Ein Star alter Schule Burt Reynolds wird am 11. Februar 75 Jahre alt

Ende der 70-er, Anfang der 80-er war er einer der begehrtesten Schauspieler Hollywoods. Der ehemalige Footballspieler, Stuntman und Abenteurer Burt Reynolds wird 75 Jahre alt.
07.01.2011, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Eric Leimann

Ende der 70-er, Anfang der 80-er war er einer der begehrtesten Schauspieler Hollywoods. Der ehemalige Footballspieler, Stuntman und Abenteurer Burt Reynolds wird 75 Jahre alt.

Männer wie Burt Reynolds, in den späten 70-ern und frühen 80-ern Gagenkönig von Hollywood, gibt es heute nicht mehr. Der Sohn eines Halbblut-Indianers schrieb Geschichte auf dem Weg von ganz unten nach oben und wieder zurück. Er ließ sich als erster männlicher Star nackt für ein Magazin fotografieren, kassierte Millionengagen und verlor sie. Er kämpfte mit Drogen und hatte zahllose Liebschaften und Affären. Zu seinen Glanzzeiten genügte es, sich in schnelle Autos zu setzen und dümmlichen Polizisten die Rücklichter zu zeigen. Am 11. Februar wird der legendäre Schnauzbartträger 75 Jahre alt.

Blockbuster wie "Ein ausgekochtes Schlitzohr" (zwei Teile, 1977 und 1980) - beide am Freitag, 11. Februar, im Nachtprogramm der ARD zu sehen - und "Auf dem Highway ist die Hölle los" (1981) prägten eine ganze Generation von Kinogängern. Mittlerweile lebt das Coolness-Idol der Jahre um 1980 vor allem von der ironischen Selbstbetrachtung seines eigenen Images.

Der am 11. Februar 1936 geborene Sohn eines Halbblut-Indianers und Polizisten war auf dem Weg zum Football-Star, ehe Verletzungen eine hoffnungsvolle Profikarriere verhinderten. Die Schauspielerei entdeckte der dunkelhaarige Muskelmann als Alternative zum Rampenlicht des Sports. Er spielte Theater in New York, arbeitete als Stuntman und machte mit Rollen in Italo-Western in den späten 60-ern auf sich aufmerksam. 1972 gelang ihm der Durchbruch mit John Boormans verstörendem Filmmeisterwerk "Beim Sterben ist jeder der Erste". Reynolds spielte darin einen Naturburschen und harten Hund, der seine Wohlstandsfreunde - unter anderem Jon Voight - durch einen traumatisch düsteren Abenteuer-Trip in die amerikanische Wildnis führt. Sein Image des coolen, harten Mannes war geboren.

Mit einer erkalteten Zigarre zwischen den blendend weißen Jacketkronen, den gestählten Körper lasziv auf einem Bärenfell räkelnd, posierte Burt Reynolds im gleichen Jahr nackt für die US-Zeitschrift "Cosmopolitan". In seinen besten Jahren während der späten 70-er und frühen 80-er, als er die bis dahin höchsten Gagen kassierte, lagen ihm trotz Oberlippenbartes die Frauen zu Füßen. Und die Männer, vor allem das junge Mainstream-Publikum, wollten so sein wie er - Burt Reynolds, der coole Typ mit dem Cowboyhut und dem verschmitzt breiten Grinsen darunter.

1984 begann der Abstieg, als ihm bei Aufnahmen zu "City Heat" ein Stuntman versehentlich statt des präparierten einen richtigen Stuhl ins Gesicht schlug. "Monatelang musste ich einen Spezialisten aufsuchen, der meinen Kiefer reparierte. Mit Arbeit war nichts. Tagsüber lag ich zusammengerollt wie ein Embryo auf dem Bett, nachts starrte ich die Flasche an. Ich wurde süchtig nach Schlaftabletten." Zuerst blieben die Freunde aus, dann die Rollen.

Burt Reynolds, der John Wayne zu seinen Vorbildern zählt, lebte in teuren Häusern, besaß angeblich über 50 Autos. In den Folgejahren wurde er nach unten durchgereicht. Ein Film nach dem anderen floppte, es folgten Offenbarungseide, ruinöse Scheidungen, AIDS-Gerüchte, und am Ende hatte er sogar mehr Haare auf der Brust als auf dem Kopf. Doch das war noch das geringste Übel und konnte schnell durch ein Toupet vertuscht werden.

Die berufliche Krise hielt an, bis ihm Mitte der 90-er ein kleines Comeback als schleimiger Gouverneur in "Striptease" an der Seite von Demi Moore gelang. Auch, wenn der Film an den Kassen unterging und vielfach zum "schlechtesten Movie der 90-er" gekürt wurde - Burt Reynolds war wieder da. 1998 beeindruckte sein Spiel in Paul Thomas Andersons genialem Kultfilm "Boogie Nights" auch die Kritiker. Reynolds verkörperte den Pornoproduzenten Jack Horner, er gewann den Golden Globe und eine Oscar-Nominierung. "Ich bin öfter aus der Asche auferstanden als der alte Phönix", sagte Reynolds damals. Danach zog er, als gingen ihn die Millionenforderungen seiner Gläubiger nichts an, wieder in eine Nobelvilla in Los Angeles.

Heute lebt Reynolds, der einen 22-jährigen Adoptivsohn aus der fünfjährigen Ehe mit Schauspielerin Loni Anderson hat, weitgehend von Kurzauftritten und der Vermarktung seines Images als Stilikone vergangener Jahre. Zuletzt im Herbst 2010, als er einen toughen Geheimagenten aus Zeiten des Kalten Krieges in der US-Fernsehserie "Burn Notice" verkörperte. Doch auch sein wechselvolles Privatleben geriet wieder in die Schlagzeilen. 2009 musste sich Reynolds nach einem Zusammenbruch wegen Schmerzmittel-Abhängigkeit in eine Entzugsklinik begeben, im Frühjahr 2010 folgte eine schwere Bypass-Operation am offenen Herzen.

Danach gab der Patient bald wieder Interviews: Er fühle sich prächtig und so stark, als könne er Bäume ausreißen. Seinem Image als Vorzeige-Amerikaner der alten Schule, den Macho-Allüren, der gierigen Lebenslust und dem nicht enden wollendem Optimismus, wird Burt Reynolds auch mit 75 Jahren wohl nicht abschwören.

Die ARD zeigt drei Burt Reynolds-Filme zu Ehren des Schauspielers: Die Highway-Komödien "Ein ausgekochtes Schlitzohr" (11.2., 1.50 Uhr) und "Ein ausgekochtes Schlitzohr ist wieder auf Achse" (11.2., 2.55 Uhr) sowie den Sam Fuller-Streifen "Hai" von 1969 am 12.2. um 2.00 Uhr.

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