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Unerfüllter Kinderwunsch: Fragen und Antworten
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Debatte über Legalisierung von Leihmüttern entbrannt

Rainer Woratschka 13.08.2019 0 Kommentare

Endlich schwanger: Laut Studien ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 ungewollt kinderlos. Pro Jahr begeben sich deshalb 8000 bis 10 000 in Behandlung.
Endlich schwanger: Laut Studien ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 ungewollt kinderlos. Pro Jahr begeben sich deshalb 8000 bis 10.000 in Behandlung. (Andrey Kiselev/123RF)

Mediziner drängen schon länger, nun kommt der Ruf auch aus der Politik: Die FDP-Abgeordnete Katrin Helling- ­Plahr fordert, Eizell- und Embryonenspenden samt Leihmutterschaft zu legalisieren. „Das Embryonenschutzgesetz ist von gestern und muss reformiert werden“, sagte sie dem Tagesspiegel. Die deutsche Politik sei hier im Vergleich zu anderen Ländern „viel zu zögerlich“. Helling-Plahr verlangt zudem weit mehr Unterstützung für Kinderwunschbehandlungen. Und sie findet, dass nach den Beschlüssen zur Ehe für alle eine Änderung des Abstammungs- und Adoptionsrechts überfällig ist. „Wir fordern eine Reform, die endlich die gesellschaftliche Wirklichkeit zur Kenntnis nimmt“, sagt sie. So sollten bis zu vier Personen gemeinsam Elternverantwortung für ein Kind übernehmen dürfen. Die wichtigsten Punkte der Debatte:

Wie viele Paare sind ungewollt kinderlos und wie viele lassen sich deshalb behandeln?

Studien zufolge ist hierzulande fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 ungewollt kinderlos. Pro Jahr begeben sich deshalb 8000 bis 10.000 in Behandlung. Legal möglich ist entweder die Befruchtung von Eizellen durch aufbereitetes Sperma im Reagenzglas (IVF) oder die Mikro-Injektion von Spermien direkt in die Eizelle (ICSI). Dem IVF-Register zufolge kam es aber nur bei jeder dritten solchen Behandlung zur Schwangerschaft und nur in drei von vier künstlich erzeugten Schwangerschaften zu einer Geburt. Acht Prozent der ungewollt kinderlosen Frauen und zwölf Prozent solcher Männer zwischen 20 und 50 erwägen eine Eizellspende, sechs Prozent der Frauen und zehn Prozent der Männer eine Leihmutterschaft.

Wie werden Kinderwunsch-Behandlungen in Deutschland gefördert und wie sollte das aus FDP-Sicht verbessert werden?

Solche Therapien kosten nicht selten mehr als 10 .000 Euro. In der Regel zahlen zwar gesetzliche Krankenkassen die Hälfte. Bezuschusst werden aber maximal drei Versuche. Zudem müssen die Paare verheiratet sein und dürfen ein Höchstalter nicht überschritten haben. Für Frauen beträgt das Limit 40, für Männer 50 Jahre. Weitere Zuschüsse vom Bund gibt es nur, wenn sich das jeweilige Bundesland mit eigenem Förderprogramm beteiligt. Die Altersgrenzen seien „willkürlich und bevormundend“, meint Helling-Plahr. Statt die Zahl der Versuche zu begrenzen, müsse sich die Förderung nach individueller Erfolgsaussicht richten. Paare ohne Trauschein und Alleinerziehende sollten ebenfalls Anspruch haben. Und es könne nicht angehen, dass die „Frage, ob sich jemand eine solche Behandlung leisten kann, vom Wohnort und damit vom Zufall abhängt“.

Was genau will die Abgeordnete bei Eizell- und Embryonenspenden ändern?

Man sollte es ihrer Ansicht nach nicht bei der Erlaubnis von direkten Spenden an Wunscheltern belassen. Auch eine Einlagerung in noch zu errichtenden Eizell- oder Embryonenbanken müsse möglich sein. Bisher werden die bei künstlicher Befruchtung entstandenen, überzähligen Embryonen entweder „verworfen“ oder auf Geheiß der Wunscheltern eingefroren, um sie später übertragen zu können. Rechtlich solle man sich bei Eizell- und Embryonenspenden an den Samenspende- Regelungen orientieren, meint Helling- Plahr. Man bräuchte also auch für Eizell- und Embryonenspenden Zentralregister, damit betroffene Kinder erfahren können, wer ihre leiblichen Eltern sind.

Wie müsste man sich eine Regelung für Leihmütter in Deutschland vorstellen?

Auch für Leihmutterschaften sollte niemand mehr „ins Ausland, wo teilweise auch Frauen in Notlage ausgebeutet werden, ausweichen müssen“, meint Helling-Plahr. „Wenn beispielsweise eine Frau ein Kind für ihre Schwester oder ihre beste Freundin austragen möchte, weil diese sich zwar ein Kind wünscht, aber selbst keines bekommen kann, wollen wir das ermöglichen.“ Solche Leihmutterschaft dürfe aber nur dann legal sein, wenn diese aus „rein altruistischen Motiven“ und nicht gegen Zahlung eines Entgelts stattfinde. Damit das Kind in rechtssichere Verhältnisse geboren werde, sei eine notarielle Vereinbarung nötig, in der die Leihmutter auf ihre Elternschaft verzichtet. Anfechtbar wäre das bei seelischem Konflikt dann nur bis zu vier Wochen nach der Geburt.

"Wir fordern eine Reform, die endlich die gesellschaftliche Wirklichkeit zur Kenntnis nimmt", sagt Katrin-Helling Plahr von der FDP. (Carsten Koall/ZB/dpa)

Droht Frauen, die sich derzeit im Ausland Eizellen einpflanzen oder Kinder von Leihmüttern austragen lassen, eine Strafverfolgung?

Nein, die Einpflanzung von Eizellen im Ausland ist nach deutschem Recht nicht strafbar. Und bei Leihmutterschaft droht das Embryonenschutzgesetz zwar Vermittlern und beteiligten Ärzten mit Geld- oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren. Die Frauen selbst müssen hierzulande aber nichts befürchten. Sie haben nur im Ausland geltende Vorschriften zu beachten. Wichtig ist dabei oft, ob und in welchem Maße kommerzielle Motive zugrundeliegen. Auch das sogenannte Einführen eines von einer Leihmutter ausgetragenen Kindes ist in aller Regel nicht strafbar.

Wie sehen Wissenschaftler die Situation?

Erst im Juni haben die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften verlangt, Eizellspenden auch in Deutschland zu ermöglichen. „Der Gesetzgeber darf nicht etwa deshalb ein Familienbild zum fortpflanzungsrechtlichen Leitmodell erklären, weil ihm der überwiegende Teil der Bevölkerung faktisch anhängt“, heißt es in der Stellungnahme . Die Sorge, dass die sogenannte gespaltene Mutterschaft zu gravierenden Problemen führen könnte, habe sich in Studien nicht bestätigt. Und der Gefahr, dass Eizellen gegen Geld gespendet werden, lasse sich durch Regelungen vorbeugen. Zur Leihmutterschaft gab die Leopoldina keine Empfehlung. Juristen der Universitäten Augsburg und München drängten allerdings schon vor sechs Jahren auch auf eine solche Erlaubnis. Im Vergleich sei die Situation in Deutschland besonders „repressiv“, heißt es auch beim Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren. Die Gesetzgebung enge die Möglichkeiten von Medizin und Wissenschaft ein. Und die Politik sitze das Problem seit 20 Jahren aus.

Was sagen die anderen Parteien?

Die Grünen sind gegen eine Legalisierung von Leihmutterschaft. Die Regelungen für Kinderwunschbehandlung und Reproduktionsmedizin seien zwar teilsreformbedürftig, sagt Rechtsexpertin Katja Keul. „Aber selbst die nicht-kommerzielle Leihmutterschaft birgt Missbrauchs­risiken und kann dem Wohl von Mutter und Kind entgegenstehen.“ In Sachen Eizellspende sind die Grünen unentschieden, hier befinde man sich „noch mitten in der Debatte“. Die CDU/CSU-Fraktion lehnt kommerzielle Leihmutterschaft ebenso ab wie Eispenden. Sie wolle sich aber „Diskussionen über eng begrenzte, rein altruistisch motivierte Ausnahmen innerhalb verwandtschaftlicher Beziehungen“ persönlich nicht verweigern, sagt deren Rechtsexpertin Elisabeth Winkelmeier- Becker. ­„Voraussetzung wäre, dass sich dafür klare Abgrenzungskriterien finden lassen, die eine Umgehung ausschließen.“ Dass ein Kind nicht mehr als zwei rechtliche Elternteile haben könne, ist aus Unionssicht aber „unverrückbar“.


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Leserkommentare
ManUD7 am 22.10.2019 07:37
Wieso wird die Bevölkerung aufgehetzt? Jahrelang sieht man doch nur noch Mais. Und dieser dient weitestgehend zum Betrieb der Biogasanlagen. Dafür ...
Mangaguide.de am 22.10.2019 07:30
Ein Punkt in Flensburg fuer den Halter war ja geplant, wurde aber leider wieder verworfen.

Alternativ koennte man ja auch Feuerwehr, ...
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