Ein Künstler mit allen Sinnen Armin Mueller-Stahl vollendet sein 80. Lebensjahr und spielt in "Buddenbrooks" (Do., 23.12., 20.15 Uhr, ARTE)

Armin Mueller-Stahl ging nie den geraden Weg des Erfolges willen und wurde - gerade deshalb? - einer der wichtigsten deutschen Schauspieler.
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Von Larissa Pittelkow

Armin Mueller-Stahl ging nie den geraden Weg des Erfolges willen und wurde - gerade deshalb? - einer der wichtigsten deutschen Schauspieler.

Thomas Mann war deutsche Kultur - im Exil in den USA und bis zu seinem Tod 1955 in der Schweiz. Der Filmheld Armin Mueller-Stahl scheint fasziniert von dem großen Schriftsteller zu sein, spielte er ihn doch nicht nur in "Die Manns" (2001), sondern übernahm gleich auch noch in der Adaption dessen berühmten Romans "Die Buddenbrooks" (2008, Do., 23.12., 20.15 Uhr, ARTE) die Hauptrolle. Doch Stahl und Mann verbindet mehr - Mueller-Stahl, der am 17. Dezember sein 80. Lebensjahr vollendet, ist der wichtigste deutsche Schauspiel-Export in den USA. Auch er ist deutsche Kultur.

Er ging nie den leichten Weg, studierte ursprünglich Violine. Schauspielerisches Talent wurde dem im ostpreußischen Tilsit geborenen Armin Mueller-Stahl in seiner späteren ostdeutschen Heimat abgesprochen. Dennoch konnte er Anfang der 50er-Jahre ein Engagement ergattern und wurde fortan einer der wichtigsten Schauspieler der DDR. In den 70-ern machte er sich in der Politik unbeliebt, 1980 wurde schließlich sein Antrag auf Ausreise nach West-Berlin bewilligt. Das tat seiner Karriere keinen Abbruch. Der damals 50-Jährige etablierte sich mit Fassbinders "Lola" (1981) sogleich auch in Westdeutschland. Dennoch lehnte er große Fernsehrollen in "Der Alte" oder der "Schwarzwaldklinik" ab, ging stattdessen, des Englischen kaum mächtig, in die USA. Dort brachte er es bis zur Oscar-Nominierung für "Shine" (1996).

Man sollte meinen, der ehrwürdige Mime, auf den seine Mitmenschen mit Bewunderung und Respekt reagieren, bereue beruflich wenig. Dennoch gab er zu: "Statt 25 Jahre Theater zu spielen, hätte ich mich lieber mehr mit der Musik beschäftigt. Wenn man morgens vor dem Rasierspiegel steht, komponiert man ja schon wild drauflos: Dadiedadie und so weiter. Das kann sich zu einer ganzen Symphonie auswachsen. Vielleicht wäre es sogar gut!" Gerade hat er sich seinen Wunsch erfüllt und die CD "Es gibt Tage ..." veröffentlicht. Die Lieder dazu schrieb er selbst - vor 45 Jahren.

Seit geraumer Zeit kündigt der Jubilar seinen Abschied aus dem Filmgeschäft an, er sagt, er möchte seine "Karriere mit den 'Buddenbrooks' langsam auslaufen lassen". Doch vorerst sieht es noch nicht danach aus. 2009 stand Stahl in Hollywood für "Illuminati" und "The International" vor der Kamera. Weitere Streifen könnten folgen: "Ich will nicht apodiktisch sein." Den Rummel vermisst er nicht: "Früher war das furchtbar: Da war ich wie der Affe im Zoo. Ich dachte anfangs, dass ich das vielleicht einmal vermissen würde, aber jetzt ist es höchst befreiend, den Finger in die Nase stecken zu können, wann ich will", resümiert er ein wenig trotzig.

Armin Mueller-Stahl arbeitete nie für den Erfolg, darum geht es ihm bis heute nicht: "Die Monster bringen Quote: Hitler mit Frauen, Hitler ohne Frauen, Hitler im Bunker, Hitler in Berchtesgaden." Sein Lieblingsprojekt "Thomas Mann" gehört nicht zu den Hits. Stahl ist fast schon radikal Künstler. Auch in seiner, wenn man so will, dritten Leidenschaft, der Malerei, geht es nicht ums Gefallen: "Als Maler kann ich all die Farben und Motive meiden, die sich leicht verkaufen lassen. Ich will keine gefälligen Blumen, die dem Massengeschmack entsprechen." Das hindert ihn nicht daran, erfolgreich auszustellen.

Die Freiheit des Alters genießt der geborene Tilsiter an der Seite seiner Frau. Er gehört "zu den ganz Seltenen, die seit vier Jahrzehnten eine glückliche Ehe führen. Für Hollywood-Verhältnisse bin ich ein Außerirdischer." Ein unstetes Single-Leben ist für ihn undenkbar: "Wenn ich mir vorstellen müsste, nach Hause zu fahren und da wäre nichts, was mich erwarten würde, ist das keine nette Vorstellung." An Aufregung soll es dem alten Herrn, der in der Jugend eine "kurze, aber kräftige Lotterzeit" hatte, dennoch nicht fehlen: "Wenn man nichts erlebt, dann schrumpft die Vergangenheit zusammen zu einem grauen Häufchen Zeit."

Armin Mueller-Stahl im TV:

Armin-Mueller-Stahl-Nacht: "Nackt unter Wölfen" (Samstag, 11.12., 23.15 Uhr, NDR)

Armin-Mueller-Stahl-Nacht: "Deutschland, deine Künstler: Armin Mueller-Stahl" (Samstag, 11.12., 01.15 Uhr, NDR)

Armin-Mueller-Stahl-Nacht: "Sonderdezernat K 1: Die Rache eines V-Mannes" (Samstag, 11.12., 02.00 Uhr, NDR)

Armin-Mueller-Stahl-Nacht: "Geiger, Gaukler, Gentleman" (Samstag, 11.12., 03:30, NDR)

"Geschlossene Gesellschaft" (Mittwoch, 15.12., 22:45 Uhr, RBB)

"Tödliche Versprechen - Eastern Promises" (Mittwoch, 15.12., 23:00, SWR)

"Der Westen leuchtet!" (Donnerstag, 16.12., 00:20, ARD)

"Tödlicher Irrtum" (Sonntag, 19.12, 11:00, MDR)

"Buddenbrooks" (Donnerstag, 23.12., 20.15 Uhr, ARTE)

"Die Manns" (Mittwoch, 29.12., 22.00 Uhr, ARTE)

"Das Geisterhaus" (Mittwoch, 29.12., 23.15 Uhr, RBB)

"The Game - Das Geschenk seines Lebens" (Donnerstag, 30.12., 22:50, MDR)

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