Discounter im Maulhoop-Viertel soll zum 31. Oktober ausziehen / Anwohner protestieren

Anwohner kämpfen für Lebensmittelmarkt

So schnell wollen die Stammkunden des Penny-Marktes an der Mainstraße in Verden nicht aufgeben: Sie kämpfen für den Erhalt ihres Lebensmittelgeschäftes. Am kommenden Sonnabend planen sie eine Unterschriftenaktion in der Innenstadt. Aber der Vermieter hat die Kündigung bereits erhalten.
15.05.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Anwohner kämpfen für Lebensmittelmarkt
Von Anna Zacharias
Anwohner kämpfen für Lebensmittelmarkt

Anwohner protestieren an der Mainstraße. Für viele von ihnen ist der Penny-Markt die einzige Einkaufsmöglichkeit.

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So schnell wollen die Stammkunden des Penny-Marktes an der Mainstraße in Verden nicht aufgeben: Sie kämpfen für den Erhalt ihres Lebensmittelgeschäftes. Am kommenden Sonnabend planen sie eine Unterschriftenaktion in der Innenstadt. Aber der Vermieter hat die Kündigung bereits erhalten.

Verden. Patricia Ramm hält mit der einen Hand eine Plastiktüte mit der Aufschrift "Penny" auf ihrem Schoß fest, mit der anderen lenkt sie ihren Rollstuhl über den Parkplatz des Supermarktes an der Mainstraße in Verden. "Für mich ist es eine Katastrophe, dass Penny geschlossen werden soll", sagt die 57-Jährige. Sie wohnt am Oderplatz, keine hundert Meter entfernt. "Einen Sack Kartoffeln und auch die Blumenerde kann ich hier kaufen, das schaffe ich allein. Wenn Penny schließt, verliere ich meine Selbstständigkeit", sagt sie mit ernstem Blick.

Wie Patricia Ramm geht es vielen Anwohnern im Maulhoop-Quartier. Hier leben viele ältere Menschen, die zum Teil am Rollator gehen und in Zukunft auf fremde Hilfe angewiesen sein werden. Sie fühlen sich von der Politik allein gelassen. "Hier lässt sich keiner blicken. Und uns sagt auch niemand, wie der Stand der Dinge ist", sagt Anwohnerin Monika Luttmann.

Entscheidung bei Konzern gefallen

Als die VERDENER NACHRICHTEN beim Konzern selbst nachfragen, kommt eine offizielle Antwort: "Nach wirtschaftlicher Prüfung und Berücksichtigung sämtlicher aktueller Wettbewerbsveränderungen im unmittelbaren Umfeld des Marktes (Schließung Rewe und Aldi) bleibt die Verbindlichkeit der Entscheidung zur Schließung des Marktes bestehen", teilt eine Pressesprecherin der Rewe-Unternehmensgruppe mit, der auch Penny angehört.

"Die Kündigung habe ich bereits vorliegen", sagt der Eigentümer der Immobilie, Ingmar Kappel. "Zum 31.Oktober 2013 wird Penny definitiv draußen sein. Wir hoffen natürlich, dass sich dann ein privater Einzelhandelskaufmann für den Standort finden lässt", sagt er. Die Suche nach einem Nachmieter laufe bereits. Die 800 Quadratmeter Ladenfläche seien aber, so mutmaßt Kappel, zu klein für die heute in der Regel größeren Discounter. Er geht davon aus, dass es sich bei dem Rückzug von Penny um eine grundsätzliche strategische Entscheidung des Konzerns handele, da der Laden in den vergangenen Monaten immer gut besucht gewesen sei.

Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) fordert die Bürger in der Umgebung auf, den Supermarkt an der Mainstraße verstärkt zu nutzen. "Die Stadt selbst kann leider keinen Supermarkt aufmachen. Wir sind aber seit vielen Jahren schon mit Penny im Gespräch über die Möglichkeiten einer Erweiterung. Wir bedauern die Entscheidung, denn für jemanden im Rollator ist die Situation wirklich dramatisch", sagt er. Die Nahversorgung in diesem Bereich müsse sichergestellt werden, und vielleicht finde sich ein anderer Interessent, der sich an diesem nicht einfachen Standort dauerhaft etablieren kann.

Der Fraktionsgeschäftsführer der SPD-Fraktion im Verdener Stadtrat, Ingo Neumann, hat die geplante Schließung "mit Erschrecken" zur Kenntnis genommen, wie er dem Bürgermeister in einem Eil-Antrag mitgeteilt hat. Er fordert darin, dass die "Verwaltung und die Wirtschaftsförderung unverzüglich Aktivitäten in allen Richtungen zur Sicherstellung der Lebensmittel-Nachversorgung" aufnehmen. "Das ist ein Brennpunkt für uns, viele Menschen in diesem Gebiet haben eine Behinderung oder können keine weiten Wege auf sich nehmen", sagt er. Mit welchen Mitteln die Politik einen Nahversorger für das Gebiet begeistern möchte, in dem nicht zuletzt durch "Kaufland" in Dauelsen um Kundschaft gekämpft werden muss, ist noch offen.

Patricia Ramm macht sich mit ihren Einkäufen auf den Weg nach Hause. Im August 2012 ist sie hergezogen – auch, weil der Supermarkt in der Nähe war. Ob sie sich beim Einkaufen bald darauf verlassen muss, dass ihre Nachbarn ihr etwas mitbringen, wird sich noch zeigen.

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