Corona-Pandemie

Curevac-Impfstoffkandidat weniger wirksam als erhofft

Der Corona-Impfstoffkandidat der Tübinger Pharmafirma Curevac galt als vielversprechend. Umso größer ist die Enttäuschung nach der Bekanntgabe neuester Daten zur Wirksamkeit des potenziellen Vakzins.
16.06.2021, 23:45
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von dpa
Curevac-Impfstoffkandidat weniger wirksam als erhofft

Der Corona-Impfstoff von Curevac verfehlt die Wirksamkeitsziele.

Sebastian Gollnow/dpa

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac hat bei der Entwicklung seines Corona-Impfstoffs einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Die Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten CVnCoV fällt einer Zwischenanalyse zufolge deutlich geringer aus als bei anderen bereits zugelassenen Corona-Impfstoffen. Wie das Unternehmen am Mittwochabend in einer Pflichtbörsenmitteilung bekannt gab, zeigt der Impfstoff eine vorläufige Wirksamkeit von 47 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung „jeglichen Schweregrades“. Damit habe er die vorgegebenen statistischen Erfolgskriterien nicht erfüllt.

Für die anderen in der EU verwendeten Impfstoffe sieht der Wert weitaus besser aus. Beim Präparat von Biontech/Pfizer zum Beispiel zeigten Daten aus Israel, dass Menschen mit vollem Impfschutz verglichen mit Ungeimpften eine um mehr als 90 Prozent verringerte Wahrscheinlichkeit für symptomatische Verläufe, also eine Covid-19-Erkrankung, haben.

Der Curevac-Impfstoffkandidat ist schon seit Dezember in der finalen und zulassungsrelevanten 2b/3-Studienphase. Während mehrere Konkurrenten ihre Vakzine auf den Markt gebracht haben, sammelt Curevac nach wie vor Daten. Wann und ob mit der nun bekanntgegebenen Wirksamkeit eine Zulassung des Impfstoffs möglich sein wird, ist unklar.

Lesen Sie auch

Die Bundesregierung hatte den Curevac-Impfstoff Berichten zufolge lange für die zweite Jahreshälfte eingeplant, auf der jüngst vom Bundesgesundheitsministerium veröffentlichten Liste der Lieferplanungen war das Präparat aber nicht aufgeführt. Ein Sprecher des Ministeriums teilte am Donnerstag mit, die Curevac-Mitteilung habe keine Auswirkung auf das Tempo der deutschen Impfkampagne. Zuletzt hatte die Plattform „Business Insider“ berichtet, in internen Lieferprognosen der Bundesregierung habe es noch Ende Mai geheißen, dass von Curevac bis Jahresende eine zweistellige Millionenmenge an Impfstoffdosen erwartet werde.

Der Bund hält auch nach dem Rückschlag bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs an seiner Beteiligung an Curevac fest. „Mit der Beteiligung an Curevac verfolgte und verfolgt die Bundesregierung gesundheits- und industriepolitische Ziele“, erklärte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag. Es gehe nicht nur darum, mehr Impfstoffproduktion in Deutschland und Europa anzusiedeln, sondern auch um Forschungsaktivitäten. Für die mRNA-Technologie, die auch bei den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna zum Einsatz kommt, gebe es vielfältige Anwendungsbereiche, etwa in der Krebsbekämpfung, betonte eine Sprecherin. Der Bund war im vergangenen Jahr über die Aufbaubank KfW mit 300 Millionen Euro bei Curevac eingestiegen. Dabei habe die Bundesregierung allerdings keinen Einfluss auf das operative Geschäft, erklärte die Sprecherin.

Der Börsenwert von Curevac hat sich am Donnerstag mehr als halbiert. Vorbörslich brachen die Titel beim Broker Lang & Schwarz um 56 Prozent ein auf 34,75 Euro. Zuletzt hatte die Firma ihre Aktionäre angesichts der massiven Zeitverzögerung immer wieder vertröstet. Bis Anfang Juni hatte es geheißen, das Unternehmen erwarte - abhängig von den klinischen Studiendaten - die Zulassung seines Impfstoffs in der EU zumindest noch bis Ende Juni. Doch kurz darauf wurde bekannt, dass sich das Verfahren weiter verzögern werde. Im Frühjahr 2020 war ein Chefentwickler für den Corona-Impfstoff für längere Zeit ausgefallen.

Lesen Sie auch

Zur Frage, wie es mit dem bisherigen Impfstoffkandidaten nun weitergehen soll, äußerte sich Curevac in der Mitteilung nicht im Detail. Allerdings lud das Unternehmen „interessierte Parteien“ für Donnerstag (14.00 Uhr) zu einer Telefonkonferenz ein.

Curevac-Vorstandschef Franz-Werner Haas teilte mit, man habe auf stärkere Ergebnisse in der Zwischenanalyse gehofft. Man wolle die laufende Studie aber dennoch bis zur finalen Analyse fortsetzen. „Die endgültige Wirksamkeit könnte sich noch verändern.“

Das Präparat des Tübinger Unternehmens Curevac ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff - wie die von Biontech/Pfizer (Deutschland/USA) und Moderna (USA). Curevac hatte sich im vergangenen Jahr über einen Börsengang in New York sowie mehrmals über Kapitalerhöhungen frisches Geld verschafft und zudem eine Partnerschaft mit dem Leverkusener Pharmariesen Bayer vereinbart. Historisch noch enger verzahnt ist Curevac allerdings mit dem SAP-Mitbegründer und Investor Dietmar Hopp, der nach wie vor einen Großteil der Anteile an dem Unternehmen hält. Hopp sorgte zu Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 für Schlagzeilen, als er überraschend und öffentlichkeitswirksam verkündete, Curevac könne möglicherweise schon im Herbst 2020 einen Corona-Impfstoff liefern. Das blieb ein unerfüllter Wunsch.

Curevac arbeitet bereits in Zusammenarbeit mit dem britischen Pharmaunternehmen Glaxosmithkline an einer zweiten Generation seines Impfstoffs. Diese soll besser vor Virusvarianten schützen und ab dem dritten Quartal 2021 in ersten klinischen Studien getestet werden.

Der Artikel wurde um 13.02 Uhr aktualisiert.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+