Der Rock'n'Roll Survivor Black Country Communion veröffentlichen ihr zweites Album "2"

Ex-Deep-Purple-Mann Glenn Hughes kehrt mit Black Country Communion zurück in die internationale Rockliga.
10.06.2011, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Diehl

Ex-Deep-Purple-Mann Glenn Hughes kehrt mit Black Country Communion zurück in die internationale Rockliga.

Das Gespräch mit Glenn Hughes in München ist noch keine Minute alt, schon steckt man knöcheltief in der Rockgeschichte. Auf die eher unverbindlich gemeinte Eingangsfrage, ob sich der Mann in der bayrischen Landeshauptstadt wohlfühle, antwortet dieser fast euphorisch: "Klar! Wir haben hier zwei Deep-Purple-Platten aufgenommen." Der Grund seines Besuchs jedoch ist nicht die Band, mit der er heute noch unmittelbar in Verbindung gebracht wird. Nein. Es geht um Black Country Communion. Diese sogenannte "Supergruppe" um den Bassisten und Sänger Hughes, den Gitarristen Joe Bonamassa, Drummer Jason Bonham und Keyboarder Derek Sherinian steht mit ihrem zweiten Wurf in den Startlöchern.

Aufgeräumt und ernsthaft wirkt der 59-Jährige, als er anhebt, um seine Begeisterung für das schlicht "2" benannte Album und die Figuren hinter ihm zum Ausdruck zu bringen. Das Album sei nicht sein Werk, "sondern das der Band". Wobei er seine Rolle durchaus selbstbewusst definiert: "Das Rückgrat dieses Albums wurde von mir geschrieben", erklärt er. "Ich bin ein Songwriter. Klar: Ich spiele immer noch gerne live. Aber ich will keine 300 Shows pro Jahr geben, das wäre zu viel für mich. Also ist meine wirkliche Leidenschaft, euch meine Songs zu geben. Meine Songs mit der Öffentlichkeit zu teilen." Er spricht die Worte bedächtig, seine Hände unterstreichen den Akt des Gebens.

Sein feststellbares Sendungsbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Die Funkrock-Band Trapeze machte ihn bekannt, Deep Purple berühmt. Er "schwamm in Funk und Soul", arbeitete mit The KLF. Und nicht umsonst trägt er den Beinamen "The Voice Of Rock". Sieht er diesen angesichts seiner musikalischen Flexibilität nicht als Beschränkung? "Ich werde von den Medien seit 20 Jahren so genannt. Und es ist mir eine Ehre. Die Leute nehmen das ernst. Dio ist 'The Voice Of Metal', Rob Halford der 'Metal God', James Brown der 'Godfather Of Soul'. Es gibt immer wieder solche Bezeichnungen. Aber ja, ich habe viele verschiedene Stimmen." Wobei er keinen Zweifel an seiner jetzigen Mission lässt. "Ich melde mich in der Maske des Rockers zurück. Lasst uns aufhören, die Leute zu irritieren. Lasst uns Glenn Hughes als den Mann sehen, den wir sehen wollen: als Rocker."

"2" ist ein Bekenntnis zur Marschrichtung einer Band, die 2010 mit ihrem Debüt erstmals auf der Bildfläche erschien. Ein beachtliches Arbeitstempo legt das Quartett an den Tag - zumindest für heutige Verhältnisse: "In meiner Generation wurden alle zehn Monate Platten fertig gestellt. Aber der Grund, warum wir im Zeitraum von einem Jahr zwei Alben veröffentlichen, ist der, dass wir auf Tour gehen werden. Wir wollten die Möglichkeit haben, auf Songs von zwei Alben zurückgreifen zu können. Wir wollen die Band etablieren. Supergruppen lösen sich oft nach der ersten Platte wieder auf."

Er nimmt das oft strapazierte Wort selbst in den Mund: Supergruppe. Led Zeppelin, Foreigner, Dream Theater, Deep Purple, Black Sabbath, Alice Cooper - die älteren Mitglieder der Black Country Communion inklusive ihres Produzenten Kevin Shirley (der laut Hughes eine "massive Rolle" spielte) haben Erfahrung mit prominenten Rockbands, während Bonamassa mitten in seinen Dreißigern bereits als "Gitarren-Legende" gehandelt wird.

Und Glenn Hughes klingt, als ob er nie älter geworden wäre. Sein Geheimrezept jedoch ist simpel: "Ich gebe auf mich acht. Schlafe genug, sodass meine Stimme ausgeruht ist. Keine Zigaretten, kein Alkohol, keine Drogen. Und ich habe ein angenehmes Gefühl beim Singen, keine Angst davor. Viele Sänger wirken angespannt. Wenn ich singe, muss ich dafür nicht sehr viel Energie abgeben. Ich bin klassisch trainiert. Ich wärme mich auf und mache meine Übungen. Aber ja, ich kann mich glücklich schätzen. Manchmal kratze ich mich am Kopf und frage mich: 'Warum singe ich besser als je zuvor?'". Eine der Antworten darauf gibt er gleich selbst: "Es ist wichtig, konzentriert und klar bei der Sache zu sein."

Hughes, der erst kürzlich seine Autobiografie veröffentlichte, weiß, wovon er spricht. Schließlich ist auch er ein von Drogenexzessen gebrandmarktes Kind. Er rappelte sich jedoch wieder auf, erarbeitete sich eine neue Solokarriere: "Viele Leute glaubten, ich würde nie mehr zurückkommen. Der größte Erfolg ist für mich kein finanzieller mehr. Es ist nicht das Geld. Der größte Erfolg ist, dass ich von Drogen und Alkohol losgekommen bin."

Dan McCafferty und Pete Agnew von Nazareth sprachen einmal davon, dass sie heutzutage jeden Tag ihres Lebens als Bonus sehen würden. Eine Aussage, der Hughes nur zustimmen kann. "Das hörte ich vor 25 Jahren schon Eric Clapton sagen. Ich habe viele enge Freunde, die berühmt sind und denselben Mist durchmachten wie ich. Ozzy zum Beispiel. Oder Steven Tyler. Die Leute fragen mich: 'Wie kannst du so singen, nachdem du all dies üble Zeug gemacht hast?' Wichtiger aber ist: 'Wie kann ich hier sitzen und mich mit dir unterhalten? Vor 20 Jahren konnte ich kaum reden, war paranoid und wog 30 Kilo mehr'. Du musst eines wissen: Die Geschichte von Glenn Hughes ist eine sonderbare. Ich bin ein Überlebender." Er beugt sich vor, betont jede Silbe: "Ich bin ein Rock'n'Roll-Survivor".

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