Kommentar zur leichten Sprache Armutszeugnis

Wir leben in einer merkwürdigen Welt. Wie anders ist zu erklären, dass Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sich für etwas rühmt, was doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte – nämlich, dass Schreiben seiner Behörde an den Bürger in klarem, verständlichem Deutsch formuliert sind.
27.03.2015, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Armutszeugnis
Von Ralf Michel

Ralf Michel zur Leichten Sprache

Wir leben in einer merkwürdigen Welt. Wie anders ist zu erklären, dass Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) sich für etwas rühmt, was doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte – nämlich, dass Schreiben seiner Behörde an den Bürger in klarem, verständlichem Deutsch formuliert sind.

Natürlich, die Realität sieht anders aus. Um die verquasten Schachtelsätze in Behördenschreiben zu verstehen, wäre ein Jurastudium hilfreich. Von daher ist es löblich, wenn Bremen beim Verfassen der Unterlagen zur Bürgerschaftswahl an all die Menschen gedacht hat, die Probleme beim Lesen und Verstehen von Texten haben. Aber dies jetzt als Großtat darzustellen, am Ende gar wegweisend für ganz (Verwaltungs-)Deutschland...?

Wenn Senator Mäurer freimütig einräumt, viele Schreiben aus seinem Haus selbst dreimal lesen zu müssen, um eine Ahnung davon zu bekommen, worum es darin gehen könnte, ist das ein durchaus sympathisches Bekenntnis. Zugleich aber auch ein Armutszeugnis. Bedeutet es doch nichts anderes, als dass er es als Behördenleiter zulässt, dass seine Mitarbeiter die Bürger im Normalfall mit derartigen Schreiben traktieren.

Leichte Sprache? Verständliches Deutsch? Gerne. Aber nicht nur alle vier Jahre vor Bürgerschaftswahlen.

ralf.michel@weser-kurier.de

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