Familie Moje blickt auf lange Tradition in der Kleinen Fischerstraße in Verden zurück / Vorfahren waren Fischer und Schiffer

Als ein Name Verwirrung stiftete

Nur etwa 260 Mojes gibt es in ganz Deutschland. Und sie alle haben etwas gemeinsam: Ihre Vorfahren kommen aus dem Raum Verden. Angefangen hat alles mit den Fischern und Schiffern in der Kleinen Fischerstraße.
10.05.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Als ein Name Verwirrung stiftete
Von Anna Zacharias
Als ein Name Verwirrung stiftete

Jürgen Moje mit den alten Stammbüchern seiner Familie. Der Verdener hat sich mit der Geschichte seines Familiennamens beschäftigt, dessen Ursprung in der Region liegt.

Foto: Strangmann

Nur etwa 260 Mojes gibt es in ganz Deutschland. Und sie alle haben etwas gemeinsam: Ihre Vorfahren kommen aus dem Raum Verden. Angefangen hat alles mit den Fischern und Schiffern in der Kleinen Fischerstraße.

Verden. Hans Moje seufzt gedankenverloren, dann hebt er beide Mundwinkel zu einem Schmunzeln. "Ob wir ihn verschaukeln wollen, hat der Standesbeamte damals gefragt", sagt er dann. Der 88-Jährige sitzt in einem Ohrenbackensessel im Wohnzimmer in der Kleinen Fischerstraße in Verden und kramt in über 60 Jahre alten Erinnerungen.

Der Name Moje ist selten – es gibt nur rund 260 Telefonbucheinträge in ganz Deutschland. Die meisten von ihnen im Raum Verden. Besonders viele Mojes lebten einst in der Kleinen Fischerstraße, und auch heute liest man den Namen noch auf einigen Klingelschildern. "Es gab sogar mal die Überlegung, die Straße in ,Moje-Straße’ umzubenennen", erzählt Hans Moje, der noch heute in dem Haus mit der Nummer sieben lebt, dem Haus seiner Eltern.

Missverständnisse bei der Hochzeit

Seine Frau Annegret musste sich nach der Hochzeit nicht an den Namen gewöhnen, denn auch sie ist eine geborene Moje. "Aber wir waren natürlich nicht verwandt", fügt Hans Moje schnell hinzu, und beide lachen. "Das war schlimm auf dem Standesamt", sagt die 83-Jährige und verdreht schelmisch die Augen. Als sie ihren Geburtsnamen angeben sollte, führte dies schon zu Missverständnissen. Sie solle doch jetzt zunächst einmal ihren Geburtsnamen angeben, habe der Standesbeamte ungeduldig gesagt. "Ja. Der ist auch Moje", beharrte sie.

Und dabei blieb es nicht. "Und wie ist Ihr Name?", wurde der erste Trauzeuge gefragt. "Moje", lautete die Antwort. Der Standesbeamte seufzte. "Und Sie, heißen Sie vielleicht auch Moje?", fragte er den zweiten Trauzeugen. Der: "Nein. Müller."

Das war 1952. Seine Frau hatte Hans Moje vier Wochen nach seiner Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft kennengelernt, im Jahr 1951. Es stand gerade eine große Feier an, – ein Moje aus dem Ort heiratete –, aber der nach fünf Jahren in der Ferne nach Hause zurückgekehrte Hans Moje ertrug die Fröhlichkeit kaum. "Hier wurde gefeiert, und ich musste an meine Kameraden denken, die im Lager zurückgeblieben waren", sagt er.

Der gelernte Maler und seine Frau lebten zunächst mit drei Familien auf engstem Raum in ihrem einstöckigen Häuschen. Das können sie sich heute kaum noch vorstellen. "Hier", Moje zieht mit der Hand einen gedachten Strich durch das kleine Wohnzimmer, "war noch ein Schlafzimmer abgetrennt. Und im Hof hielten wir damals noch Schweine." Zwei von ihnen wurden jedes Jahr geschlachtet und mussten dafür durch den Hausflur getrieben werden – schlammig und verschmutzt, wie sie waren. Direkt nebenan war damals eine Schlachterei. Der Name des Betreibers lautete Moje.

Der Verdener Jürgen Moje hat sich mit der Familiengeschichte seiner Vorfahren befasst. Mit Hans und Annegret Moje ist er nicht direkt verwandt "aber irgendwie sind wir letzten Endes ja alle verwandt", sagt er. Er zeigt auf eine Deutschlandkarte, in der ein orangener Fleck im Bereich Verden eingezeichnet ist, weitere winzige orangene Punkte sind im Rest der Bundesrepublik verteilt.

"Alle Mojes waren mal Fischer und Schiffer und wohnten in der Großen und der Kleinen Fischerstraße. Das letzte Küstenmotorschiff auf der Aller hieß auch Anna Moje", sagt er. Damals kam es in dem Gebiet noch häufig zu Überschwemmungen bis in die Fußgängerzone, so dass die Familien in der Kleinen Fischerstraße das Schlafzimmer unter dem Dach hatten.

Als das Intscheder Wehr nach dem Krieg gebaut wurde, war es dann vorbei mit der Fischerei, denn die Lachse kamen nicht mehr durch die Aller bis nach Verden. "Dann gab es andere Berufe, wie Dachdecker oder Vertreter", sagt Moje. Damit man die Mojes damals überhaupt noch auseinanderhalten konnte, erfand man Spitznamen. "Baron hieß der eine, einen anderen nannten sie den Moje vor der Pumpe", sagt Jürgen Moje.

Auch der Namensforscher Jürgen Udolph hat sich bereits mit dem in Deutschland seltenen Namen befasst. Demnach lässt sich der Ursprung dem niederdeutschen Sprachraum zuordnen. Schon 1401 finde sich in den Quellen ein Hans Moje aus Anklam. Dabei habe das Adjektiv "moie", zu Deutsch "schön", als Grundlage gedient haben können, Moje könnte also "der Schöne" bedeuten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+