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Otto in der Kunsthalle Emden
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Faultier, Ottifant und große Meister

Alexandra Knief 08.07.2019 0 Kommentare

In Ottos Version von Edward Hoppers
In Ottos Version von Edward Hoppers "Morning Sun" sitzt keine einsame Frau, sondern er selbst auf einem Bett – zusammen mit einem kleinen Ottifanten. (Otto Waalkes)

Es ist wohl eines der populärsten Kunstwerke überhaupt: „Nighthawks“ („Nachtschwärmer“) von Edward Hopper aus dem Jahr 1942. Drei einsame Gestalten sitzen in einer beleuchteten Bar, draußen menschenleere Straßen. Zu sehen ist das Bild aktuell in der Kunsthalle Emden. Aber Moment. Irgendetwas stimmt hier nicht. Statt rothaariger Frau sitzt ein glubschäugiges Faultier rechts an der Theke. Statt zwei Männern mit Anzug und Hut belagern ein Ottifant und ein Mann mit Zipfelmütze die Bar. Und steht da außen am Gebäude wirklich „Leber an Großhirn“?

Es ist keine Hopper-Ausstellung, die in Emden aktuell für eine gut besuchte Kunsthalle sorgt. Es ist der wohl berühmteste Bürger der ostfriesischen Stadt, der hier geehrt wird: Otto Waalkes. Die Ausstellung „Otto Coming Home – he kummt na Huus“ versammelt ein buntes Potpourri an Werken des Emder Ehrenbürgers, der in seiner einstigen Heimat seit Kurzem sogar eine eigene Ampel hat, die einen hopsenden Otto anstelle des grünen Ampelmännchens zeigt.

Der Ottifant (Mischung aus
So auch auf dem offiziellen Plakat der Kunsthalle Emden zu der Ausstellung
Fotostrecke: Ottifanten kapern Meisterwerke der Kunst

Neben alten Bühnenrequisiten, Fernsehbeiträgen, Fotos aus Kinder- und Jugendzeiten, Skizzen aus jungen Jahren und selbst gestalteten Schallplatten findet sich in der Ausstellung vor allem eins: jede Menge Kunst – gemalt auf Teeuntergrund mit Mischtechnik. Denn Otto ist nicht nur Komiker, Musiker und Regisseur, er hat auch Kunstpädagogik studiert – und er hat künstlerisch richtig was drauf!

Von Picasso bis Banksy

In den vergangenen Jahren hat der Entertainer sich diesem Talent wieder verstärkt gewidmet, dabei sind vor allem diverse Persiflagen berühmter Gemälde entstanden. Caspar David Friedrich, Leonardo da Vinci, Pablo Picasso, Jean Baptiste August Ingres, Edvard Munch, Edward Hopper, Franz Marc, Roy Lichtenstein, Salvador Dalí, Banksy und diverse andere große Namen der Kunstgeschichte werden von Otto in seinen Bildern zitiert, kopiert, imitiert, verfremdet.

Waalkes hatte schon immer seinen ganz eigenen Humor, und der zieht sich auch durch seine Kunst. Jedoch neben allem Witz nicht ohne ein hohes Maß an künstlerischem Ernst: Problemlos greift er die unterschiedlichsten Stile auf, imitiert sie technisch auf hohem Niveau. In die Bilder setzt er allerdings seine eigenen Akzente, oder um genau zu sein, seine eigenen Ottifanten. Denn diese sind die Stars in so gut wie jedem Werk.

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Da hat Jan Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“ plötzlich einen Ottifantenohrring, da wünscht sich die blonde Frau im Pop-Art-Werk Roy Lichtensteins auf einmal nichts sehnlicher als einen Plüschottifanten. Aus Munchs „Der Schrei“ wird „Der letzte Schrei“, ein Werk, das Otto selbst zeigt, kreischend, das Gesicht in die Hände gestützt, weil im Hintergrund jemand singt und Gitarre spielt, der verdächtig nach Heino aussieht. David Hockneys Poolkulisse wird zum Ottifanten-Arschbomben-Paradies, und Leonardo da Vincis „Dame mit Hermelin“ trägt in der Ottoversion ein Faultier auf dem Arm.

Stars und Rüsseltiere

Auch diverse Größen aus Film und Fernsehen treffen auf Ottos Ottifanten, darunter zum Beispiel Star-Wars-Charaktere oder Disney-Figuren. Das Bild „Breakfast At Ottili I“ zeigt Audrey Hepburn mit einem Ottifanten auf der Schulter; ein anderes Gemälde beweist, dass es Ottifanten waren, die einst Marilyn Monroes weißes Kleid nach oben pusteten und kein Windstoß aus einem Lüftungsgitter. Und auch wenn die Idee, immer wieder kleine Rüsseltiere in weltberühmte Gemälde und ikonische Darstellungen zu schmuggeln, eine simple ist, sorgt sie bei den Besuchern mit jedem neuen Bild für ein weiteres Schmunzeln, dass nicht selten in ein lautes Lachen übergeht. Langweilig wird der Witz nie. Nach jedem Ausstellungsraum freut man sich bereits auf den nächsten.

Otto weiß auch nach Jahrzehnten im Rampenlicht noch, wie es gelingt, Menschen egal welchen Alters zu begeistern. Zu seinem Geheimrezept gehört wohl auch, das seine Witze nie bösartig sind und auf Kosten anderer gehen. Im vergangenen Jahr wurde der 70-jährige Ostfriese nicht nur zum Ehrenbürger Emdens ernannt, er erhielt auch das Bundesverdienstkreuz. Bilder von der Ehrung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und das Kreuz selbst sind auch in der Ausstellung zu sehen.

Aktuell, so vermeldet die Kunsthalle, die sich wohl vom Humor des Ostfriesen hat anstecken lassen, diskutiere man über die Ernennung Otto Waalkes zum Weltkulturerbe. Damit stünde Waalkes als einziger Mensch auf der gleichen Liste wie der Kölner Dom oder das Bremer Rathaus. Absurd? Mehr als absurd. Aber bei Otto kann man ja nie wissen.

Weitere Informationen

Otto Coming Home (he kummt na Huus) ist bis zum 22. September in der Kunsthalle Emden, Hinter dem Rahmen 13, zu sehen. Im Obergeschoss des Museums läuft parallel die Ausstellung „Marc, Macke, Nolde. Meisterwerke der Sammlung Ziegler“. Weitere Infos, auch zu diversen Veranstaltungen und Workshops, unter www.kunsthalle-emden.de


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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