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Mauerfall-Jubiläum
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Eine deutsche Bilanz

Cordula Eubel, Georg Ismar, Hans Monath und Thorsten Mumme 01.10.2019 0 Kommentare

Bei der Tagesbetreuung von Kindern bis zu drei Jahren hat Ostdeutschland weiter die Nase vorn. Dort werden 52 Prozent der Kleinsten in Kinderkrippen und Kindertagesstätten betreut – im Westen liegt die Quote bei rund 30 Prozent. Doch die
In Ostdeutschland werden 52 Prozent der Kindern bis zu drei Jahren in Kinderkrippen und Kindertagesstätten betreut – im Westen liegt die Quote bei rund 30 Prozent. Doch die Verhältnisse gleichen sich langsam an, der Westen holt auf. (Pleul/dpa)

Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall gibt es zwischen Ost und West in vielen Bereichen eine Kluft. Doch wo sind die Unterschiede am größten? Eine Bestandsaufnahme zum Tag der Einheit:

Aufbau Ost

Die Kosten der Deutschen Einheit sind nicht leicht zu berechnen. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags kommt bis 2018 auf einen Nettotransfer von rund 1,6 Billionen Euro. Dabei geht es zum einen um Transferzahlungen zum Beispiel in die ostdeutschen Rentensysteme. Zum anderen kommen die direkten Finanztransfers von „etwa 560 Milliarden Euro“ hinzu, heißt es in der Analyse. Darin enthalten sind Mittel aus dem Fonds Deutsche Einheit und dem Solidarpakt I und II. Weitere Zahlungen liefen über den Länderfinanzausgleich und Ausgaben der Bundesministerien. Abzuziehen sind allerdings Steuer- und Beitragseinnahmen, die durch die Wiedervereinigung an den deutschen Staat gingen. Da es im Osten viel weniger große Konzerne mit entsprechenden Steuerzahlungen gibt – sprich: die Wirtschaftskraft weit geringer ist –, gibt es automatisch mehr staatliche Förderung, auch über die EU-Töpfe.

Vermögen

Um die Vermögensverteilung zu betrachten, eignet sich nicht der Durchschnittswert am besten. Er wäre verfälscht durch die paar Superreichen, die ihn in die Höhe treiben würden. Lohnenswerter ist ein Blick auf den Median, der in der Mitte übrig bleibt, wenn man die rund 40 Millionen Haushalte in Deutschland in eine reichere und eine ärmere Hälfte teilt. Und hier wird eine Lücke zwischen Ost und West offenbar. Laut einer Bundesbank-­Studie beträgt der Median der Nettovermögen pro Haushalt in den neuen Bundesländern 23 400 Euro. In der alten Bundesrepublik ist er rund viermal so hoch: 92 500 Euro. Daran dürfte sich nicht viel ändern. Während es in den alten Ländern dem Statistischen Bundesamt zufolge kaum einen Landkreis ohne Einkommensmillionär gibt, sind in Ostdeutschland Kommunen mit derart Vermögenden eine Seltenheit.

Kitaquote

52 Prozent beträgt der Anteil von Kindern im Alter bis zu drei Jahren, die in den neuen Ländern (einschließlich Berlins) Kinderkrippen und Kindertagesstätten besuchen (Stand März 2019). Damit lässt der Osten den Westen Deutschlands weit hinter sich, denn in den alten Ländern beträgt diese Quote nur rund 30 Prozent. Lange wurde im Westen das dichte Netz mit Angeboten zur Kinderbetreuung im anderen Landesteil als Erbe der DDR misstrauisch angesehen. Inzwischen bemühen sich auch die alten Länder, solche Betreuungsangebote für Eltern zu schaffen.

Standardrente

1435 Euro (brutto) erhält ein Rentner im Osten jeden Monat, wenn er 45 Jahre lang durchschnittlich verdient und in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat. Wobei der Begriff „Standardrente“ irreführend ist, denn natürlich kommt nicht jeder Rentner auf 45 Beitragsjahre oder erhält den Durchschnittsverdienst. Doch für Vergleiche wird der fiktive „Eckrentner“ immer wieder herangezogen. Im Westen lag die Standardrente im Juli 2019 nach Angaben der Rentenversicherung nur leicht höher, bei 1487 Euro im Monat. Um die finanzielle Situation der älteren Generation in Ost und West bewerten zu können, reicht der Blick auf die gesetzliche Rente allerdings nicht aus. Betriebsrenten werden im Westen häufiger gezahlt, auch sonstige Alterseinkünfte – etwa aus Vermögen – kommen hier öfter vor. Dafür fallen bei der gesetzlichen Rente die Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Ostdeutschland geringer aus als im Westteil des Landes.

Abstieg West

30 Jahre nach dem Mauerfall wächst in den klammen Kommunen im Westen der Unmut. Allein die Ruhrgebietsstädte ächzen unter Altschulden – sogenannten Kassenkrediten – von rund 16 Milliarden Euro. Spitzenreiter ist Essen mit 2,2 Milliarden Euro, vor Oberhausen, Dortmund, Duisburg und Wuppertal. Sie haben den Aufbau Ost mitgetragen, die Folgen des Strukturwandels durch das Ende der Kohleförderung führen aber zu immer größeren sozialen Problemen, Altersarmut, verwahrlosten Stadtteilen und mangelnden Mitteln für eigene Investitionen. Auch hier verzeichnet die AfD Zulauf. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) pocht auf eine „Sanierung West“. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hat erklärt, dass die Regierung bereit sei, einmalig zu helfen. Bisher herrscht darüber kein Konsens.

Lohngefälle

Gleiche Qualifikation, unterschiedlicher Lohn – das gilt einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-­Böckler-Stiftung zufolge auch 30 Jahre nach der Wende. Beschäftigte im Osten verdienen demnach im Schnitt fast 17 Prozent weniger als im Westen. Bei Ausbildungsberufen ist der Unterschied meist größer, bei akademischen Tätigkeiten geringer, heißt es in der Studie. Ein Ende des Lohngefälles ist indes nicht absehbar. Seit 2005 entwickeln sich die Gehälter in Ost und West fast parallel. Von 2010 bis 2014 wuchs das Lohngefälle leicht, seitdem nähern sich die Gehälter wieder an.

Arbeitslosenquote

Im September lag der Anteil der Arbeitslosen in Ostdeutschland bei 6,1 Prozent, während im Westen im Durchschnitt 4,6 Prozent der Menschen auf Jobsuche waren. Im Vergleich zu früher haben sich die Arbeitslosenquoten spürbar angenähert, auch dank des Aufschwungs der letzten Jahre. Zu Zeiten der Wiedervereinigung sah das Bild noch anders aus: Im September 1991 waren im Westen 5,9 Prozent der Menschen arbeitslos, im Osten waren es 11,4 Prozent. Mit der Massenarbeitslosigkeit Ende der 1990er-Jahre wurden die Differenzen noch größer. Im Osten stieg der Anteil der Arbeitslosen im Spätsommer 1999 auf 18,4 Prozent, im Westen war die Quote halb so hoch. Auf dem Arbeitsmarkt unterscheidet die Bundesagentur für Arbeit mittlerweile weniger nach Ost und West, sondern nach strukturschwachen und boomenden Regionen.

Dax-Vorstände

Nicht ein einziger der 30 Dax-Vorstandsvorsitzenden kommt aus dem Osten. Und auch in den erweiterten Chefetagen spielen Ostdeutsche kaum eine Rolle. Eine „Tagesspiegel“-Umfrage unter den Dax-Unternehmen ergab 2018, dass nur fünf der 196 Vorstandsposten in den größten deutschen Aktiengesellschaften von Managern besetzt sind, die aus dem Osten kommen. Zudem hat kein Dax-­Unternehmen seinen Sitz in den neuen Bundesländern.


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
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