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"Aufbruch zum Mond": Damien Chazelle porträtiert Neil Armstrong

Aliki Nassoufis 07.11.2018 0 Kommentare

Auf dem Weg in unendliche Weiten: Ryan Gosling als Neil Armstrong.
Auf dem Weg in unendliche Weiten: Ryan Gosling als Neil Armstrong. (Universal Pictures / dpa)

Mit seinem Musical „La La Land“ stieg der junge Regisseur Damien Chazelle vor knapp zwei Jahren zum neuen Superstar in Hollywood auf. Der Film mit Emma Stone und Ryan Gosling verzauberte nicht nur Millionen Zuschauer weltweit. „La La Land“ gewann auch zahlreiche Preise, darunter sieben Golden Globes und sechs Oscars. So ein Erfolg lässt sich natürlich nicht beliebig wiederholen. Und doch könnte Chazelle auch mit seinem neuen Film erneut auf Oscar-Kurs gehen: „Aufbruch zum Mond“ zählt bereits zu den heißen Favoriten für die Nominierungen.

Für „First Man“, wie das Werk im englischen Original heißt, arbeitete Chazelle wieder mit Ryan Gosling zusammen. Der spielt darin den Weltraumpionier Neil Armstrong, der im Juli 1969 als erster Mensch den Mond betrat. „Aufbruch zum Mond“ erzählt von den immensen Anstrengungen, die dieses Vorhaben für ihn und sein Team mit sich brachte.

Im Mittelpunkt aber steht Armstrong selbst. Wie er seine kleine Tochter verlor, sich in die Arbeit stürzte und welche Folgen das riskante Weltraumprogramm für seine Ehe hatte.

Ryan Gosling verkörpert den Astronauten als etwas wortkargen, introvertierten Abenteurer, der sich fast schon stoisch seinen Herausforderungen stellt und den Gefahren nicht ausweicht. „Das Laufen auf dem Mond ist der einfache Teil“, sagt er einmal über die Mission, bei der so viel schief gehen kann. Schließlich müssen alle technischen Finessen erst noch entwickelt und optimiert werden, vom Antriebssystem bis zum Mondfahrzeug.

Eingepfercht und angespannt

„Aufbruch zum Mond“ wird dabei zu einer faszinierenden Verneigung vor der Leistung aller Beteiligten. Regisseur Chazelle nimmt das Publikum quasi mit in die Kapsel einer Rakete, wo die Astronauten eingepfercht und angespannt auf ihren Start warten – und lässt dann die Leinwand förmlich beben, genauso wie die Raketen damals durchs All geschossen sein müssen.

Die Raumfahrer werden beim Start wild hin- und hergeschleudert, und in der Kapsel dröhnt und quietscht es, als würde sie wie eine Blechbüchse jeden Moment auseinanderplatzen. Aus heutiger Sicht mag das lebensmüde wirken, macht aber gleichzeitig auch eindrucksvoll die Gefahren und Verdienste deutlich.

Die zweite große Leistung des gerade einmal 33-jährigen Chazelle ist, dass er die Person hinter der Legende zeigt. Den Mann, der als erster Mensch auf dem Mond in die Geschichtsbücher einging. In enger Zusammenarbeit mit Armstrongs Familie porträtiert er einen gebrochenen Familienvater, der nach dem Tod seiner Tochter erst in die Arbeit und dann möglichst weit weg flieht (und fliegt). Nicht nur Gosling ist hier als Hauptdarsteller sehenswert, auch Claire Foy als seine Ehefrau. In nur wenigen Szenen verleiht die Britin – bekannt aus der Netflix-Serie „The Crown“ – ihrer Rolle emotionale Tiefe.

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Sie zeigt, wie hilflos und zugleich stark diese Frau im Hintergrund war, die sich trotz der Sorge um ihren Mann um zwei weitere Kinder kümmerte. „Ihr seid ein Haufen Jungs“, schreit sie die Forscher an, „ihr habt nichts unter Kontrolle!“ Darüber hinaus bettet Chazelle den Wettlauf zum Mond in einen gesellschaftlichen Kontext ein.

Das Klagelied eines Afro-Amerikaners reicht dabei, um die Absurdität der Situation zu verdeutlichen: Während die USA in der Bürgerrechtsbewegung stecken, Schwarze um ihre grundlegendsten Rechte kämpfen und viele Menschen unter Armut leiden, werden unzählige Millionen Dollar für das Prestigeprojekt im Kalten Krieg ausgegeben.

US-Präsident Donald Trump will den Film nicht sehen

Ganz andere Kritik hingegen sorgte vor Kurzem für Schlagzeilen. Denn Chazelle bläht die Geschichte nicht zu einem patriotischen Heldenwerk auf, sondern inszeniert die Mondlandung als einen sehr persönlichen, stillen Moment für Armstrong. Deswegen wird bei ihm auch keine US-Fahne effektvoll in den Boden des Mondes gerammt – genau das gefiel vielen Amerikanern jedoch nicht, darunter Präsident Donald Trump.

Der verkündete, er wolle den Film nicht sehen. Das ist schade für ihn. Dem Film aber tut genau diese Darstellung gut: Er würdigt die Mondlandung als Meilenstein für die Menschen, unabhängig von der Nationalität.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
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