Kommentar Das Geschenk

Silke Hellwig zum Handwerker-Steuerbonus Eigentlich hat SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider alles richtig gemacht: Laut aktuellem Gutachten hat der sogenannte Handwerkerbonus nicht gehalten, was man sich einst davon versprochen hat. Der Boden des Handwerks ist nicht goldener geworden, Hausbesitzer wurden nicht von einer umweltfreundlichen Modernisierungswut gepackt, und weiterhin werden Aufträge schwarz erledigt.
04.04.2014, 00:00
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Das Geschenk
Von Silke Hellwig

Silke Hellwig

zum Handwerker-Steuerbonus

Eigentlich hat SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider alles richtig gemacht: Laut aktuellem Gutachten hat der sogenannte Handwerkerbonus nicht gehalten, was man sich einst davon versprochen hat. Der Boden des Handwerks ist nicht goldener geworden, Hausbesitzer wurden nicht von einer umweltfreundlichen Modernisierungswut gepackt, und weiterhin werden Aufträge schwarz erledigt. Dafür entgehen Bund und Ländern Steuereinnahmen in Milliardenhöhe. Nur der Steuerzahler hat allen Grund zur Freude: Der Bonus ist nämlich ein wahres Steuergeschenk, das offenbar so von Herzen kommt, dass keinerlei Gegenleistung nötig ist.

Obendrein hat der Bonus mit der Mehrwertsteuer gemein, dass sich Normalbürgern kaum erschließt, warum Gärtner-, Putz- und Malerarbeiten steuerlich begünstigt werden, andere Dienstleistungen aber nicht. Weder das Kfz-, noch Schneider- oder Friseurhandwerk werden berücksichtigt. Weil sie nicht zur energetischen Modernisierung von Wohnraum beitragen? Nun ja, bei Putz- und Gärtnerarbeiten sollte man damit auch nicht rechnen.

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Experten den Bonus infrage stellen: 2011 hatte der Bundesrechnungshof angemahnt, dass er kaum Vorteile für die Wirtschaft, aber handfeste Nachteile für den Fiskus hat. Auf ein drittes Urteil wird man wohl verzichten können. Denn trotz allem haben weder SPD-Chef Sigmar Gabriel, noch die Union oder das Bundesfinanzministerium Lust dazu, die Subvention zu streichen. Das mag auch daran liegen, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble einen Haushalt verantwortet, der im nächsten Jahr ohne neue Schulden auskommt. Wobei darüber hinweggegangen wird, dass eine Schuldenlast in Billionenhöhe auf der Republik lastet und es zudem in einigen Ländern ganz anders aussieht, allen voran in Bremen und Berlin.

Tatsächlich fehlen der Bundesregierung nicht nur Einnahmen. Vor allem mangelt es ihr an der Courage, den Wählern ein Geschenk aus den Händen zu reißen, von dem sie sich nicht so gern trennen mögen.

silke.hellwig@weser-kurier.de

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