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Behörde will Einrichtungen umwandeln
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Flüchtlingsunterkünfte für Studenten

Kristin Hermann 23.11.2017 2 Kommentare

Das Studentenwohnheim FIZZ an der Bremer Universität. Für Studierende ist der Wohnraum in Bremen knapp.
Das Studentenwohnheim FIZZ an der Bremer Universität. Für Studierende ist der Wohnraum in Bremen knapp. (Petra Stubbe)

Die Bremer Sozialbehörde will zusammen mit dem Studentenwerk prüfen, ob sich einzelne Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt zu Studentenwohnheimen umfunktionieren lassen. Wie der WESER-KURIER erfahren hat, sollen die Besichtigungen dafür in der kommenden Woche starten. Der Bedarf an günstigem Wohnraum ist nach wie vor groß. Auch einige Wochen nach dem Start des laufenden Semesters stehen noch rund 650 Studierende auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz. Gleichzeitig kommen immer weniger Geflüchtete in Bremen an. Nach Angaben der Behörde sind die Einrichtungen, die vom Land langfristig angemietet wurden, derzeit nur zu 75 Prozent ausgelastet.

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Wie das Ressort von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) angekündigt hat, sollen deshalb in den kommenden Monaten einige Unterkünfte schrittweise zurückgebaut oder umfunktioniert werden. Dabei handelt es sich um zwölf Gebäude, was etwa einem Drittel aller Übergangswohnheime entspricht. Das Studentenwerk steht diesem Vorhaben relativ offen gegenüber. „Wir begrüßen, dass die Regierungskoalition in ihrem Haushaltsentwurf auf unsere Forderung nach mehr bezahlbarem Wohnraum für Studierende eingegangen ist, indem 15 Millionen Euro zusätzlich eingeplant wurden“, sagt Hauke Kieschnick, Geschäftsführer des Studentenwerks Bremen.

Man steht noch ganz am Anfang

Dem Studentenwerk wurden bereits verschiedene Gebäude zur Nutzung als künftige Wohnheime angeboten. Welche konkret auf dieser Liste stehen, wollten sowohl die Sozialbehörde als auch das Studentenwerk auf Anfrage nicht offen legen. Man stehe noch ganz am Anfang. Aus diesem Grund wolle sich die Behörde auch noch nicht zu möglichen Trägern oder Umbaukosten äußern. In einigen Fällen könnten Baumaßnahmen jedoch nötig werden.

Aufgrund der angespannten Situation 2015 wurden einige Übergangswohnheime lediglich mit Gemeinschaftsküchen und -­bädern ausgestattet. Doch der Trend der Studierenden gehe eher zu eigenen Küchen und Waschräumen. Wo die Umstände es erlaubt haben, sei dieser Standard jedoch auch in den Flüchtlingseinrichtungen berücksichtigt worden. „Das sind Einrichtungen, in denen auch eine mögliche Nachnutzung mitbedacht wurde“, sagt ein Sprecher der Sozialbehörde. 

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Doch auch wenn die Wohnungsnot unter den Studierenden groß ist, kommt für das Studentenwerk nicht jedes Gebäude infrage. Die Vertretung ist sich sicher, dass sich für Studierende vor allem jene Stadtteile anbieten, in denen sie auch schon heute überwiegend leben, darunter Horn-Lehe, Schwachhausen, das Viertel oder die Neustadt. „Praktisch einmal an der Straßenbahnlinie 6 entlang“, sagt Kieschnick. Studierende würden zentrale und urbane Lagen oder Standorte in Nähe der Hochschulen bevorzugen. Gleiches gelte für Bremerhaven, wo der Wohnungsmarkt jedoch deutlich entspannter sei.

Neustadt und Überseestadt

Zwei mögliche Standorte in der Neustadt und der Überseestadt wolle man deshalb definitiv in die Überlegungen einbeziehen. „Dort benötigen wir, aufgrund der Nähe zur Hochschule Bremen und Kunsthochschule, Gebäude oder Grundstücke“, so Kieschnick. Einige andere Standorte kommen für das Studentenwerk hingegen nicht infrage, da sie zu weit entfernt von den Hochschulen lägen. Gemeint sind damit vor allem Bremen-Nord, aber auch Stadtteile wie Gröpelingen oder Walle. Das Studentenwerk hat die Befürchtung, die Wohnungen dort nur schwer vermieten zu können.

In den zuständigen Beiräten bedauert man diese Ansicht. „Mehr Studierende würden diesen Stadtteilen durchaus guttun“, sagt Raimund Gaebelein (Linke), stellvertretender Beiratssprecher in Gröpelingen. Der Weg aus Gröpelingen dauere beispielsweise nicht viel länger als aus der Neustadt. „Außerdem sind die Mieten hier geringer.“ Gaebelein würde zudem begrüßen, wenn die Behörde und das Studentenwerk die Option hinzuziehen würden, Studierende und Geflüchtete zusammen unterzubringen.

In anderen Städten werden solche Modelle bereits erprobt. In Lüneburg leben seit 2016 Studierende und Geflüchtete zusammen. Ein Zimmer kostet dort zwischen 150 und 250 Euro im Monat. Das Projekt sei gut angenommen worden, sagt Daniel Gritz, Sprecher der Stadt Lüneburg. „Nicht weil der Wohnraum so knapp bemessen ist, sondern weil die Studierenden große Lust auf das Projekt hatten.“ Auch in Hamburg sollen ab 2018 Jahr Azubis und Studierende in ehemalige Flüchtlingsunterkünfte ziehen. 


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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