Datum ist noch offen Der nächste Lokführer-Streik kommt

Die Lokführergewerkschaft GDL will erneut streiken. Sie nannte aber nach einer Sitzung ihrer Spitzengremien in Frankfurt kein Datum.
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Deutschlands Bahnfahrer müssen sich erneut auf Lokführerstreiks einstellen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) erklärte am Montag, das jüngste Vorgehen der Deutschen Bahn im Tarifstreit "provoziert weitere Arbeitskämpfe". Diese würden "rechtzeitig" angekündigt - genaue Termine oder Zeiträume nannte die GDL nicht.

Nach Darstellung der Bahn war am Wochenende eine Einigung in greifbarer Nähe gewesen. Beide Seiten bestätigten, dass es in den vergangenen Tagen erneut Verhandlungen gab. Laut der Bahn stand eine Einigung unmittelbar bevor. Noch am Sonntagmorgen habe es "keinerlei Zweifel" an einer greifbar nahen Lösung gegeben. Doch dann habe die GDL die Gespräche "kurz vor Unterzeichnung einer Lösung für den Tarifkonflikt völlig überraschend platzen lassen". Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber erklärte: "Eine gute Zukunftslösung ist erneut an reinen Machtfragen gescheitert."

Die GDL-Spitze und Konzernvertreter hatten laut Bahn in mehr als zehnstündigen Gesprächen gemeinsam ein neues Verfahren entwickelt. Damit sollte die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten. Gleichzeitig sollte die Regelung unterschiedliche Tarifverträge für eine Berufsgruppe vermeiden.

Fahimi kritisiert die GDL

Bislang werden die Zugbegleiter von der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten. Auf Wunsch der GDL sei der Vorschlag aufgenommen worden, dass GDL und EVG künftig parallel mit der Bahn verhandeln, und zwar zur selben Zeit am selben Ort, erklärte der Konzern. Die GDL teilte hingegen am Montagnachmittag mit, die Bahn habe versucht, der Gewerkschaft "die Nichtzuständigkeit für einen Teil ihrer Mitglieder" und einen Verzicht auf das Streikrecht zu diktieren. Die GdL-Gremien seien nicht bereit, "die Interessen ihrer Mitglieder zu verraten, um eine Scheinzuständigkeit für Zugbegleiter zu akzeptieren".

Hauptvorstand und Tarifkommission der GdL hätten den Tarifvertragsentwurf daher einstimmig abgelehnt. Wegen des Dauerstreits mit der Bahn hatte die Lokführergewerkschaft im Oktober mehrfach den Personen- und Güterverkehr lahmgelegt. Sie fordert unter anderem fünf Prozent mehr Lohn und eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit. Es geht aber auch darum, dass die Gewerkschaft mit der Bahn über sämtliche Berufsgruppen verhandeln will - nicht nur über die Lokführer. Die EVG erhebt ebenfalls den Anspruch, für alle Mitarbeiter Tarifgespräche zu führen.

SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi kritisierte am Montag in Berlin, die GdL tue der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland "keinen Gefallen" und begebe sich "in eine schwierige Ecke". Das Verhalten der Lokführerorganisation sei für sie "nicht mehr nachvollziehbar", sagte Fahimi.

Die längsten Streiks der GDL

Im laufenden Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL bislang schon fünf Mal zum Streik aufgerufen. Der Güterverkehr wurde 61 Stunden lang bestreikt, der Personenverkehr 50 Stunden. Etwa zwei Drittel der Züge fielen aus. Dieser Ausstand war einer der längsten, seit die Bahn AG 1994 gegründet wurde.

Zwei andere Streiks waren ähnlich umfangreich. Im November 2007 führte ein langer Tarifkonflikt zur bis dahin umfangreichsten Arbeitsniederlegung in der Geschichte der Deutschen Bahn. Die GDL stoppte im November bundesweit den Güterverkehr 62 Stunden. Der Personenverkehr wurde für 48 Stunden bestreikt. Im April 2011 begann bei den größten Konkurrenten der Deutschen Bahn ein 60-stündiger Streik. Die GDL wollte damit höhere Einkommen für die etwa 6000 Lokführer der Bahn-Wettbewerber Abellio, Netinera, Benex, Veolia und Hessische Landesbahn durchsetzen. (afp/jco)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+