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«Bandidos»: Prozessende wegen Abhöraktion gefordert

Erfurt. Kurz nach Beginn des «Bandidos»-Prozesses in Erfurt hat ein Verteidiger die Einstellung des Verfahrens gefordert. Seine Begründung: Ermittler hätten Telefongespräche zwischen ihm und seinem Mandanten abgehört.
11.01.2010, 17:00
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«Bandidos»: Prozessende wegen Abhöraktion gefordert

Bandidos

dpa

Erfurt. Kurz nach Beginn des «Bandidos»-Prozesses in Erfurt hat ein Verteidiger die Einstellung des Verfahrens gefordert. Seine Begründung: Ermittler hätten Telefongespräche zwischen ihm und seinem Mandanten abgehört.

Dies sei ein starker Verfassungsbruch, den er in solcher Weise noch nie erlebt habe, sagte der Anwalt beim ersten Verhandlungstag am Montag.

Oberstaatsanwalt Thomas Riebel wies die Vorwürfe zurück. Für die Anklage seien keine geschützten Gespräche zwischen dem Anwalt und dem von ihm vertretenen «Präsidenten» des Clubs genutzt worden. Die sechs für die Anklage genutzten Gespräche bezögen sich nur auf Verfahren anderer Angeklagter. Sie dürften deshalb verwendet werden, sagte Riebel.

Angeklagt sind sechs Mitglieder des in Weimar ansässigen Motorradclubs im Alter von 29 bis 40 Jahren. Die Vorwürfe lauten unter anderem auf Bildung einer kriminellen Vereinigung und versuchten Mord. Bis auf den «Präsidenten» sitzen die Angeklagten in Untersuchungshaft. Die «Bandidos» streben nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die Vormachtstellung in der Türsteher-, Tattoo- und Rotlichtszene Mittelthüringens an.

Die Verteidiger stellten außerdem einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter, da er ein Verbot der Jacken mit Vereinsemblem im Gericht erlassen hatte. Gegen den «Präsidenten», der sich widersetzte, wurde ein Ordnungsgeld von 500 Euro verhängt. Weitere Mitglieder, die sich weigerten, die «Kutten» abzulegen, durften nach Angaben der Verteidigung nicht ins Gericht.

Der Prozess hatte unter starken Sicherheitsvorkehrungen und massiver Polizeipräsenz vor und im Gericht begonnen. Hintergrund sind die inzwischen auch in Thüringen ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen «Bandidos» und den «Hells Angels».

Gegen Mitglieder des im Oktober 2007 gegründeten Bandidos-Ablegers Jena-Weimar laufen inzwischen 150 Ermittlungsverfahren. In Gera stehen seit vergangenem Juni neun Männer wegen schweren Bandendiebstahls vor Gericht, darunter auch einer der in Erfurt Angeklagten.

Der «Präsident» war im vergangenen April vom Vorwurf freigesprochen worden, den Besitzer eines Weimarer Tattoo-Studios zu Zusammenarbeit oder Abgabe seines Ladens erpresst zu haben. Widersprüchliche Aussagen der Hauptbelastungszeugen reichten dem Gericht nicht aus, während die Staatsanwaltschaft vier Jahre Haft gefordert hatte. (dpa)

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