und war zufrieden. In Kroge sind heute fast doppelt so viele Menschen wie sonst unterwegs, mehr als 1500 Schaulustige sind gekommen.

Eine dunkle Limousine fährt vor

Weil Silvia Verspätung hat – sie steht auf der A 1 bei Bremen im Stau – hat Lohnes Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer noch Zeit für ein letztes Interview. Er erzählt, dass er sich extra einen neuen dunkelblauen Anzug, eine neue Krawatte und neue Schuhe gekauft hat.

Eigentlich sollte die Krawatte gelb sein, dann hätte er die schwedischen Nationalfarben getragen, „aber Gelb hat meine Frau nicht erlaubt“, sagt er. Und dann kommt Silvia in einer dunklen Limousine mit getönten Scheiben, eskortiert von Polizisten auf Motorrädern. Die Damen vom Royal-Club schauen jetzt ganz genau hin. Was trägt Silvia? Wie gibt sie sich? Sie trägt einen dunkelgrünen Mantel und ein dunkelrotes Kostüm.

Der Weg vom Auto bis zur Kapelle, in der die Feierlichkeiten stattfinden, ist höchstens 20 Meter lang, Silvia nimmt sich gut fünf Minuten Zeit dafür. Sie schüttelt Hände, winkt, wechselt hier und da ein paar Worte. Dann ist sie verschwunden.

Zurück bleiben die Fans. Auch Silvia Kröger, die für ihren Bruder die Stellung hält, bleibt noch eine Weile. Sie hat es tatsächlich geschafft, der Königin die Hand zu schütteln. Das wird sie Josef nachher noch erzählen. Und auch Carsten Obst, der Klatschreporter, strahlt. Er macht den Daumen hoch, er hat Silvia den Blumenstrauß in die Hand drücken können, und ein Foto gibt es davon auch. Seine Chefin wird zufrieden sein.

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