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Kommentar über Boris Johnson
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Crash! Boom! Boris!

Philipp Jaklin 23.07.2019 1 Kommentar

Boris Johnson, neu gewählter Chef der Konservativen Partei, zeigt bei seiner Ankunft am Hauptsitz der Konservativen Partei in London zwei Daumen nach oben.
Boris Johnson, neu gewählter Chef der Konservativen Partei, zeigt bei seiner Ankunft am Hauptsitz der Konservativen Partei in London zwei Daumen nach oben. (Aaron Chown/dpa)

Liegt darin eine Logik der Verantwortung? Derjenige, der sich nach langem Zaudern zur Galionsfigur der „Leave“-Kampagne aufschwang und die Briten mit unerfüllbaren Versprechungen in ihr Brexit-Votum trieb, soll das Austrittsprojekt nun vollenden. Lustvoll hat Boris Johnson seine Vorgänger demontiert, dabei ungehemmt und von staatspolitischer Ratio ungetrübt seine Machtinstinkte verfolgt – nun ist er am Ziel Downing Street angekommen. Doch was gut für Johnson ist, muss noch lange nicht gut für Großbritannien sein.

Sein Triumph ist ein Sieg des Populismus in einem Land, dessen Krise sich als größer erweisen könnte als Boris Johnsons politisches Vermögen. Mit seiner unverwechselbaren Boris-Mischung aus Charme, politischer Gewitztheit und Skrupellosigkeit hat er es an die Spitze geschafft.

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Doch im Amt des Premierministers ist er unzählig mehr Fallstricken, mächtigen Opponenten und widrigen Umständen ausgesetzt als in seinem früheren Posten als Londons Bürgermeister. Die Mehrheit der Tories im Unterhaus ist hauchdünn – daran ändern auch Johnsons Durchhalteparolen vom „neuen Geist des Zupackens“ nichts, mit dem er den Brexit bis zum 31. Oktober schaffen will.

Die Mitglieder der Partei fordern den raschen EU-Austritt um jeden Preis, das hat die eindeutige Vorsitzenden-Kür gezeigt. Allerdings bleibt Johnson bis zu gesetzten Frist so wenig Zeit, dass er mehr als kosmetische Änderungen an Theresa Mays Brexit-Deal kaum durchsetzen kann. Bleibt die Drohung mit einem „harten“ Brexit, der katastrophale Folgen für die Wirtschaft hätte und den das Unterhaus nicht will. Nicht nur die deutschen Exporteure befürchten, dass der neue Premier auch vor dieser fatalen Option womöglich nicht zurückschrecken wird, sollte er sich Hoffnungen auf einen Sieg bei Neuwahlen machen.

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Kalkulierbar ist das alles nicht. Wenig spricht dafür, dass Boris Johnson seine notorische Sprunghaftigkeit im neuen Amt ablegen wird. Doch auch sein großes Vorbild Churchill, mag man einwenden, wechselte ungeniert die ideologischen Positionen, wenn es seiner Karriere diente, zeigte aber in schwerer Stunde Charakterstärke und Führung.

Und eines ist Johnson sicher nicht, so erbarmungslos er in der Vergangenheit auch die Fakten verdreht hat: ein britischer Donald Trump. Das autoritäre Gedankengut des US-Präsidenten, seinen Rassismus und seine aggressive Grundorientierung teilt der neue britische Regierungschef nicht. Er vertritt ein liberales, ein offenes Großbritannien. Das sind europäische Werte. Und daran sollten die Partner in Europa anknüpfen.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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