Wetter: Regen, 10 bis 18 °C
Interview
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

„Auferstehung ist Hoffnung“

Benjamin Lassiwe 17.04.2019 0 Kommentare

Die frühere Bundesministerin Irmgard Schwaetzer ist ranghöchste Ehrenamtliche in der Evangelischen Kirche.
Die frühere Bundesministerin Irmgard Schwaetzer ist ranghöchste Ehrenamtliche in der Evangelischen Kirche. (Daniel Karmann)

Frau Schwaetzer, warum engagieren Sie sich in der Kirche?

Irmgard Schwaetzer: Ich könnte es mir ganz einfach machen: Weil es mir Spaß macht. Für mich ist das Ehrenamt eine faszinierende Aufgabe, die es mir ermöglicht, meiner Kirche etwas zurückzugeben. Das ist für mich einfach auch sehr befriedigend.

Was möchten Sie der Kirche denn zurückgeben?

Mein Glaube hat mich über viele schwierige Situationen im Leben hinweggebracht. Ich hatte dabei immer das Gefühl, dass da jemand an meiner Seite war. Und das meine ich nicht nur spirituell, sondern auch physisch: In der Kirche habe ich immer Gesprächspartner gefunden, wenn ich danach gesucht habe. Diese Erfahrung ist auch heute, in einer Welt, in der die Kirche von vielen an den Rand gedrängt werden soll, etwas ungeheuer Wichtiges. Deswegen möchte ich meinen Beitrag dazu leisten, dass die gute Botschaft und die tröstende Kraft der Kirche, das was sie an Nächstenliebe ausstrahlen und geben kann, in der Gesellschaft ankommt und wahrgenommen wird.

Sie haben sich im Berliner Dom engagiert. Warum da?

Als ich nach meinem Umzug nach Berlin erstmals einen Gottesdienst im Dom besucht habe, war mir klar, dass ich mich dort engagieren wollte. Das hatte etwas mit der Art des Gottesdienstes und den unterschiedlichen Predigern zu tun, die mich immer wieder neu zu einer Auseinandersetzung mit der Bibel angeregt haben.

Mehr zum Thema
Evangelische und Katholische Gemeinden: Diese Oster-Gottesdienste werden in Bremen gefeiert
Evangelische und Katholische Gemeinden
Diese Oster-Gottesdienste werden in Bremen gefeiert

Ostern ist das älteste und zugleich das höchste christliche Jahresfest. Die evangelischen und ...

 mehr »

Was raten Sie anderen Menschen an der Schwelle zum Ruhestand? Wie kann man sich am Besten ehrenamtlich einbringen?

Natürlich rate ich jedem, eine Aufgabe in unserer Kirche zu übernehmen. Auch wenn es leider an manchen Stellen in der Evangelischen Kirche gerade Ehrenamtlichen, die ein Berufsleben mit viel Verantwortung hinter sich haben, nicht einfach gemacht wird, ihre Gaben einzubringen. Es gibt immer noch Pfarrerinnen und Pfarrer, die eher etwas paternalistisch ausgerichtet sind. Und das ist nun wirklich nicht das, was man als Ruheständler braucht.

Hat die Kirche noch nicht begriffen, wie man mit Ehrenamtlichen umgeht, die aus dem Berufsleben kommen?

Ganz viele in der Kirche haben das nicht nur begriffen, sondern leben das auch. Aber in der Kirche, in Organisationen, in Gemeinden und Werken gibt es viel Selbstgenügsamkeit. Das ist gerade dann nicht leicht, wenn man sich nach einem Berufsleben mit viel Verantwortung umsieht, wo man etwas bewirken kann.

In manchen Landeskirchen gibt es zum Beispiel in kirchlichen Gremien Altersgrenzen für Ehrenamtliche.

Das halte ich für Altersdiskriminierung. Ich bin sehr überrascht, wie man ernsthaft noch so argumentieren kann, dass ab einer bestimmten Altersgrenze die Kräfte so nachlassen, dass man von den Menschen nicht mehr erwarten kann, dass sie selber das einbringen, was sie noch zu leisten im Stande sind. Als würde man plötzlich, wenn man 73 oder 75 wird, seine geistigen Kräfte verlieren. Natürlich gibt es Einschränkungen im Alter. Aber ich kenne mehr Menschen, die sehr genau wissen, was sie leisten können und wollen, als Menschen, denen man sagen müsste: „Jetzt setz Dich hin und genieß mal Deine Rente!“. Die Frage ist aus meiner Sicht eher, ob nicht Maximal-Amtszeiten hier und da eine sinnvolle Maßnahme sein könnten.

Mehr zum Thema
Karfreitag und Ostern: Diese Terminänderungen gibt es an den Feiertagen
Karfreitag und Ostern
Diese Terminänderungen gibt es an den Feiertagen

Wegen Karfreitag und den Osterfeiertagen gibt es diverse Terminänderungen und eingeschränkte ...

 mehr »

Wir kommen auf Ostern zu. Was bedeutet das Fest für Sie?

Ich sehe Ostern immer als Einheit mit der Fastenzeit. Die Fastenzeit bietet mir so viele Möglichkeiten, auf das eigene Leben zu sehen und sich Rechenschaft darüber abzulegen, was gut läuft und was weniger gut läuft und verändert werden muss. Ich habe mich zum Beispiel beim Klimafasten umgesehen und geguckt, wo ich selbst meine Lebensführung so ändern kann, dass ich weniger das Klima schädige. Ich fahre noch weniger Auto als bisher und ich schaffe es tatsächlich, in diesem Jahr fast nicht zu fliegen, sondern meine Zeit so einzuteilen, dass ich mit dem Zug fahren kann. Aber das ist natürlich auch das Erfreuliche in meinem Alter: Ich verfüge frei über meine Termine und kann mir Zeit für so etwas nehmen.

Wie begehen Sie denn die Feiertage?

Für mich ist die Zeit von Gründonnerstag bis Ostern ein durchgehender liturgischer Rahmen, der mir auch die Möglichkeit gibt, die einzelnen Stationen des Leidens, Sterbens und die Feier der Auferstehung mitzufühlen.

Was bedeutet Ihnen die Auferstehung?

Das ist die Hoffnung, die wir als Christen haben. Für mich ist eines der stärksten liturgischen Erlebnisse die Tauferinnerung in der Osternacht: Dass wir von Gott angenommen sind. Dass wir Vergebung erwarten können. Dass Gott nicht ohne seine Menschen leben will.

Glauben Sie an ein ewiges Leben nach dem Tod?

Ja! Wie auch immer das dann aussieht. Ich habe ja eine ganze Reihe von Jahren als Ehrenamtliche im Hospiz gearbeitet. Selbstverständlich waren viele Gäste dort nicht in der Kirche und hatten ein Leben geführt, das mit den äußerlichen Zeichen von Religion nicht in Verbindung gekommen war. Aber ich habe keinen getroffen, der mich nicht gefragt hätte: Was glauben Sie? An der Stelle ist es gut, wenn man dann Rechenschaft ablegen kann.

Mehr zum Thema
Fragen und Antworten: Das sollten Sie beim Osterfeuer beachten
Fragen und Antworten
Das sollten Sie beim Osterfeuer beachten

Das Osterfeuer ist ein Brauch, der vielerorts veranstaltet wird. Doch einfach so darf das Feuer ...

 mehr »

Glauben Sie, dass die Evangelische Kirche den Menschen oft genug sagt, woran sie glaubt?

Glaube ist etwas sehr Persönliches. Deshalb ist es meinem Empfinden nach weniger eindrucksvoll, wenn man in einer großen Gruppe von seinem Glauben spricht. Im persönlichen Gespräch geht dann die Frage an jeden von uns, egal ob ordiniert oder nicht ordiniert, ob Theologe oder Nicht-Theologe. Jeder von uns sollte ausstrahlen, was er glaubt. Er sollte in seinem Leben und in der Gestaltung seiner Beziehungen sprachfähig sein. Und da habe ich nun wirklich einen Wunsch an meine Kirche: Dass sie nämlich noch sehr viel mehr Mühe darauf verwendet, Menschen das Rüstzeug mitzugeben, um sprachfähig über ihren Glauben zu sein. Dass ist etwas, das ich vor Ort von jedem einzelnen Pfarrer erwarte.

Die Fragen stellte Benjamin Lassiwe.

Zur Person

Irmgard Schwaetzer (77) ist Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und damit ranghöchste Ehrenamtliche. Die frühere FDP-Politikerin war von 1987 bis 1991 Staatsministerin im Auswärtigen Amt und von 1991 bis 1994 Bundesbauministerin. Seit 2013 leitet sie die Synode, das Parlament der Evangelischen Kirche.

Mehr zum Thema
Richtig planen und einfädeln: Stau-Tipps zum Start der Osterreisezeit
Richtig planen und einfädeln
Stau-Tipps zum Start der Osterreisezeit

Am Wochenende starten vielerorts die Osterferien. In Teilen des Landes drohen dichter Reiseverkehr ...

 mehr »

Zur Sache

Zum Karfreitag

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, erklärt zum Karfreitag 2019:


„An Karfreitag erinnern
wir Christen an das Leiden Jesu. Aus Liebe zu den Menschen nimmt derjenige, in dem Gott sich den Menschen gezeigt hat, den qual- und verzweiflungsvollen Tod am Kreuz auf sich. In diesem Leid und in dieser Verzweiflung ist Gott den Menschen ganz nah. Und zwar gerade denjenigen, die selbst Opfer von Gewalt sind, den Sterbenden, den Verzweifelten und Leidenden.

Weil sie an einen Gott glauben, der in seinem Sohn Jesus Christus das Leid der Menschen selbst erfahren hat, gedenken die Christen auch all derjenigen, die heute Not und Unrecht erdulden. Und erinnern dabei zugleich an die Bosheit und die Gleichgültigkeit, den Hass und den Spott, der sich um dieses Kreuz versammelte. Denn in jeder und jedem einzelnen Leidenden begegnet uns das Ebenbild Gottes, wie elend, verlassen und geschunden er oder sie auch sein mag. Und uns begegnen Menschen, die diese Würde mit Füssen treten.

Auch die dunklen Seiten der Menschen sind in den Blick zu nehmen, auch sie gehören zu Karfreitag. Gegenüber der Gottferne, die darin zum Ausdruck kommt, machen wir die Botschaft Jesu von der Liebe Gottes, die selbst den Tod überwindet, stark. Gerade heute, wo der Ton der politischen Auseinandersetzung national wie international schärfer wird, gilt es daran zu erinnern: Wo wir einander in dem Bewusstsein gegenübertreten, dass wir zum Bilde Gottes geschaffen sind, da dürfen Hass und Gewalt keinen Platz in unserem Miteinander haben. Denn Gott ist kein Gott der Gewalt, sondern der Liebe.“


job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 18 °C / 10 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
europaweit jetzt ...
Anzeige