Gesellschaft Babyklappen in Hamburg in vergangenen Jahren kaum genutzt

Vor gut 22 Jahren wurde die bundesweit erste Babyklappe in Hamburg eingerichtet. Eltern in Not können dort ihre Neugeborenen anonym abgeben. In den vergangenen Jahren wurde diese Möglichkeit kaum genutzt. Dafür gibt es laut Sozialbehörde einen Grund.
14.11.2022, 07:53
Lesedauer: 2 Min
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Von dpa

In den vier Hamburger Babyklappen ist 2022 und 2021 kein einziges Kind abgegeben worden. In den Jahren davor war es nach Angaben der Sozialbehörde seit 2016 höchstens ein Baby. Auffällig höher war die Zahl zuletzt 2014 mit sechs Säuglingen. „Die rückläufigen Zahlen sind aus unserer Sicht eindeutig zu erklären“, sagte Behördensprecher Martin Helfrich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Seit acht Jahren bestehe in Deutschland die Möglichkeit, im Wege der sogenannten vertraulichen Geburt zu entbinden.

Das entsprechende Gesetz trat am 1. Mai 2014 in Kraft. „Auf diese Weise ist eine medizinisch begleitete Geburt gesichert und das Kind hat ab seinem 16. Geburtstag grundsätzlich die Möglichkeit, Auskunft über seine Herkunft zu erhalten“, erklärte Helfrich. Eine anonyme Ablage in einer Babyklappe bringe ein Problem mit sich, denn Kinder hätten ein Recht, über ihre Herkunft Bescheid zu wissen. „Wenn keinerlei Informationen zur Herkunft bekannt sind, ist das mitunter eine schwere Last für die weitere Entwicklung des Kindes.“

Vor mehr als 22 Jahren wurde in Hamburg die erste Babyklappe Deutschlands vom Verein Sternipark gegründet. „Tatsächlich ist seit 2020 in den Hamburger Babyklappen kein Neugeborenes mehr übergeben worden“, teilte die Sternipark-Geschäftsführung auf Anfrage mit. „In anderen Bundesländern stellt sich die Situation anders dar. Bereits das zeigt, dass das Angebot nicht überflüssig ist.“ Auch ein Sprecher von Asklepios betonte mit Blick auf die Babyklappe der Klinik Wandsbek, es sei trotz der niedrigen Zahlen wichtig, Müttern diese Alternative weiter zu bieten.

Nach Ansicht von Sternipark ist der Rückgang weniger auf die Möglichkeit der vertraulichen Geburt zurückzuführen. Das liege eher an erfreulichen gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland, hieß es. „Wir sind insgesamt ein kinderfreundlicheres Land geworden.“ Elternschaft und Berufstätigkeit ließen sich besser verbinden. „In Hamburg zum Beispiel steht ein sehr umfassendes Angebot von Kitas ab Ende des Mutterschutzes zur Verfügung.“

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) betonte: „Schwangere in schwierigen Lebenssituationen erhalten in Hamburg durch ein umfangreiches, im Verlauf der letzten zehn Jahre nochmals erheblich verbessertes Familien- und Jugendhilfesystem die erforderlichen Hilfen.“ So wolle man von vorneherein vermeiden, dass es überhaupt zu einer Situation komme, in der Mütter sich mit dem Kind überfordert sehen. „Schon in der Schwangerschaft kann beispielsweise das Jugendamt mithelfen, gute Lösungen für mögliche Probleme zu finden und Unterstützung organisieren.“

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