Kommentar

Brutaler Tyrann

Felix Lee zur Lage in Nordkorea Mit seinen Pausbacken und seinen wahrscheinlich noch nicht einmal 30 Jahren wirkt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un fast ein wenig drollig. Zu diesem Eindruck trägt bei, dass der Diktator sich gerne in einem Vergnügungspark in einer Achterbahn ablichten lässt oder auf einer Gala mit Micky Maus.
14.12.2013, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Brutaler Tyrann
Von Felix Lee

Felix Lee

zur Lage in Nordkorea

Mit seinen Pausbacken und seinen wahrscheinlich noch nicht einmal 30 Jahren wirkt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un fast ein wenig drollig. Zu diesem Eindruck trägt bei, dass der Diktator sich gerne in einem Vergnügungspark in einer Achterbahn ablichten lässt oder auf einer Gala mit Micky Maus. Doch der Eindruck täuscht. Auch mit Baby-Kim ist nicht zu spaßen.

Spätestens mit der Hinrichtung seines eigenen Onkels zeigt der junge Kim, dass er seinem Vater und Großvater in nichts nachsteht. Passt ihm was nicht, schwingt auch er gleich die ganz große Keule. Schon Vater Kim Jong Il und Großvater Kim Il Sung kannten keine Skrupel und entledigten sich ihrer politischen Gegner, indem sie sie in Gulags warfen oder gleich niederschießen ließen. Dass der junge Kim nun mit Jang Song Thaek seinen eigenen Onkel hinrichten ließ, ist schlicht darauf zurückzuführen, dass er ihm zu einflussreich geworden war.

Jang war keineswegs nur irgendwer. Abgesehen von der familiären Verbindung war der angeheiratete Onkel auch zweithöchster Befehlshaber der Armee, mächtigstes Mitglied im Politbüro und wichtigster Drahtzieher, wenn es um die Beziehung zu China ging, Nordkoreas Geldgeber. Jangs Einfluss war für Kim nicht nur eine Unterstützung – der junge Machthaber empfand ihn zunehmend als Bedrohung. Nun hat sich Kim dieser potenziellen Gefahr entledigt.

Die Exekution seines Onkels und anderer Mitglieder der alten Garde ist daher kein Zeichen von Instabilität in Nordkorea. Im Gegenteil: Kim sitzt fester im Sattel denn je. Seit seiner Machtübernahme vor knapp zwei Jahren hat er mehr als die Hälfte aller Führungskader abgesägt und sie ersetzen lassen durch Ja-Sager aus den eigenen Reihen. Von den sieben Männern, die ihn im Dezember 2011 am Leichenwagen seines Vaters begleiteten, sind fünf tot oder sitzen im Arbeitslager.

Kim Jong Un mag zwar harmlos wirken. Tatsächlich aber ist er ein brutaler Tyrann, der seinem eigenen Land und der Welt leider noch viele Jahre erhalten bleiben wird.

politik@weser-kurier.de

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