Der Schatz unter Borkum Warum die ostfriesische Insel ein Wassermuseum bekommt

Seit mehr als 100 Jahren thront der mächtige Borkumer Wasserturm auf einer hohen Düne unweit des Nordstrandes. In Betrieb ist der Turm nicht mehr – nun soll er aber eine neue Verwendung erhalten.
26.07.2022, 10:22
Lesedauer: 2 Min
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Von Lennart Stock

Der markante Backsteinbau gilt als eines der Wahrzeichen der Insel. Doch mit Wasser versorgt das Bauwerk Borkum schon seit 1979 nicht mehr. Seitdem stehe der Turm wie eine „verlassene Schachfigur auf der Düne“, sagt Werner Tapper. Er ist Vorsitzender des Vereins „Watertoorn Börkum“. Tapper und rund 500 weitere Vereinsmitglieder wollen dem „Watertoorn“ wie er auf Plattdeutsch heißt, ein neues, zweites Leben schenken und auf einen „Schatz“ unter der Insel aufmerksam machen.

„Das Ziel war es immer, den Wasserturm mit Leben zu füllen“, erzählt Tapper. Der Verein rettete den Turm 2007 vor einem Verkauf an einen Investor, der dort Ferienwohnungen einrichten wollte. „Wir wollten den Wasserturm für Borkum erhalten“, sagte Tapper. Der Verein hat ihn nun für rund 50 Jahre gepachtet, mit dem Ziel, das Baudenkmal wieder herzurichten, ihn für Insulaner und Gäste zu öffnen – und eine Bildungsstätte rund um das Thema Trinkwasser einzurichten. „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, das Thema Trinkwasser in den Köpfen bewusst zu halten“, sagt Vereinsmitglied Gregor Ulsamer.

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Denn während es auf dem Festland vielen selbstverständlich scheint, dass klares Leitungswasser aus dem Hahn kommt, wissen die Insulaner um die Kostbarkeit des Lebensmittels. Auf die Güte ihres Trinkwassers sind die Borkumer stolz. „Wir haben eine Wasserqualität, die als Referenzwasser für Vergleiche genutzt wird“, berichtet Ulsamer. Wasser im Supermarkt zu kaufen, komme für Insulaner nicht in Frage.

Der Grund für die gute Qualität liegt in bis zu 60 Metern Tiefe unter der Insel. Dort liegt laut den Mitgliedern des Wasserturm-Vereins der „wahre Schatz“ der Insel. Denn obwohl die Insel von salzigem Nordseewasser umgeben ist, macht eine Süßwasserlinse Borkum bei der Trinkwasserversorgung unabhängig. Alle sieben Ostfriesischen Inseln verfügen über solche Süßwasserlinsen, die sich aus versickerndem Regenwasser bilden.

Dünen halten salzige Nordseewasser ab

„Süßwasser ist leichter als Salzwasser. Entsprechend schwimmt das Süßwasser wie ein Fettauge auf dem Salzwasser, das die Inseln umgibt“, erklärt der Sprecher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV), Gunnar Meister, das Prinzip. Die Sandschichten der Dünen, auf die der Regen fällt, filtern das Wasser auf natürliche Weise. Da auf den Inseln Einträge aus Industrie oder Landwirtschaft fehlen, kann hochwertiges Trinkwasser gewonnen werden.

Mit Brunnen werde das Wasser abgeschöpft und in Wasserwerken aufbereitet, erklärt Meister. Auf Borkum übernehmen das die Stadtwerke. Der OOWV ist für die Trinkwasserversorgung auf den Inseln Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge zuständig. Wobei die Süßwasserlinsen nur auf Langeoog und Spiekeroog mächtig genug sind, um angezapft zu werden. Baltrum und Wangerooge werden über Wasserleitungen vom Festland versorgt, sie können zur Not aber auch auf ihre Süßwasserlinsen zurückgreifen. Um die Süßwasserreservoirs zu schützen, achten die Insulaner genau auf den Zustand ihrer Dünen. Sie halten bei Sturmfluten das salzige Nordseewasser ab, das sonst ins Inselinnere zu schwappen droht und Brunnen verunreinigen könnte.

Wechselspiel der Natur

Zur Hochsaison, wenn besonders viel Wasser verbraucht wird, schrumpfen die Süßwasserlinsen, im Winter dagegen füllen sie sich bei vielen Niederschlägen wieder auf. Ein Wechselspiel, das seit mehr als hundert Jahren auch auf Borkum funktioniert.

Mit dem aufkommenden Bädertourismus und steigenden Einwohnerzahlen entschied sich Borkum um 1900 eine professionelle Trinkwasserversorgung aufzubauen – samt Wasserturm. Mit dem riesigen Tank in dem rund 30 Meter hohen Turm wurden alle Häuser mit einem konstanten Wasserdruck versorgt. Rund sieben Jahrzehnte lief das so. Heute versorgen zwei Wasserwerke die rund 5000-Einwohner-Insel.

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