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Eine Welt ohne die Beatles

Alexandra Knief 09.07.2019 0 Kommentare

Als Jack Malik (Himesh Patel) seinen Freunden
Als Jack Malik (Himesh Patel) seinen Freunden "Yesterday" vorspielt, denken alle der Song sei von ihm. Niemand außer ihm erinnert sich noch an die Beatles. (Jonathan Prime/dpa)

„Das ist das Ende unserer long and winding road!“, stellt Jack Malik (Himesh Patel) ein für alle mal klar! Er will nicht mehr. Er gibt auf. Zu lange schon spielt er auf Bühnen, vor denen kein Publikum steht, zu lange schon singt er seine Songs in kleinen Kneipen oder zu Hause vor Freunden – und selbst einige von denen heucheln nur Interesse an seiner Musik, weil sie ihn mögen. Jack muss es einsehen: er scheint einfach kein guter Songwriter zu sein. Einzig seine gute Freundin und Managerin Ellie (Lily James) glaubt an Jack und seine Musik. „Wunder geschehen“, sagt sie immer wieder, und motiviert ihren Freund, weiter an sich zu glauben. Und sie soll Recht behalten.

Eines Nachts fällt auf der ganzen Welt für zwölf Sekunden der Strom aus, und Jack wird von einem Bus angefahren. Dabei verliert er nicht nur sein Bewusstsein, sondern auch zwei Schneidezähne („Ich sehe aus, wie das Gegenteil von einem Kaninchen“). Als er aus dem Krankenhaus kommt, fällt ihm auf, dass sich noch etwas verändert hat: Er scheint der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der die Beatles und ihre Songs kennt. Googelt er die Band, werden ihm nichts weiter als Käfer und Autos angezeigt, gibt er „John and Paul“ in die Suchmaschine ein, erscheint eine Liste an Päpsten, tippt er „Sgt. Pepper“ ein, spuckt Google nur Bilder von Paprika aus. Selbst in seiner Plattensammlung sind die Beatles wie ausradiert.

Stolz präsentiert Matthias Höllings die Eintrittskarte für das Beatles-Konzert in Hamburg. Diesen Abend im Juni 1966 wird der heutige Pressesprecher der Bremer ÖVB-Arena wohl nie vergessen.
Zu seiner Sammlung gehört auch die Goldene Schallplatte vom Beatles-Song
Höllings mit Yoko Ono, Wittwe von Beatle John Lennon, im Jahr 1995. 
Die Beatles waren und sind für Matthias Höllings bis heute eine große Ausnahme in der Popmusik.
Fotostrecke: Das ist die Sammlung eines Bremer Beatles-Fans

Jack wittert seine große Chance und beginnt, alle Melodien und Songs der Fab Four zusammenzutragen, um sie als seine eigenen auszugeben. Gar nicht so einfach, schließlich gibt es nichts mehr, wo er mal kurz reinhören könnte. „Eleanor Rigby“ macht ihm besonders viele Probleme. Was haben Rigby und Father McKenzie da in der Kirche noch getrieben? Er weiß es nicht mehr. Und fährt kurzerhand nach Liverpool, um auf den Spuren von Rigby, der „Penny Lane“ oder den „Strawberry Fields (forever)“ zu wandern.

Oscarreife Filmemacher

Wie wäre eine Welt ohne die Songs der Beatles? Wären die Lieder genauso erfolgreich geworden, wenn man sie erst heute geschrieben hätte? Diesen und weiteren Fragen sind Regisseur Danny Boyle („Slumdog Millionär“, „Trainspotting“) und Drehbuchautor Richard Curtis („Tatsächlich Liebe“, „Notting Hill“) in ihrem Film „Yesterday“ auf den fiktiven Grund gegangen. Eine simple und trotzdem ziemlich originelle Idee. Und was kann schon schief gehen, wenn sich ein oscarprämierter Regisseur und ein für die gleiche Auszeichnung nominierter Drehbuchautor für einen neuen Film zusammentun, der dann auch noch die Musik einer der größten Bands aller Zeiten thematisiert? Richtig, nicht viel. Und im großen und ganzen erfüllt der Film auch die hohen Erwartungen, die schon im Vorfeld an ihn gestellt wurden.

„Yesterday“ ist kein typischer Musikfilm. Zwar spielt die Musik der Beatles eine große und zentrale Rolle, sie wird aber stets nur angespielt. Allgemein reißt der Film viele Thematiken nur an, bleibt hin und wieder etwas zu sehr an der Oberfläche. So lernt der Zuschauer zum Beispiel die Hauptfigur nie wirklich kennen. Jack ist stets ein wenig unnahbar, hölzern, emotionslos. Vielleicht war das von den Filmemachern aber auch genau so gewollt – als Kritik am Musikbusiness, in der sich nicht viel um den Charakter eines Menschen geschert wird, solange man mit ihm Geld machen kann. Oder auch als Hommage an die Songs der Beatles, die Massen begeistern, egal in welchem Jahrzehnt sie gespielt werden und selbst dann noch, wenn sie von jemandem gesungen werden, der eigentlich alles andere als ein charmanter, wortgewandter Entertainer ist.

Doch schnell zeigt sich, dass selbst die Beatles es in der heutigen Zeit nicht nur leicht gehabt hätten. Ein „White Album“? Das geht aus Diversitäts-Gründen echt gar nicht. „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“? Viel zu kompliziert. Und so wird auch Jack schnell zum Produkt eines Marktes, in dem es viel um Äußerlichkeiten geht. Ein wenig Starthilfe bekommt er von niemand geringerem als Ed Sheeran, der sich im Film mit viel Mut zur Selbstironie selbst spielt. So gibt er Jack zum Beispiel den Tipp, seinen Song „Hey Jude“ doch lieber „Hey Dude“ zu nennen, das sei irgendwie moderner.

Neben Sheeran lebt der Film auch durch die wie immer fabelhafte Lily James („Mamma Mia 2“, „Deine Juliet“) in der Rolle der unglücklich verliebten Ellie. Die 30-Jährige beweist einmal mehr, dass sie aktuell zu den facettenreichsten Schauspielerinnen Großbritanniens gehört und bringt noch einen Handlungsstrang in die Geschichte ein, der natürlich in keiner Komödie fehlen darf: die romantische Lovestory.

„Yesterday“ ist ein Feel-Good-Movie, wie es im Buche steht – und mitnichten nur für Beatles-Fans ein Kino-Highlight dieses Sommers.

Weitere Informationen

Bereits am Mittwoch, 10. Juli, wird es in der Schauburg um 20.30 Uhr eine Vorpremiere von „Yesterday“ geben. Der in Bremen lebende Gitarrist Xav Clarke, der im Film Teil der Backup-Band der Hauptfigur ist, wird anwesend sein. Es gibt Überraschungen rund um die Beatles, sowie eine Live-Karaoke-Show vor dem Hauptfilm. Nach dem Film werden Live-Mitschnitte von Beatles-Konzerten gezeigt.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
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