Kolonialismus Benin-Bronzen: Eigentumsübertragung an Nigeria beschlossen

179 Objekte aus dem ehemaligen Königreich Benin befinden sich noch in Hamburg. Jetzt können die wertvollen Kunstwerke zurückgegeben werden. Ihr Wert wird auf rund 60 Millionen Euro geschätzt.
27.09.2022, 14:35
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von dpa

Der Hamburger Senat hat die vollständige Eigentumsübertragung der Benin-Bronzen an die Bundesrepublik Nigeria beschlossen. „Dies ist ein Meilenstein im laufenden Prozess zur Aufarbeitung unseres kolonialen Erbes“, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) am Dienstag in Hamburg. „Mit dem Beschluss können wir diese einzigartigen Kunstschätze endlich zurückgeben.“

Insgesamt 179 Objekte aus dem ehemaligen Königreich Benin befinden sich derzeit noch im Besitz der Stadt Hamburg. Sie wurden im Zuge einer kolonialen Invasion von britischen Soldaten geraubt und im Anschluss vor Ort und in Großbritannien verkauft. Über Seefahrer und Kaufleute gelangten sie nach Hamburg und wurden mit Unterstützung von Mäzenen für die Hamburger Museen angekauft.

Die Benin-Bronzen sind derzeit im Vermögen der Stadt mit einem Gesamtwert von 58,7 Millionen Euro verzeichnet. Die Kulturbehörde hat bereits in ihrem Haushalt eine Rückstellung in gleicher Höhe gebildet, um eine Rückgabe auch finanziell zu ermöglichen. Im nächsten Schritt muss nun die Bürgerschaft zustimmen.

„Damit leistet Hamburg seinen Beitrag zur Anerkennung eines lange zurückliegenden Unrechts, durch das die Menschen in Nigeria wichtiger Elemente ihrer kulturellen Identität beraubt wurden“, sagte Brosda. Hamburg reagiere auch auf die jahrzehntelangen Rückgabe-Forderungen des nigerianischen Staates und des Königs von Benin.

Bis zu ihrer Rückgabe können alle Kunstwerke in der Ausstellung „Benin. Geraubte Geschichte“ im Museum am Rothenbaum (MARKK) betrachtet werden. Auch künftig sollen einige Werke als Dauerleihgaben in Hamburg verbleiben. Die Detailverhandlungen hierüber laufen derzeit zwischen Nigeria und Hamburg.

Die feierliche Vertragsunterzeichnung zur Rückgabe der Benin-Bronzen ist für Mitte Dezember geplant. Dann soll der Generaldirektor der nigerianischen National Commission for Museums and Monuments, Abba Isa Tijani, nach Hamburg kommen.

„Mit der Restitution ihrer Benin-Sammlung hat die Freie und Hansestadt Hamburg ein wichtiges Zeichen in der Aufarbeitung ihres kolonialen Erbes gesetzt“, sagte Museumsdirektorin Barbara Plankensteiner, die sich auch als Co-Sprecherin der Benin Dialogue Group jahrelang für die Rückgabe eingesetzt hat. Sie rechne damit, dass rund ein Drittel der Kunstwerke als Dauerleihgaben in Hamburg bleiben können.

Anfang Juli hatten Deutschland und Nigeria den Weg freigemacht für die Rückführung in der Kolonialzeit geraubter Kunstobjekte. Mit einer „Gemeinsamen Erklärung zur Rückgabe der Benin-Bronzen“ wurde ein Rahmen geschaffen, wie die Eigentumsrechte an den wertvollen Stücken von deutschen Museen an Nigeria übertragen werden können. Die größte Sammlung des Ethnologischen Museums in Berlin ist bereits übertragen, im Humboldt Forum werden noch etwa 40 Stücke als Leihgaben gezeigt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+