Gesundheit Cholera breitet sich in Haiti aus - Fast 200 Tote

Port-au-Prince. In Haiti grassiert die Cholera. Neun Monate nach dem verheerenden Erdbeben im Januar sind nach offiziellen Angaben fast 200 Menschen an der gefährlichen Infektionskrankheit gestorben. In den Krankenhäusern kämpften mehr als 2500 Menschen gegen Durchfall, Fieber und Erbrechen.
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Port-au-Prince. In Haiti grassiert die Cholera. Neun Monate nach dem verheerenden Erdbeben im Januar sind nach offiziellen Angaben fast 200 Menschen an der gefährlichen Infektionskrankheit gestorben. In den Krankenhäusern kämpften mehr als 2500 Menschen gegen Durchfall, Fieber und Erbrechen.

Die Regierung rief am Freitagabend (Ortszeit) den Notstand aus. Internationale Hilfsorganisationen versuchen, eine Epidemie zu verhindern. In der Bevölkerung kam es nach Augenzeugenberichten zu Panikreaktionen, die Menschen stürmten Krankenhäuser und Hilfseinrichtungen, um Hilfe zu erhalten. Viele Menschen leiden zudem inzwischen unter Durst, weil sie nicht mehr wie bisher das Wasser aus den Flüssen trinken.

Bei der Cholera handelt es sich nach Regierungsangaben um den besonders gefährlichen Typ O1. Hilfsorganisationen, die seit dem Erdbeben im Land sind, konzentrierten sich auf die überfüllten Obdachlosenlager in der Hauptstadt Port-au-Prince. Sie sind ebenso wie die Hauptstadtregion noch nicht betroffen.

Der Sender Radio Metropole berichtete am Samstagmorgen, die Erkrankungen seien näher an Port-au-Prince herangerückt. So seien in Archahaie 35 Kilometer nördlich der Hauptstadt erste Fälle gemeldet worden. Es war aber nicht klar, ob es sich dabei nicht auch nur um gewöhnliche Durchfallerkrankungen handelt.

Gesundheitsminister Alex Larson appellierte an die Bevölkerung, auf die Hygiene zu achten. In der Küstenstadt Stadt Saint-Marc rund 100 Kilometer nördlich von Port-au-Prince wurden Menschen auf Plätzen notdürftig versorgt. Nach Angaben der Organisation Médecins Sans Frontiéres (MSF) ist das Krankenhaus von Saint-Marc nicht auf die Cholera eingestellt. Um die Cholera-Patienten zu isolieren, werde die MSF ein eigenes Zentrum für die Infizierten einrichten, sagte Koordinatorin Federica Nogarotto.

Regierungschef Jean-Max Bellerive sagte, es stehe noch nicht fest, woher die Cholera-Bakterien stammten. Die Behörden vermuten, dass nach den Regenfällen der vergangenen Wochen Latrinen überliefen und das bakterienverseuchte Wasser in den Fluss Artibonite gelangte. Der erste Cholera-Fall war am vergangenen Dienstag aufgetreten. Die Cholera ist für Haiti eigentlich untypisch. Eine Epidemie hat es in dem Land nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation seit über 100 Jahren nicht gegeben.

In Port-au-Prince setzten sich die internationalen Hilfsorganisationen zusammen, um ihr Handeln abzustimmen. «Unsere Leute gehen in die Lager, um die Menschen über die Cholera aufzuklären», sagte Reginald Lubin, der Hygiene-Experte von World Vision in Haiti. Es werde Seife verteilt und den Menschen erklärt, warum sie sich möglichst oft die Hände waschen müssten.

Aus den Lagern mit den insgesamt rund 1,5 Millionen Bewohnern wurden bisher keine Cholera-Erkrankungen bekannt. Viele Camps gelten als besser versorgt als die verarmten ländlichen Gebiete und verfügen durch die internationale Hilfe in der Regel über sauberes Trinkwasser.

Bei dem Erdbeben am 12. Januar wurden in Port-au-Prince und in der Umgebung weit über 220 000 Menschen getötet. Mehr als eine Million Menschen leben seither auf engstem Raum in Obdachlosenlagern. (dpa)

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