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Gastkommentar über Spahns Kassenwahl-Gesetz
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Ein Weg zurück zur Entsolidarisierung

Olaf Woggan 06.05.2019 0 Kommentare

Mit seinem neuen „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ will Geesundheitsminister Jens Spahn den Wettbewerb verstärken.
Mit seinem neuen „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ will Geesundheitsminister Jens Spahn den Wettbewerb verstärken. (Kay Nietfeld /dpa)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kommen die Worte „Fairness“ und „freie Kassenwahl“  im Interview mit dem WESER-KURIER leicht über die Lippen. Er will mit seinem neuen „Faire-Kassenwahl-Gesetz“ den Wettbewerb verstärken und greift dazu die regionale Aufstellung der AOKen an – also auch die gute Position der AOK Bremen/Bremerhaven im Zwei-Städte-Staat.

Das Interview des Bundesgesundheitsministers offenbart ein sehr eingeschränktes Verständnis von Wettbewerb und Kassenwahl und ein ziemlich kurzes Gedächtnis: Vor dem Jahr 2009 war nämlich eine Risikoselektion zwischen Kranken und Gesunden gang und gäbe.

Alle Krankenkassen in Deutschland rangen bis vor zehn Jahren allein mit ihrem Beitragssatz um Mitglieder. Deutliche Vorteile hatten dabei jene Kassen, die viele gesunde Mitglieder mit hohen Einkommen versichern konnten. Entsprechend niedrig war ihr Beitragssatz. Chronisch Kranke dagegen, die höhere Behandlungs- und Betreuungskosten verursachen, wurden von diesen Kassen weder umworben noch besonders betreut. Und auch der Wille und Anreiz, Kranke besser und gleichzeitig wirtschaftlicher zu versorgen, war denkbar gering ausgeprägt.

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Die AOKen waren aber aufgrund ihrer langen Tradition als Versorgerkasse für breite Bevölkerungsschichten von Anfang an gezwungen, auch medizinische und pflegerische Leistungen genau zu prüfen und regionale Verträge mit guten, aber günstigeren regionalen Anbietern abzuschließen. Deshalb gibt es zahlreiche besondere Versorgungsangebote für AOK-Versicherte in der Bremer Region, die keine andere Kasse bietet – ebenso wie ein breites Serviceangebot in vielen AOK-Geschäftsstellen vor Ort.

Vorteil durch bessere Versorgung von kranken Versicherten

Erst seit 2009 zahlt sich dieses Engagement aus. Seither sind nicht mehr Einkommen und Gesundheit die entscheidende Größe beim Finanzausgleich und damit beim Beitragssatz der Kassen, sondern die Kosten einer Krankheit des Versicherten. Jene Kasse, die es schafft, ihre kranken Versicherten besser zu versorgen, erzielt einen Vorteil. Deshalb ist der Beitragssatz der AOK Bremen/Bremerhaven auch einer der günstigsten bundesweit. Die AOKen sind regional verankert, sie wissen, wie man Krankenversorgung bestmöglich und zum Nutzen der Versicherten vor Ort organisiert.

Im Weltbild von Gesundheitsminister Spahn kommt das nicht vor: Für ihn ist Wettbewerb gleich Preisvergleich. Doch ob dieser Weg zurück zur Entsolidarisierung für die Menschen im Land gut ist, daran habe ich starke Zweifel.

Zur Person

Unser Gastautor ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender der AOK Bremen/Bremerhaven. Zuvor leitete Woggan seit dem Jahr 2000 die Direktion Verträge der AOK Bremen/Bremerhaven.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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