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„Tatort"-Kritik: „Anne und der Tod"

Katharina Frohne 18.05.2019 0 Kommentare

Zwei alte Menschen sind gestorben, vielleicht waren es natürliche Tode, vielleicht auch nicht. Die Pflegerin Anne steht unter Mordverdacht.
Zwei alte Menschen sind gestorben, vielleicht waren es natürliche Tode, vielleicht auch nicht. Die Pflegerin Anne steht unter Mordverdacht. (Maor Waisburd / SWR / dpa)

Der Mann hängt auf dem Ledersofa, der Körper schlaff und kaputt von Alkohol, Drogen und einem langen Leben. In der einen Hand hält er eine Zigarette, in der anderen eine Atemmaske, aus beiden nimmt er tiefe Züge, inhaliert abwechselnd Luft und Qualm. Der Mann, der auf den Tod wartet, hat nicht mehr viel. Aber er hat Anne (Katharina Marie Schubert). Die dauerlächelnde Frau ist seine Pflegerin, einmal täglich besucht sie ihn, wäscht ihn, spricht mit ihm, gibt ihm seine Medikamente.

Doch vielleicht ist es damit bald vorbei. Denn Anne steht unter Mordverdacht. Zwei alte Menschen sind gestorben, vielleicht waren es natürliche Tode, vielleicht auch nicht. Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) müssen ermitteln, müssen herausfinden, was wirklich passiert ist. Leicht ist das nicht. Anne gibt lächelnd Auskunft und sagt doch nur die Hälfte, die Stuttgarter Kommissare kommen nicht an sie heran, prallen ab.

„Anne und der Tod“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD; Buch: Wolfgang Stauch, Regie: Jens Wischnewski) erzählt in sehr leisen Tönen die Geschichte einer langsamen Annäherung an die Wahrheit. Dass das so fesselnd und anrührend ist, wie es dem oft eher dahindümpelnden Sonntagabendformat selten gelingt, ist dem grandiosen Spiel von Schubert zu verdanken. Ihre Anne ist stolz und verletzlich, offen und undurchschaubar, Opfer und Täterin zugleich. Eine Frau, der man alles zutraut, und von der man doch nur das Beste glauben will. Ein „Tatort“, der nachhallt.


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