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Bernd Neumann im Bundestag
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„Bonn blieb immer ein Dorf“

Eva Przybyla 05.09.2019 0 Kommentare

In der Regierung von Helmut Kohl war Bernd Neumann Parlamentarischer Staatssekretär und Staatsminister für Kultur und Medien.
In der Regierung von Helmut Kohl war Bernd Neumann Parlamentarischer Staatssekretär und Staatsminister für Kultur und Medien. (Rolf H. Kruse)

Er ist Teil der Geschichte des Bundestags: 26 Jahre war Bernd Neumann dort Abgeordneter – von 1987 bis 2013. Er debattierte im Bundestag in Bonn und Berlin. In der ehemaligen Bundeshauptstadt arbeitet er zwölf Jahre.

1987 kam Neumann dorthin, wo das Parlament eigentlich nur provisorisch sitzen sollte und dann doch zwölf Jahre verweilte: ins alte Wasserwerk. „Kleines Schlösschen“ nennt er das kleine Pumpenhaus am Rhein, in dem der Bundestag ab 1986 tagte. Fotos vom alten Plenarsaal zeigen jedoch eher eine Schulaula: braune, schnörkellose Stühle, graue Pulte in engen Reihen, und ein Flügel direkt neben dem Präsidium. „Es war sagenhaft klein“, sagt Neumann.

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So klein, dass nicht alle Abgeordneten darin einen Sitzplatz gefunden hätten. Dabei bestand der Bundestag damals mit 663 Abgeordneten aus weniger Mitgliedern als heute. „Bei den namentlichen Abstimmungen konnten wir nicht alle sitzen“, sagt der ehemalige Vorsitzende der Bremer CDU. Woanders sei kein Platz gewesen. Sei die Regierung vollzählig erschienen, hätten auch einige ihrer Mitglieder stehen müssen. Unangenehm fand Neumann die Bundestagssitzungen im Bonner Wasserwerk jedoch nicht. „Man blieb häufig im Büro, wenn es zu voll war“, sagt er. Und Kuschelstimmung kam trotz Enge nicht auf: Die Parteien stritten über die Wiedervereinigung. „Es waren spannende Debatten“, sagt der CDU-Politiker. Und sie seien genauso heftig geführt worden wie heute.

Immer wieder gerät Neumann bei dem Gedanken an seine Zeit in Bonn ins Schwärmen. „Dort war der Zusammenhalt noch ein Stück größer“, sagt er. Nicht nur unter Politikern – und das über alle Parteigrenzen hinweg –, sondern auch mit Journalisten habe man sich abends in Kneipen getroffen. Alles sei räumlich nah bei einander gewesen. So lag Neumanns Büro im „Langen Eugen“, einem Hochhaus, das eigens für die Bundestagsabgeordneten in den 60er-Jahren errichtet wurde. Dort tagten auch die Ausschüsse.

Mit Joschka Fischer Fußball gespielt

Direkt gegenüber traf sich die Fraktion von CDU und CSU. Hinter dem Haus spielte Neumann mit anderen Abgeordneten nachmittags Fußball, etwa mit dem ehemaligen Grünen-Politiker und Außenminister Joschka Fischer. „Du spielst genauso Fußball wie ihr regiert“, habe der Grünen-Politiker Neumann zugerufen, wenn der den Pass verfehlte. Zu den Fußballpartien kamen nächtliche Skatrunden. „Bonn blieb immer ein Dorf“, sagt Neumann.

Doch nach zwei Jahren in Bonn sollte sich für den Bremer Politiker an einem Abend alles ändern: Es ist der 9. November 1989. Neumann isst mit dem damaligen Bremer Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) in der Bremer Landesvertretung in Bonn zu Abend. Gleichzeitig spricht der SED-Sekretär für Informationswesen, Günter Schabowski, auf einer Pressekonferenz. Wenig später stürmt ein Abgeordneter in die Bremische Landesvertretung und ruft: „Die Mauer ist gefallen.“ Neumann und Koschnick lächeln sich nur an. Sie glauben ihm nicht. „Wir haben nur den Kopf geschüttelt“, sagt Neumann. Sie hätten danach gemütlich weiter gegessen. Erst zu Hause sieht er dann im Fernsehen die Nachrichten.

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Nach dem Mauerfall kommt Bewegung in den Bundestag: Ehemalige Abgeordnete der DDR sitzen mit im Wasserwerk. Der Bundestag beschließt den Umzug nach Berlin, auch Neumann stimmt dafür: „Aus politischen Gründen“, wie er sagt. Dabei habe er Bonn lieber gemocht: „Es war viel kleiner und unmittelbarer.“

Zur Person

Bernd Neumann (77) war 30 Jahre lang Landesvorsitzender der CDU Bremen. Zudem war er Parlamentarischer Staatssekretär in der Regierung von Helmut Kohl und Staatsminister für Kultur und Medien.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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