USA «Deutschland ist cool»: Steuben-Parade in New York

New York. So deutsch ist nicht mal Deutschland - höchstens beim Fußball. New York hat seine Steuben-Parade gefeiert und damit auch das Land, in dem Millionen von Amerikanern ihre Wurzeln haben.
26.09.2010, 13:10
Lesedauer: 2 Min
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New York. So deutsch ist nicht mal Deutschland - höchstens beim Fußball. New York hat seine Steuben-Parade gefeiert und damit auch das Land, in dem Millionen von Amerikanern ihre Wurzeln haben.

Zehntausende haben am Samstag bei strahlendem Sonnenschein auf der Fifth Avenue mitgefeiert, mitgeschunkelt oder sogar mitgejodelt und die Parade der mehr als 5000 Teilnehmer bejubelt. Doch etwas ist mittlerweile anders: Neben Trachten und Volkstänzen zeigen die Deutschamerikaner heute ein modernes Deutschland.

Ein Bild sagt mehr als 1000 Imagebroschüren: Auf einem Wagen fuhr das Brandenburger Tor mit - mit Solarzellen statt der Quadriga. «Deutschland wird mit modernen Technologien und modernem Umweltschutz verbunden. Das ist natürlich ein Image, dass wir gern aufnehmen», sagt Horst Freitag. Der deutsche Generalkonsul ließ am Straßenrand gleich noch Energiesparlampen aus Gummi verteilen - knautschige Werbung für Umweltschutz und Deutschland.

Wie viele Deutschstämmige in New York wohnen, weiß nicht einmal der Generalkonsul. «Aber es sind Zehntausende. Und in den ganzen USA mehrere Dutzend Millionen.» Bei der Volkszählung gaben 26 Prozent der Amerikaner an, deutsche Wurzeln zu haben.

Lebensfreude zählte bisher nicht zu den positiven Werten, mit denen man die Deutschen verbindet. Entsprechend war die deutsche Parade auch kleiner als die der Iren und weniger ausgelassen als die der Puerto Ricaner. Aber sie wird moderner, sagt Lars Halter, General Chairman der Parade und damit ihr Organisator. «Die Steuben-Parade war lange von den Einwanderern geprägt, die nur noch das Deutschland der Fünfziger kennen. Wir wollen weg von den Heimatfilmen und das moderne Deutschland zeigen.»

Das Bild prägen trotzdem die Trachten und die Spielmannszüge, die zum Teil extra über den Atlantik geflogen kommen. «Wir mögen ja auch Trachten», sagt Halter. «Aber in Deutschland rennt nun mal nicht jeder in Lederhosen rum.» Trotzdem ist das Oktoberfest im Central Park nach der Parade einer der Höhepunkte im deutschamerikanischen Leben. «Man sieht andere Länder nun mal vor allem über Klischees», sagt der 36-Jährige. «Und die über Deutschland sind Bayern und Hitler. Dann verstärke ich doch lieber das positive Klischee.»

«Der Zweite Weltkrieg ist natürlich in den Köpfen noch präsent», sagt Generalkonsul Freitag. Nicht umsonst ist die Holocaust- Überlebende Ruth Westheimer («Dr. Ruth») Schirmherrin der Parade. «Aber es haben sich längst andere Bilder nach vorn geschoben: Moderne Technologie, Umweltschutz, Sport.» Das Deutschlandbild wird von Ballack und Mercedes, weniger von Hitler und Wehrmacht geprägt. Allerdings auch nicht von Schiller und Goethe.

«Aber wir erscheinen als wirklich modernes Land. Gerade Berlin hat das Bild verbessert. Die New Yorker betrachten die deutsche Hauptstadt als europäische Variante von New York: Modern, vielfältig und vor allem offen.» Deshalb würden auch immer mehr junge Amerikaner Berlin als Ziel ihrer Europareise wählen oder sogar dort studieren. «In einem Satz gesagt: Deutschland ist cool geworden.» (dpa)

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