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Frauen in der Politik
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Doris Achelwilm: Ich habe kein Problem damit, als Frau Politik zu machen

Lisa-Maria Röhling 12.11.2018 0 Kommentare

Doris Achelwilm.
Doris Achelwilm. (Cosima Hanebeck)

Doris Achelwilm: Frauen und Männer werden strukturell unterschiedlich behandelt in der Politik. Das fängt bei der medialen Darstellung an: Bei Frauen spielt das Optische meist eine große Rolle. Ihre fachliche Kompetenz müssen sie immer viel deutlicher herausstellen, um politisch ernst genommen zu werden. Sie müssen sich oft anders unter Beweis stellen, stärker behaupten.

Im Laufe meines politischen Lebens habe ich häufig Kommentare gehört, die sich meine männlichen Kollegen sicher nicht anhören müssen. Dabei merken viele gar nicht, dass einige ihrer Äußerungen eine sexistische Qualität haben. Die Summe dieser blöden Sprüche und Benachteiligungen sorgt mit dafür, dass sich manche Frauen gar nicht erst in Parteien engagieren wollen. Aber auch die Strukturen müssen sich ändern: Parteileben sind oft weder besonders frauen- noch familienfreundlich, was aber ein wichtiger Faktor für Gleichberechtigung ist. Das zeigt sich an der Redekultur und den Sitzungszeiten, die gerade Frauen oft nicht entgegenkommen.

"Als Frau wird mir nichts geschenkt"

Der Frauenanteil im aktuellen Bundestag ist schlecht, nur das Kabinett ist einigermaßen ausgeglichen. Die Zusammensetzung im Parlament hat viel damit zu tun, ob die einzelnen Parteien beispielsweise Quoten vorsehen oder nicht. Strukturelle Benachteiligung von Frauen hat viele Facetten, auch in der Politik. Ich habe kein Problem damit, als Frau Politik zu machen, im Gegenteil. Ich sehe Politik auch als Aufgabe, feministische Politik zu stärken und gesellschaftliche Benachteiligung gegenüber Frauen herauszustellen. Das gehört zu meinem politischen Profil und zum Programm der Partei, in der ich bin. Dort hat mir mein Geschlecht nie im Wege gestanden. Gleichzeitig wird mir als Frau nichts geschenkt, auch ich muss mich gegen Stereotype behaupten und durchsetzen. Interessant ist immer, wenn ich von Männern höre, dass sie mir bestimmte Ämter oder Funktionen gar nicht zugetraut hätten.

Frauen haben häufiger den Anspruch, sehr gut vorbereitet zu sein und auf keinen Fall auf Lücke zu spielen. Sie verlangen sich selbst viel ab und sind immer wieder in der Situation, besonders kritisch bewertet zu werden. Ich muss aber dazu sagen: Diese Probleme gibt es nicht nur in der Politik, sie sind gesamtgesellschaftlich anzugehen. Es ist bekannt, dass immer noch vermehrt männliche Kandidaten direkt gewählt werden, weil offenbar viele Menschen glauben, dass Männer mehr Durchsetzungskraft haben. Auch in der Kommunalpolitik zeigt sich: Eine Balance zwischen Berufs- und Familienleben sowie Ehrenamt zu finden, das ist für Frauen meist schwieriger.

"Es gibt sie, diese unglaublichen Kommentare"

Im Bundestag arbeite ich im Familienausschuss, der Gleichstellungsthemen durchweg auf der Agenda hat. Dort äußerte kürzlich ein Vertreter der AfD, dass die geringe Repräsentanz der Frauen in der Politik gerechtfertigt sei, weil Männer sich ja auch dreimal mehr für Politik interessieren würden. Meistens wird diskriminierenden Äußerungen im Bundestag klar widersprochen, da wirkt die Öffentlichkeit der Debatte. Aber es gibt sie, diese unglaublichen Kommentare.

Allerdings stelle ich fest, dass das Interesse an sogenannten Frauenthemen oder ernsthafter Gleichstellung oft geringer ist oder als radikale Position verstanden wird. Bei den Diskussionen um die Abschaffung des Paragrafen 219 a liegt es vielleicht auch am Geschlechterverhältnis im Parlament, dass die Notwendigkeit nicht richtig gesehen wird. Gleichzeitig werden traditionell männlich besetzte Bereiche wie die Verteidigungspolitik mit mehr finanziellen Mitteln bedacht als zum Beispiel die Familienpolitik. Da ein Umdenken zu schaffen, das wäre mir wichtig.

Zur Person:

Doris Achelwilm (41) ist Linken-Politikerin und war von 2013 bis 2017 Sprecherin des Bremer Landesverbandes der Partei. 2017 zog sie über die Bremer Landesliste als Abgeordnete in den Bundestag ein.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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