"So zufrieden wie noch nie" Andrea Sawatzki spielt in Doris Dörries ZDF-Serie "Klimawechsel" (ab Mi., 07.04., 20.15 Uhr)

Schöne Grüße aus dem Klimakterium: Andrea Sawatzki spielt neben anderen Top-Schauspielerinnen wie Juliane Köhler oder Ulrike Kriener in Doris Dörries ZDF-Serie "Klimawechsel" mit - und im Interview verrät sie, was für ein großer Spaß das Ganze war.
26.02.2010, 00:00
Lesedauer: 7 Min
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Von Frank Rauscher

Schöne Grüße aus dem Klimakterium: Andrea Sawatzki spielt neben anderen Top-Schauspielerinnen wie Juliane Köhler oder Ulrike Kriener in Doris Dörries ZDF-Serie "Klimawechsel" mit - und im Interview verrät sie, was für ein großer Spaß das Ganze war.

Tragisch, komisch, bitter, böse und absurd, halt fast wie im echten Leben - so geht's in "Klimawechsel" zu. Die von Regisseurin Doris Dörrie kreierte, frech-frivole ZDF-Mini-Serie startet am Mittwoch, 7. April, 20.15 Uhr, mit einer Doppelfolge, ab 8. April werden die weiteren vier Episoden donnerstags, 21.00 Uhr, gezeigt. Alles dreht sich um die Sorgen und Nöte einer entweder von hormonellen Schwankungen oder aber von furchtbaren Männern schwer gepeinigten Frauenclique in den Wechseljahren. Mittendrin unter den verzweifelten Pädagoginnen: Schauspielerin Andrea Sawatzki, die mit Hornbrille und Öko-Outfit in ihrer Rolle als Kunstlehrerin kaum wieder zu erkennen ist. Im Interview verrät die 47-jährige Wahl-Berlinerin, was sie übers Älterwerden denkt, spricht über ihren Ausstieg beim Frankfurter "Tatort" und gibt zu, dass sie Yoga rein nichts abgewinnen kann.

teleschau: Frau Sawatzki, haben Sie vor dem "Klimawechsel"-Dreh schon mal was von Hormonyoga gehört?

Andrea Sawatzki: Nein! Und ich verrate sogar, dass ich noch nie in meinem Leben Yoga gemacht habe. Für mich ist das nichts - obwohl alle meine Freundinnen total darauf schwören.

teleschau: Was ist dann Ihre Methode, um zu entspannen und fit zu bleiben?

Sawatzki: Wir haben zwei Hunde, mit denen jogge ich immer um einen kleinen See - sechs, sieben Kilometer täglich, mehr Sport braucht es nicht.

teleschau: Die Serie handelt von leidgeprüften Pädagoginnen und den Wechseljahren. Kennen Sie eine Lehrerin im einschlägigen Alter?

Sawatzki: Ja. Und ich habe sie auch schon vorgewarnt. Aber die nimmt das mit dem nötigen Humor!

teleschau: Mussten Sie sich erst in die Lebenswelt einer Lehrerin einarbeiten?

Sawatzki: Nein, wir haben das alle mehr oder weniger aus uns heraus gespielt. Es wäre auch falsch, zu sagen, ich hätte beim Drehen irgendwelche Lehrer meiner Söhne vor Augen gehabt. Ich spiele eine Kunstlehrerin, die eigentlich eine Künstlerin werden wollte, und es nun, völlig gegen ihr Naturell, tagtäglich mit ziemlich wilden Jugendlichen zu tun hat - es fiel mir nicht sehr schwer, mich in diese Figur hineinzuversetzen. Und den bayerischen Dialekt, den ich da spreche, hatte ich als gebürtige Oberbayerin noch drauf, auch wenn ich schon eine Weile in Berlin lebe ...

teleschau: Es wirkt auf jeden Fall so, als wäre der Dreh ein Riesenspaß gewesen. Was braucht ein Schauspieler, um so etwas so überzeugend spielen zu können?

Sawatzki: Ein gewisses Urtalent für die Komödie! Ich glaube, es geht dabei besonders um die Fähigkeit, gerade die traurigen Momente zu erkennen, zu durchleben und zu behalten. Denn wahre Komik lässt sich nur durch echte Verzweiflung erzeugen. In einem sind sich alle beteiligten Schauspielerinnen auch ähnlich: Wir wollen weder etwas Tieftrauriges, noch etwas Urkomisches spielen, wenn es keinen Hintergrund, keine Tiefe gibt.

teleschau: Wie ist das in "Klimawechsel"?

Sawatzki: Hier speist sich die Komik aus einer sichtbaren Verzweiflung heraus - das hat uns glücklich gemacht. Schön, dass man das merkt.

teleschau: Waren Sie nicht erst erschrocken, als Sie hörten, Sie sollen in einer Serie, die sich mit den Wechseljahren befasst, mitspielen?

Sawatzki: Ich weiß nur noch, dass ich bei dem Anruf "Doris Dörrie" hörte und sofort zusagte. Worum es geht, war mir da erst mal egal (lacht)!

teleschau: Und dann der Schock?

Sawatzki: Nein, nein. Ganz ehrlich: Das Thema spukte mir schon länger durch den Kopf. Ich fragte mich: Warum ist das so ein Tabu? Jeder, dem ich bislang von dieser Serie erzählt habe, Mann oder Frau, ist total gespannt, wie wir das umgesetzt haben. Höchste Zeit, mit ein paar Tabus in Deutschland zu brechen!

teleschau: Warum ist das Klimakterium denn ein Tabu?

Sawatzki: Wahrscheinlich, weil uns Frauen zu lange eingeredet wurde, dass wir mit dem Älterwerden an Attraktivität verlieren. Auf den ersten Blick haben wir, rein äußerlich, ja wirklich Defizite ab einem gewissen Alter. - Im Gegensatz zu den Männern. Frauen stehen nun mal auf graue Schläfen, Männer oft auf Jüngere ... Aber auch wir Frauen können unglaublich viel im Lauf der Jahre durch die Erfahrung gewinnen. Es kommt doch bei der Frage, was ein Mensch in seinem Leben aus sich macht, auf so viel mehr Dinge an als auf Äußerlichkeiten. Ich glaube, dass sich das in den letzten Jahren schon etwas geändert hat, in gewisser Weise hat die Gesellschaft auch auf eine solche Geschichte wie unsere gewartet. Nur wusste lange keiner, wie man so etwas umsetzen soll.

teleschau: Sie wurden im Februar 47 Jahre alt ...

Sawatzki: Und ich habe überhaupt kein Problem damit! Ich bin so zufrieden wie noch nie. Die Frau, die ich in der Serie spiele, ist auch von den Wechseljahren noch ein ganzes Stück weit entfernt.

teleschau: Was ist das Schöne an dem Alter?

Sawatzki: Dass ich aus meinen Erfahrungen der letzten Jahre schöpfen kann, dass ich viel gelernt habe - auch aus den schwierigeren Zeiten. Und beruflich wird es spannender, weil ich mit meiner Lebenserfahrung einfach mehr aus einer Rolle herausholen kann. Ich finde dieses Alter wirklich optimal.

teleschau: Das Leben und die Beziehung der Lehrerin, die Sie spielen, ist allerdings alles andere als optimal. Sie steckt im falschen Beruf fest, ihr Mann betrügt sie ... Haben Sie einen Tipp, wie man solche Klippen im Leben weiträumig umschifft?

Sawatzki: Meine Strategie heißt: Reden. Ich führe viele Gespräche mit meinem Mann und mit meinen Söhnen. Nicht zuletzt muss man den Kindern auch etwas vorleben und kann sich zum Beispiel nicht einfach einer tiefen Traurigkeit hingeben. Ich glaube sowieso: Jeder schmerzhaften Erfahrung wohnt eine gute Seite bei. So etwas versuche ich in der Erziehung zu vermitteln.

teleschau: Wie veränderte Sie das Mutter-Sein?

Sawatzki: Ich bin viel ruhiger geworden. Andererseits halten mich meine Söhne jung und lebendig.

teleschau: Sie haben Ihre innere Ruhe gefunden?

Sawatzki: Na ja. Mit 47 kann man sich halt mehr dem Seelenwohl widmen als mit 25. Was aber nicht heißt, dass ich heute nicht mehr auf die Piste gehe (lacht).

teleschau: Was hat denn Ihr Mann, Christian Berkel, zu der Rolle gesagt?

Sawatzki: Er liebt sie! Zunächst war er natürlich auch sehr gespannt, was Doris sich zu dem Thema ausgedacht hat, und nun ist er, wie ich, völlig begeistert.

teleschau: Hätte er gerne mitgemacht?

Sawatzki: Ja, ich denke schon. Aber er sah in der Geschichte keine passende Rolle für sich.

teleschau: Sie spielten vor vier Jahren schon einmal gemeinsam in einer nicht ganz unähnlichen Geschichte: Sherry Hormanns Psychiatrie-Zweiteiler "Helen, Fred und Ted" wurde damals als potenzielle neue ARD-Serie gehandelt und sehr gelobt, doch dann stimmte die Quote nicht ...

Sawatzki: Richtig. Das Thema war seitens der Geldgeber abgehakt. Aber vielleicht machen wir ja doch weiter! Produzentin Gabriela Sperl ließ nicht locker.

teleschau: Gibt es nun, vor dem Start von "Klimawechsel", auch so etwas wie eine Quotenangst?

Sawatzki: Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass es kein Erfolg wird. Wenn das nicht läuft, dann ... Dann kann man vielleicht gleich den Laden dicht machen. Aber man weiß ja heutzutage nie. Man kann das Publikum nicht mehr einschätzen.

teleschau: Es fällt jedenfalls auf, dass das Fernsehen immer mehr die Lebenswirklichkeit der 40- bis 50-Jährigen als Thema ausmacht.

Sawatzki: Das hat sicher damit zu tun, dass das Gros der Zuschauer auch in diesem Alter ist. Dem will man Rechnung tragen. Ich bin als Schauspielerin sehr froh und dankbar, denn das stellt sicher, dass ich noch einige Jahre in dem Beruf arbeiten kann.

teleschau: Finden Sie sich und Ihre Befindlichkeiten denn im Fernsehen angemessen reflektiert?

Sawatzki: Ehrlich gesagt, kann ich darauf gar nicht antworten. Ich sehe nur ganz, ganz selten fern. Wir schauen zu Hause eigentlich fast nur Filme auf DVD. Aber natürlich weiß ich, was los ist.

teleschau: Doris Dörrie erklärte, für sie war es ein Teil des Reizes, die beteiligten Schauspielerinnen endlich einmal eine andere Farbe von sich zeigen zu lassen. Haben Sie auch das Gefühl, dass das Potenzial an guten Darstellern hierzulande viel zu wenig ausgeschöpft wird?

Sawatzki: Ich sag's mal so: Ich habe schon das Gefühl, wir wüssten, wie man das Publikum gut unterhält, aber es fehlt an Mut. Die Figuren und Geschichten müssten viel ehrlicher, extremer sein. Die richtige Mischung zwischen Komik und echter Traurigkeit findet man leider nur sehr selten.

teleschau: Seichtes hat eben meistens Erfolg!

Sawatzki: Ja, das hat mit dem Bedürfnis der Leute zu tun, sich beim Zuschauen in eine andere Welt zu versetzen. Aber das allein bringt einen halt nicht weiter, es hat doch keinerlei Lerneffekt. Man fühlt sich ein, zwei Stunden wohl - aber dann ist alles beim Alten. Mir wäre das zu wenig. Ich interessiere mich nur für Filme mit einer gewissen Nachhaltigkeit, für Geschichten, die hängen bleiben.

teleschau: Denken Sie, wir haben das Potenzial für eine umfassende Wende?

Sawatzki: Produzenten, Regisseure, Schauspieler? - Wahrscheinlich schon. Aber es ist wirklich schwer, fähige Autoren zu finden, die die beiden Extreme - Komik und Tragik - unter einen Hut bringen können. Das ist das Problem.

teleschau: Ob eine Serie wie "Klimawechsel" ein Umdenken in Gang bringen kann?

Sawatzki: Ja. Aber nur wenn die Quote stimmt! Wenn nicht, dann wird das Ganze wie so oft als gut gemeinter Versuch versanden. Auf jeden Fall ist es mutig vom ZDF, die Serie zur Primetime zu zeigen. Das hätte ich nicht gedacht.

teleschau: Beim HR-"Tatort" stimmten die Quoten. Wieso ging es für Sie in der Rolle der Kommissarin Charlotte Sänger dennoch nicht weiter?

Sawatzki: Weil ich überzeugt war, dass sich die Figur nicht mehr entwickelt hätte. Vielleicht haben auch da die Autoren gefehlt, um auf dem Grundstein, den der besondere Charakter dieser Figur ja gebildet hat, noch weiter aufzubauen. Man hätte noch vieles über die Hintergründe der Kommissarin erzählen können, aber das Private war nicht gewollt. Ich höre jedenfalls lieber auf, bevor es mir in die Schuhe geschoben wird, dass die Figur in einer Sackgasse steckt. Der Ausstieg fiel mir nicht leicht. Es tut nach wie vor sehr weh.

teleschau: Da schwingt Bitterkeit mit ...

Sawatzki: Ja, ich bin schon noch traurig. Andererseits sind nun die Türen für schöne andere Projekte geöffnet. Nach neun Jahren ist es vielleicht wirklich mal Zeit für ein paar andere Rollen, ich will ja nicht mit dem "Tatort" ins Grab gehen.

teleschau: Auf welches Projekt freuen Sie sich nun besonders?

Sawatzki: Ab Mai drehe ich mit Produzentin Kirsten Hager "Bella Vita", den Pilotfilm zu einer weiteren neuen, tragikomisch erzählten ZDF-Reihe - ich spiele die Hauptrolle: eine Frau in meinem Alter ... (lacht).

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